Indikationen Onkologie

Nierenzellkrebs

Erkrankung

Jährlich erkranken in Deutschland rund 5.500 Frauen und 9.000 Männer neu an Nierenzellkrebs (Nierenzellkarzinom).1 Dieser Tumor steht damit bei Frauen an 10. und bei Männern an 6. Stelle der Krebserkrankungen in Deutschland.1

Männer sind doppelt so häufig betroffen wie Frauen, das mittlere Erkrankungsalter liegt für Frauen bei 72 Jahren und für Männer bei 68 Jahren.1

Der Krankheitsverlauf (Prognose) ist vergleichsweise günstig, die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt 76% bei Männern und 78% bei Frauen.1 Rund drei Viertel aller Tumoren werden in früheren Stadien diagnostiziert.

Nierenzellkarzinom

Ursachen und Risikofaktoren

Zu den bekannten Risikofaktoren für die Entstehung von Nierenzellkrebs gehören:1,2,3

  • Rauchen
  • Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)
  • Starkes Übergewicht (Adipositas )
  • Schwere eingeschränkte Nierenfunktion (Niereninsuffizienz)
  • Bestimmte seltene erbliche Erkrankungen (v.a. Hippel-Lindau-Syndrom), die für ca. 4% aller Nierenzellkrebsfälle verantwortlich sind3

Symptome

In den meisten Fällen verursacht Nierenzellkrebs lange keine Symptome. Kleinere Tumoren werden häufiger zufällig bei einer Ultraschall-Untersuchung oder einer Computer-Tomographie (CT) entdeckt, die aus anderen Gründen durchgeführt wurden.4

Im fortgeschrittenen Stadium können die folgenden Beschwerden auftreten:5

  • Flankenschmerzen
  • Blutbeimengung im Urin
  • Lymphknotenschwellungen

Diagnose

Besteht der Verdacht auf Nierenzellkrebs, wird der Arzt verschiedene Untersuchungen durchführen. Dazu gehören vor allem:6,7

  • Ultraschall-Untersuchung

    Mit der Ultraschall-Untersuchung (Sonographie) des Bauchraums (Abdomen) können schon sehr kleine Tumoren, die noch keine Symptome machen, in der Niere entdeckt werden.

  • Computer-Tomographie

    Bei Verdacht auf Nierenzellkrebs in der Ultraschall-Untersuchung wird eine Computer-Tomographie (CT) des Bauchraums mit Kontrastmittel durchgeführt.7,8 Mit der CT-Untersuchung erhält der Arzt die folgenden Informationen:

    • Größe des Tumors
    • Lymphknotenbefall
    • Tumorwachstum in die benachbarte Umgebung
  • Magnetresonanz-Tomographie

    Die Magnetresonanz-Tomographie (MRT), auch Kernspin-Tomographie oder kurz Kernspin genannt, wird bei Verdacht auf Nierenzellkrebs eingesetzt, wenn7,8

    • der Patient kein CT-Kontrastmittel verträgt
    • die Nierenfunktion deutlich eingeschränkt ist
    • der Verdacht besteht, dass der Tumor in die Nierenvene oder untere Hohlvene eingewachsen ist
    • das CT keinen klaren Befund ergeben hat
  • Ausbreitungsdiagnostik (Staging)
    • Um festzustellen, ob sich der Tumor noch in andere Regionen des Körpers ausgebreitet hat, wird eine Ausbreitungsdiagnostik durchgeführt und das Tumorstadium mit der TNM-Klassifikation bestimmt.
    • Wenn Zellen aus dem Tumor über die Blut- und Lymphbahnen in andere Organe verschleppt werden, können sie dort Tochtergeschwülste bilden (Fernmetastasen). Am häufigsten kommt es bei Nierenzellkrebs zu Fernmetastasen in die Lunge, gefolgt vom Knochen (v.a. Wirbelsäule, Oberschenkel, Oberarm) und Leber.9

Therapie

Die gängigste Behandlungsmethode für Patienten mit Nierenzellkrebs ist die Operation, mit der der Tumor bestenfalls vollständig entfernt wird.10,11

Bei Patienten mit metastasierter und/oder fortgeschrittener Erkrankung werden zielgerichtete Therapien eingesetzt.12,13

Die Chemotherapie spielt keine Rolle in der Behandlung, da das Nierenzellkarzinom für eine Chemotherapie unempfindlich ist (chemoresistent).14

Das gilt auch für eine Strahlentherapie, diese kann jedoch beim Vorliegen von Metastasen (z. B. Knochenmetastasen) palliativ eingesetzt werden, um Schmerzen zu lindern und die Gefahr von Knochenbrüchen zu verringern.5

Bei der Operation wird der Tumor in der Niere vollständig entfernt. Sofern möglich, belässt der Operateur dabei das gesunde Nierengewebe (teilweise {partielle} Nephrektomie) um die Nierenfunktion zu erhalten.10,11 Dies kann auch minimal-invasiv über eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) erfolgen.

Ist eine nierenerhaltende Operation nicht möglich, muss die gesamte Niere entfernt werden (radikale Nephrektomie). Auch dies lässt sich minimal-invasiv durchführen.10

Zielgerichtete Therapien (engl. "Targeted therapies") wirken gegen spezielle Zielstrukturen der Tumorzelle, die deren Wachstum und Gefäßneubildung zur Nährstoffversorgung des Tumors fördern.

Mit zielgerichteten Therapien haben sich für Patienten mit metastasierter und/oder fortgeschrittener Erkrankung die Behandlungsergebnisse bereits verbessert.12,13

Die zielgerichteten Arzneimittel werden als Tabletten (oral), oder als Infusion (intravenös) eingesetzt.

Bei Patienten mit fortgeschrittenem und/oder metastasiertem Nierenzellkrebs gibt es verschiedene Angriffspunkte der zielgerichteten Therapie:12,13

Welche Wirkstoffe für die zielgerichtete Therapien verfügbar sind und wie die typischen Nebenwirkungen behandelt werden können, lesen Sie unter "Zielgerichtete Therapien".

Medikamente der immunonkologischen Therapie nutzen die Fähigkeiten des körpereigenen Immunsystems, um Tumorzellen zu bekämpfen und abzutöten.

Eine Möglichkeit der immunonkologischen Therapie von Patienten mit forgeschrittenem Nierenzellkrebs sind sogenannte Checkpoint-Inhibitoren wie PD-1-Hemmer. Dadurch können spezialisierte weiße Blutkörperchen, die sogenannten T-Zellen, die Tumorzellen wieder erkennen und zerstören.1

Wenn Sie mehr zur immunonkologischen Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren erfahren möchten, lesen Sie bitte "Immunonkologische Therapie".