Indikationen Onkologie

Hodgkin-Lymphom

Erkrankung

Das Hodgkin-Lymphom, früher auch Morbus Hodgkin oder Lymphogranulomatose genannt, ist eine bösartige (Maligne). Erkrankung der Lymphknoten und des lymphatischen Systems ("Lymphdrüsen-Krebs").1,2,3,4

Das lymphatische System ist Teil des körpereigenen Abwehrsystems (Immunsystem) und besteht vor allem aus:5

    • Lymphgefäßen
    • Lymphknoten
    • Rachen- und Gaumenmandeln
    • Milz
    • Lymphatisches Gewebe im Magen-Darm-Trakt
Das lymphatische System

Das lymphatische System

Die Erkrankung hat ihren Namen nach dem englischen Arzt Thomas Hodgkin, der die Krankheit im Jahr 1832 zum ersten Mal beschrieb.3

Im Vergleich zu anderen Krebsarten wie Brustkrebs oder Dickdarmkrebs ist das Hodgkin-Lymphom eher selten, in Deutschland erkrankten im Jahr 2012 etwa 1.240 Männer und 990 Frauen neu.6

Das Hodgkin-Lymphom kann prinzipiell in jedem Alter auftreten, ist jedoch mit einem Gipfel im 3. Lebensjahrzehnt eine der häufigsten bösartigen Erkrankungen im jungen Erwachsenenalter.7

Das Hodgkin-Lymphom gehört zu den am besten behandelbaren Krebserkrankungen im Erwachsenenalter8 mit einer entsprechend günstigen Prognose: Die Heilungsraten liegen bei 80% bis 90%.9

Ursachen und Risikofaktoren

Beim Hodgkin-Lymphom kommt es zunächst in den Lymphknoten zu einer unkontrollierten Vermehrung der weißen Blutkörperchen, (B-Lymphozyten)1,2,3,4 die ursprünglich für die körpereigene Abwehr (Immunabwehr) zuständig sind.

Im weiteren Verlauf können die bösartig entarteten B-Lymphozyten die Lymphknoten und das lymphatische System verlassen und zusätzlich weitere Organe befallen.1,2,3,4

Bisher sind einige mögliche Risikofaktoren für die Entwicklung eines Hodgkin-Lymphoms bekannt, die Erkrankung kann jedoch auch ohne Vorliegen dieser Risikofaktoren auftreten:8

  • Virusinfektionen
    • Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers)
    • HI-Virus
    • Hepatitis B-Virus
  • Rauchen
  • Genetische Veranlagung

Krankheitsverlauf und Symptome

Zu den Symptomen des Hodgkin-Lymphoms gehören:10,11,12

  • Schmerzlose Lymphknotenschwellung (bei ca. 70% der Patienten)
    • Die Lymphknoten haben eine derbe, gummiartige Konsistenz
  • B-Symptomatik (bei ca. 40% der Patienten)
    • Nicht anderweitig erklärbares Fieber über 38°C
    • Nicht anderweitig erklärbarer Nachtschweiß (Wechsel der Nachtwäsche)
    • Nicht anderweitig erklärbarer Gewichtsverlust von mehr als 10% des Körpergewichtes innerhalb von 6 Monaten
  • Andere mögliche Symptome
    • Leistungsminderung
    • Lymphknotenschmerz nach Alkoholgenuss
      • sog. „Alkoholschmerz“; selten, aber typisch für das Hodgkin-Lymphom
    • Bei vergrößerten Lymphknoten hinter dem Brustbein: Andauernder Reizhusten und Atemnot
    • Bei Befall des Knochenmarks: Veränderungen des Blutbilds

Diagnose

Bei Verdacht auf ein Hodgkin-Lymphom sind die folgenden Untersuchungen von Bedeutung:13,14

  • Untersuchung einer Gewebeprobe (Biopsie)
    • Operative vollständige Entnahme eines vergrößerten Lymphknoten, der gut zugänglich ist
    • Feingewebliche Untersuchung (Histologie) der Gewebeprobe unter dem Mikroskop durch den Pathologen
    • Typisch für das Hodgkin-Lymphom sind große mehrkernige Reed-Sternberg-Zellen und einkernige Hodgkinzellen, die sich aus veränderten B-Lymphozyten entwickeln.

Um festzustellen, ob und wenn ja, wie weit sich die Erkrankung eventuell bereits im Körper ausgebreitet hat, wird eine Ausbreitungsdiagnostik vorgenommen.13,14 Damit lassen sich das Stadium der Erkrankung feststellen und die Behandlung gezielt planen.

Zur Ausbreitungsdiagnostik gehören vor allem:13,14

  • Laboruntersuchung
  • Entnahme von Proben aus dem Knochenmark durch Knochenmarkspunktion
Gewebeprobe eines Lymphknotens bei Patienten mit Hodgkin-Lymphom

Therapie

Die Behandlung des Hodgkin-Lymphoms wird nach der gesicherten Diagnose begonnen und richtet sich nach dem jeweiligen Stadium der Erkrankung.18,19

Für diese so genannte Erstlinien- (Firstline)
Therapie stehen prinzipiell die folgenden Möglichkeiten zur Verfügung:18,19

Bei einem Rückfall (Rezidiv) kann eine autologe Stammzellentransplantation durchgeführt werden.

Stadienangepasste Behandlung des Hodgkin-Lymphoms

Medikamente der Immunonkologie zielen auf die Reaktivierung des körpereigenen Immunsystems ab, um Tumorzellen zu bekämpfen und abzutöten.

Eine neue Option zur Behandlung von Patienten mit Rückfall (Rezidiv) eines Hodgkin-Lymphoms oder ohne Ansprechen auf die herkömmliche Therapie (Therapie-refraktär) ist die immunonkologische Therapie. Eingesetzt werden sogenannte Checkpoint-Inhibitoren wie PD-1-Hemmer. Diese können spezialisierte weiße Blutkörperchen, die sogenannten T-Zellen, die Tumorzellen wieder erkennen und zerstören.

Mehr Informationen zur immunonkologischen Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren erhalten Sie unter "Immunonkologische Therapie".