Indikationen Onkologie

Eierstockkrebs

Erkrankung

Im Jahr 2012 sind 7.380 Frauen in Deutschland neu an Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) erkrankt.1 Eierstockkrebs steht an 8. Stelle der Krebserkrankungen bei Frauen.2 Das mittlere Alter bei der Diagnose liegt bei 69 Jahren, statistisch gesehen erkrankt etwa eine von 72 Frauen im Laufe ihres Lebens an einem Eierstocktumor.1 Da Eierstockkrebs meist erst in fortgeschrittenen Stadien entdeckt wird, ist der Verlauf (Prognose) eher ungünstig, das relative 5-Jahres-Überleben beträgt derzeit ca. 41%.1

Ursachen und Risikofaktoren

Das Risiko an Eierstockkrebs zu erkranken, steigt mit den folgenden Faktoren:1,3,4,5,6

  • Zunehmendes Lebensalter
  • Übergewicht
  • Kinderlosigkeit/Unfruchtbarkeit (Infertilität)
  • Hormonersatztherapie wegen Wechseljahresbeschwerden
  • Familiäre Vorbelastung
    • Familiäres Brust- und Eierstockkrebs-Syndrom bei BRCA1/2-Mutation
    • Familiäres Dickdarmkrebs-Syndrom

Einen schützenden (protektiven) Einfluss scheinen dagegen die Einnahme der Antibaby-Pille (orale Kontrazeption) sowie eine Sterilisation zu haben.5,6

Etwa jeder zehnte Eierstockkrebs ist erblich bedingt.5 Bei diesen Frauen findet sich eine genetische Veränderung (Mutation) der Gene BRCA1 und BRCA2. Diese Genveränderung erhöht auch das Risiko für Brustkrebs (Mammakarzinom), deshalb wird vom familiären Brust- und Eierstockkrebs-Syndrom gesprochen.

Besteht der Verdacht auf einen genetischen Hintergrund der Eierstockkrebs-Erkrankung kann in einem spezialisierten Zentrum ein Gentest durchgeführt werden.5

Symptome

Eierstockkrebs macht zu Beginn meist keine Beschwerden, da der Tumor zunächst genügend Platz im Bauchraum und im Becken hat, sich auszubreiten.7 Nach den Leitlinien sollten weitergehende Untersuchungen eingeleitet werden, wenn folgende Beschwerden wiederholt und anhaltend vor allem bei Frauen im Alter über 50 Jahren auftreten:7,8

  • Völlegefühl
  • Blähungen
  • Unklare Bauchschmerzen oder Verdauungsbeschwerden
  • Zunahme des Bauchumfangs oder unklare Gewichtsabnahme
  • Häufigeres Wasserlassen als bisher üblich

Im fortgeschrittenen Stadium kann es zudem zur Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle kommen ("Bauchwassersucht", maligner Aszites).

Diagnose

Bei Verdacht auf einen Eierstocktumor werden verschiedene Untersuchungen vorgenommen. Dazu gehören vor
allem:7,8

Die endgültige Diagnose Eierstockkrebs wird erst durch eine Operation mit feingeweblicher Untersuchung (Histologie) durch den Pathologen gesichert (operatives Staging).7 So lässt sich feststellen, ob ein Tumor gut- oder bösartig ist und welche Form von Eierstockkrebs vorliegt.

  • Ausbreitungsdiagnostik (Staging)
    • Bei einer Metastasierung werden Zellen aus dem Tumor über die Blut- und Lymphbahnen in andere Organe verschleppt und können dort Tochtergeschwülste bilden (Metastasen). Bei Eierstockkrebs können vor allem Metastasen in der Leber und der Milz sowie im Bauchfell (Periteonealkarzinose) auftreten.9
    • Um die Größe sowie die räumliche Ausbreitung des Tumors im Körper festzustellen, folgen verschiedene weitere Untersuchungen. Nach deren Ergebnis wird die Erkrankung in Stadien eingeteilt (TNM-Klassifikation).

Therapie

Besteht durch die Diagnostik der Verdacht auf Eierstockkrebs, ist der nächste Schritt die Operation, die zugleich der Sicherung der Diagnose dient und Therapie ist.10,11,12 Anschließend können je nach Ausbreitung und Art des Tumors die systemische Therapien in Form einer Chemotherapie eventuell in Kombination mit einer zielgerichteten Therapie zum Einsatz kommen.10,11,12

Bei der Operation wird unter Vollnarkose der Bauchraum eröffnet (Laparatomie) und die Eierstöcke frei gelegt.10,11,12 Anschließend entnimmt der Operateur eine Gewebeprobe und schickt sie zur so genannten Schnellschnitt-Untersuchung zum Pathologen. Dieser untersucht das verdächtige Gewebe noch während der Operation feingeweblich unter dem Mikroskop (Histologie) und teilt dem Operateur mit, ob die Veränderung gut- oder bösartig ist.

