Indikationen Onkologie

Dickdarmkrebs

Erkrankung

Etwa jede 8. Krebserkrankung von Frauen und Männern in Deutschland betrifft den Darm.1 Im Jahr 2012 erkrankten etwa 33.740 Männer und 28.500 Frauen an Darmkrebs.1 Damit ist Darmkrebs derzeit bei Männern die dritthäufigste und bei Frauen die zweithäufigste Tumorart hierzulande.2

Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 72 Jahren bei Männern und bei 75 Jahren bei Frauen.1

Fast zwei Drittel der Erkrankungen treten im Dickdarm auf (Kolonkarzinom), etwa 30% betreffen den kürzeren Enddarm (Rektumkarzinom).1

Die Sterberate ist in den letzten zehn Jahren um 20% gesunken. Die relative 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei 63%.1

Alle Informationen in diesem Kapitel beziehen sich auf Dickdarmkrebs.

Ursachen und Risikofaktoren

Eine Reihe von Faktoren können das Risiko für Dickdarmkrebs erhöhen. Dazu gehören vor allem:

  • Rauchen1
  • Übergewicht1
  • Bewegungsmangel1
  • Dickdarm-Polypen 1
    • Darmpolypen sind die häufigste Vorstufe von Dickdarmkrebs.3 Darmpolypen sind gutartige Wucherungen der Darmschleimhaut, die sich an der Darmwand bilden und ins Darminnere hineinragen
    • Feingeweblich (histologisch) gehören Polypen meist zur Gruppe der Adenome, die zunächst gutartig sind.3
    • Wenn Adenome weiter wachsen, können sie sich jedoch zu Dickdarmkrebs entwickeln. Das dauert in der Regel viele Jahre.
    • Durch die Entfernung der Polypen (Polypektomie) im Rahmen einer Darmspiegelung (Koloskopie) kann die Entartung zu Dickdarmkrebs verhindert werden.
  • Familiär gehäufter Dickdarmkrebs1
  • Langjährige chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED)1
Dickdarm-Polypen als Vorstufen von Dickdarmkrebs

Symptome

In frühen Stadien verursacht Dickdarmkrebs meist keine Beschwerden oder Schmerzen, so dass sich die Erkrankung oft lange nicht bemerkbar macht.

Mögliche Warnzeichen können sein:4

  • Veränderungen der Stuhlgewohnten, vor allem ein Wechsel zwischen Verstopfung (Obstipation) und Durchfall (Diarrhöe)
  • Blut im Stuhl
  • Krampfartige Bauchschmerzen und wiederholt einsetzender zwingender Stuhldrang, häufig ohne Stuhlentleerung
  • Blutarmut (Anämie) durch unerkannte, nicht sichtbare (okkulte) Tumorblutungen

Diagnose

  • Darmspiegelung (Koloskopie) Die Darmspiegelung ist die die wichtigste und aussagekräftigste Untersuchung bei Verdacht auf Dickdarmkrebs.5

    Der Patient erhält in der Regel für die Dauer der Untersuchung ein Schlafmittel. Die Untersuchung findet meist ambulant statt.5,6

    Bei der Darmspiegelung wird nach Reinigung des Darms mit Abführmitteln ein biegsames schlauchähnliches Untersuchungsgerät (Koloskop) über den After eingeführt und durch den Dickdarm bis zum Übergang in den Dünndarm vorgeschoben.5,6 Eine kleine Kamera am Schlauchende sendet Bilder aus dem Darminneren an einen Monitor.

    Beim langsamen Zurückziehen des Koloskops untersucht der Arzt die Schleimhaut nach auffälligen Veränderungen und entnimmt davon Gewebeproben (Biopsie).5,6 Die meisten Schleimhautwucherungen (Polypen) können mit einer Schlinge abgetragen werden. Die entnommenen Proben und die Polypen werden anschließend vom Pathologen unter dem Mikroskop (histologisch) untersucht.

  • Ausbreitungsdiagnostik (Staging)
    • Bei der Ausbreitungsdiagnostik wird festgestellt, ob und wenn ja, wie weit sich der Tumor im Körper ausgebreitet hat. Das erfolgt mit Hilfe der so genannten TNM-Klassifikation
    • Krebszellen können über die Blut- und Lymphbahnen in andere Organe wandern und dort Tochtergeschwülste (Fernmetastasen) bilden. Am häufigsten kommt es bei Dickdarmkrebs zu Fernmetastasen in der Leber, gefolgt von der Lunge.7 Seltener sind Metastasen in Nieren, Gehirn oder Knochen
Die Darmspiegelung ist die wichtigste Untersuchung bei Verdacht auf Dickdarmkrebs

Therapie

  • Operation
    Das Ziel der Operation ist es, den Tumor im Dickdarm und die ihn umgebenden Lymphknoten möglichst vollständig zu entfernen.8 Damit ist die Möglichkeit einer Heilung gegeben, man spricht daher auch von der kurativen (heilenden) Behandlung.

