Krebstherapie

Knochenmark- und Stammzellen-Transplantation

Bei manchen Patienten mit Leukämien oder verwandten Erkrankungen lässt sich mit einer Chemotherapie allein kein ausreichender Therapieerfolg erzielen.1 Das kann der Fall sein, wenn

  • sich die Erkrankung trotz Chemotherapie nicht vollständig zurückbildet (refraktäre Erkrankung)
  • ein Rückfall auftritt (Rezidiv)
  • eine Leukämieform vorliegt, bei der die Heilungschancen mit Chemotherapie alleine schlecht sind (Hochrisiko-Patienten)

Alle Blutzellen entwickeln sich im Knochenmark aus gemeinsamen Vorläuferzellen, den so genannten blutbildenden Stammzellen.2 Blutstammzellen sind damit die „Mutterzellen“ aller Blutzellen.3 Blutstammzellen können1,3

Blutstammzellen

Grundlagen des Verfahrens

  • Allogene Transplantation
    Bei der allogenen Transplantation werden Blutstammzellen eines geeigneten Spenders übertragen (Familienmitglied oder passender Fremdspender).1,3

    Voraussetzung dafür ist, dass bestimmte Gewebemerkmale auf der Oberfläche der Blutzellen von Spender möglichst vollständig mit denen des Empfängers übereinstimmen.1,3 Damit soll eine Abwehrreaktion des gespendeten Knochenmarks gegen den Organismus des Empfängers vermieden werden.

    Ob die Gewebemerkmale von Spender und Empfänger übereinstimmen, wird zuvor durch Laboruntersuchungen bestimmt (Typisierung).1

    In der DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei gemeinnützige GmbH sind derzeit weltweit 6 Millionen freiwillige potenzielle Stammzellspender registriert.4

  • Autologe Transplantation
    Bei der autologen Transplantation werden dem Patienten eigene Blutstammzellen übertragen, die ihm zuvor in der krankheitsfreien Phase (Remission) entnommen und eingefroren wurden.3

    Die autologe Transplantation wird hauptsächlich bei der Behandlung des multiplen Myeloms und von Lymphomen durchgeführt.3

  • Periphere Blutstammzell-Transplantation
    Bei der peripheren Blutstammzell-Transplantation werden die Blutstammzellen direkt aus dem zirkulierenden (peripheren) Blut des Patienten oder des Spenders entnommen.1,3,5

    Diese Form der Stammzellgewinnung ist die heute gängige, da sie für den Spender einen geringeren Aufwand und Belastung bedeutet als die Entnahme von Blutstammzellen aus dem Knochenmark.3,5 Denn die Entnahme von Stammzellen aus dem peripheren Blut kann ohne Narkose durchgeführt werden und verläuft ähnlich wie eine Blutspende.

  • Knochenmark-Transplantation
    Sofern die Entnahme der Blutstammzellen aus dem peripheren Blut des Spenders oder des Patienten nicht möglich ist, werden die Stammzellen aus dem Knochenmark gewonnen.3 Dies erfolgt unter Vollnarkose aus mehreren Stellen des Beckenknochens.

Durchführung

Die Blutstammzellen-Transplantation besteht aus zwei Phasen, der Konditionierung und der eigentlichen Transplantation.1

  • Konditionierung
    Um alle Krebszellen im Knochenmark zu zerstören, erhält der Patient einige Tage vor der Transplantation eine sehr intensive, hochdosierte Chemotherapie oder Strahlentherapie oder eine Kombination beider Behandlungen.3

    Zugleich wird mit dieser so genannten Konditionierung das körpereigene Abwehrsystem des Empfängers ausgeschaltet, damit die Spender-Stammzellen nicht abgestoßen werden.5

    Dabei werden jedoch auch die gesunden Knochenmarkzellen zerstört, so dass keine eigene Blutbildung mehr stattfinden kann.3 Diese fehlende Neubildung von Blutzellen wird Aplasie genannt.3

  • Transplantation
    Anschließend erhält der Patient als Ersatz für seine zerstörten Blutstammzellen die gesunden Blutstammzellen des Spenders (allogene Transplantation) oder seine eigenen Blutstammzellen (autologe Transplantation) als Infusion über die Vene.1,c

    Die Blutstammzellen wandern in das Knochenmark des Empfängers, siedeln sich dort an und beginnen nach wenigen Tagen mit der Bildung neuer, gesunder Blutzellen.1,3

    In der Regel dauert es durchschnittlich drei Wochen, bis das fremde Knochenmark angewachsen ist, und die Blutwerte wieder steigen.1

Mögliche Risiken und Nebenwirkungen

Eine Stammzelltransplantation ist eine effektive, aber auch belastende Behandlung, die mit verschiedenen Risiken verbunden sein kann.1

  • Durch die intensive vorangehende Chemotherapie und/oder Strahlentherapie3,4
    • können die bekannten Nebenwirkungen dieser Behandlungsansätze auftreten
    • wird die körpereigene Abwehr des Patienten nahezu vollständig ausgeschaltet, so dass über mehrere Wochen bis Monate eine extreme Infektionsgefahr besteht
  • Bei der allogenen Transplantation können die übertragenen Blutstammzellen des Spenders den Organismus des Empfängers als fremd erkennen und angreifen3,5
    • Diese Reaktion wird als Transplantat-gegen-Wirt-Erkrankung (Graft versus host disease; GvHD) bezeichnet
    • Häufig betroffen sind vor allem die Haut, Leber und der Darm des Patienten. Schwere Verlaufsformen der GvHD können lebensbedrohlich sein
    • Zur Vorbeugung erhält der Patient Medikamente, die die Abwehrreaktion unterdrücken (Immunsuppressiva)