Bei gesichertem Eierstockkrebs wird zunächst die gesamte Bauchhöhle abgetastet und begutachtet und Gewebeproben aus verschiedenen Bereichen entnommen, um sie auf Krebszellen untersuchen zu lassen (Zytologie).11,12

  • Operation des örtlich begrenzten, frühen Eierstockkrebs

    Sofern der Tumor sich noch nicht auf andere Organe im Becken beziehungsweise in der Bauchhöhle ausgebreitet hat, sondern nur auf die Geschlechtsorgane im Becken begrenzt ist (örtlich begrenztes, frühes Stadium), sollten laut den aktuellen Leitlinien die folgenden Organe/Gewebe entfernt
    werden
    (operatives Staging):11,12

    • Beide Eierstöcke und beide Eileiter (Adnexexstirpation)
    • Gebärmutter (Hysterektomie)
    • Bauchnetz (Omentektomie)
    • Lymphknoten entlang der Beckengefäße und der großen Bauchgefäße (Lymphadenektomie)
    • Blinddarm (Appendektomie) bei bestimmten Tumorformen Mit diesem so genannten kompletten operativen Staging lassen sich bei Patientinnen mit frühem Eierstockkrebs ein deutlich besseres Gesamtüberleben und Überleben ohne Rückfall (progressionsfreies Überleben) erzielen.11,12

  • Operation des fortgeschrittenen Eierstockkrebs

    Wenn andere Organe im Becken beziehungsweise in der Bauchhöhle betroffen und/oder Fernmetastasen vorliegen, besteht ein fortgeschrittenes
    Stadium.11,12 In diesem Fall sollte nach den aktuellen Leitlinien so viel Tumormasse operativ entfernt werden, bis sie mit bloßem Auge nicht mehr sichtbar ist (makroskopische vollständige Resektion).11,12

Zusätzlich zu den Eingriffen beim operativen Staging können bei dieser auch "Debulking" genannten Operation (operative Reduktion der Tumormasse) zudem die Entfernung des Bauchfells (Peritoneum) sowie der Milz, von Darmabschnitten, Leberanteilen und Teilen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) notwendig sein.11,12

In Studien konnte nachgewiesen werden, dass bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs das Ausmaß der operativen Tumorentfernung bei der ersten Operation (Primäroperation) wesentlich den Verlauf (Prognose) bestimmt.11,12 Die vollständige Entfernung aller sichtbaren Tumormanifestationen ist mit einem längeren Überleben verbunden.

Mehr zu den allgemeinen Grundlagen einer operativen Therapie in der Onkologie lesen Sie unter Krebstherapie "Operation".

Mit einer systemischen, also im gesamten Körper wirkenden Therapie sollen nach einer Operation eventuell noch vorhandene Tumorzellen zerstört werden.

Ob sich bei Patientinnen mit Eierstockkrebs nach der Operation (adjuvant) eine weitere systemische Behandlung anschließt, richtet sich nach der Ausbreitung der Erkrankung.

Bei einem Tumor in einem frühen, örtlich begrenzten Stadium wird nach einem kompletten operativen Staging keine weitere adjuvante systemische Therapie empfohlen.13 Für Betroffene mit einem Tumor im fortgeschrittenen Stadium kommt eine Chemotherapie eventuell in Kombination mit einer zielgericheteten Therapie in Betracht.

Eine Chemotherapie umfasst die Behandlung mit Medikamenten, die Zytostatika ("Zellteilungs-Hemmer") genannt werden. Diese Medikamente hemmen die Zellteilung von Tumorzellen und unterbinden damit deren Vermehrung.

Die Chemotherapie ist eine systemische Behandlung, mit der eventuell in den Körper gestreute Tumorzellen bekämpft werden sollen.

Bei Patientinnen mit Eierstockkrebs im fortgeschrittenen Stadium wird nach der Operation (adjuvant) häufig eine
Platin-basierte Chemotherapie eingesetzt.13 Sofern ein Rückfall (Rezidiv) eingetreten ist, und die Patientin zuvor gut auf eine Platin-basierte Chemotherapie angesprochen hatte (Platin-sensitiv), kann diese im Rückfall erneut gegeben werden.14

Hat die Erkrankung nicht auf die erste Gabe einer Platin-basierten Chemotherapie angesprochen (Platin-refraktär), wird im Rezidiv eine nicht-Platin haltige Chemotherapie mit Doxorubicin, Topotecan, Gemcitabin oder Paclitaxel wöchentlich empfohlen.14 Erfahren Sie mehr zu den allgemeinen Prinzipien der Chemotherapie und den typischen Nebenwirkungen unter Krebstherapie "Chemotherapie".

Bestimmte biologische Eigenschaften in den Tumorzellen und den Gefäßzellen können Angriffspunkte für so genannten zielgerichtete Therapien (engl. "Targeted therapies") sein.

Bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs können Antikörper eingesetzt werden, die die Gefäßneubildung im Tumor hemmen.14

Wie Medikamente der zielgerichteten Therapien wirken und welche typischen Nebenwirkungen auftreten können, erfahren Sie unter Krebstherapie "Zielgerichtete Therapien".