    Bei der Operation wird das vom Krebs befallene Darmstück mit einem ausreichenden Sicherheitsabstand zu beiden angrenzenden Seiten entfernt und der Darm wieder zusammen genäht.8

    Zusätzlich werden die benachbarten Lymphknoten und das umgebende Fett- und Bindegewebe entfernt.8

    In bestimmten schwierigen Fällen, zum Beispiel bei akutem Darmverschluss oder einer Entzündung im Bauchraum, können die entstehenden Darmenden möglicherweise nicht sofort miteinander vernäht werden.8,9 Hier kann vorübergehend ein künstlicher Darmausgang (Anus praeter; Stoma) notwendig sein, bis die Darmnaht ausheilt. Der Stuhlgang wird dabei vorzeitig durch die Bauchhaut ausgeleitet und in einem kleinen Folienbeutel aufgefangen. Sobald der Gesundheitszustand des Patienten es zulässt, wird der künstliche Ausgang wieder zurückverlegt.

    Bei manchen Patienten können auch Tochtergeschwülste (Metastasen) in der Leber und Lunge operativ entfernt werden.10

    Weitere Texte zu den allgemeinen Prinzipien einer operativen Therapie in der Onkologie finden Sie im unter "Operation".

  • Weitere Behandlungen
    Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung (benachbarte Lymphknoten und/oder Organe befallen) erhalten in der Regel nach der Operation eine unterstützende (adjuvante) Chemotherapie. Diese wirkt im gesamten Körper, man spricht deswegen auch von einer systemischen Therapie.

    Bei Patienten mit Metastasen können zielgerichtete Therapien sinnvoll sein.

Bei einer Chemotherapie werden Wirkstoffe eingesetzt, die die Zellteilung und damit Vermehrung von Tumorzellen hemmen und deshalb als Zytostatika ("Zellteilungs-Hemmer") bezeichnet werden.

Es gibt verschiedene Gruppen von Zytostatika, die in unterschiedliche Phasen des Zellzyklus eingreifen. Mehr zu den allgemeinen Prinzipien der Chemotherapie erfahren Sie unter "Chemotherapie".

  • Adjuvante Chemotherapie10
    Für die adjuvante, die Operation unterstützende Chemotherapie werden bei Patienten mit Dickdarmkrebs meist verschiedene Zytostatika miteinander kombiniert (Kombinations-Chemotherapie).

    Ziel der adjuvanten Chemotherapie ist es, eventuell bereits gestreute Krebszellen zu zerstören und damit eine dauerhafte Heilung zu erreichen. Häufig werden die folgenden Schemata verwendet:

    • Das FOLFOX-Schema: Kombination Folinsäure (FOL) i.v. mit 5-Fluorouracil (5-FU; F) i.v. und Oxaliplatin (OX) i.v.
    • Das FOLFIRI-Schema: Kombination Folinsäure (FOL) i.v. mit 5-Fluorouracil (5-FU; F) i.v. und Irinotecan (IRI) i.v.
  • Palliative Chemotherapie11
    Eine palliative (lindernde) Chemotherapie hat das Ziel, bei Patienten mit Tochtergeschwülsten (Metastasen) tumorbedingte Beschwerden und damit die Lebensqualität zu verbessern. Eingesetzt wird vor allem 5-Fluorouracil (5-FU) als Einzelgabe (Monotherapie) oder in Kombination mit Oxaliplatin und/oder Irinotecan.

Zu den typischen Nebenwirkungen dieser Schemata und deren Management lesen Sie bitte "Chemotherapie".

Zielgerichtete Therapien (engl. "Targeted therapies") richten sich gezielt gegen bestimmte Eigenschaften des Tumors, die das Wachstum der Tumorzelle fördern.

Bei Patienten mit metastasiertem Darmkrebs gibt es verschiedene Angriffspunkte der zielgerichteten Therapie, die oft auch mit einer Chemotherapie kombiniert werden:12

  • Hemmung der Gefäßneubildung
  • Hemmung der Wachstumssignale bei Patienten ohne Vorliegen einer K-RAS-Mutation (Wildtyp) des Tumors
    • K-RAS ist ein Eiweißstoff, der das Zellwachstum und die Zellteilung kontrolliert. Veränderungen im Erbgut (Mutation) der Tumorzelle führen dazu, dass K-RAS dauerhaft aktiviert ist und sich die Tumorzellen rasant vermehren. Hemmer der Wachstumssignale wirken nur, wenn keine K-RAS-Mutation vorliegt, man spricht von einem K-RAS-Wildtyp
    • Ob eine K-RAS-Mutation im während der Operation entfernten Tumorgewebe vorliegt, wird vom Pathologen mit Hilfe eines speziellen Labortests festgestellt

Welche Möglichkeiten der zielgerichteten Therapien verfügbar sind, welche typischen Nebenwirkungen entstehen können und wie diese behandelt werden, lesen Sie bitte unter "Zielgerichtete Therapien".