Indikationen Onkologie

Gebärmutterkörperkrebs

Erkrankung

Mit ca. 10.930 Neuerkrankungen pro Jahr und einem Anteil von 4,8% an allen bösartigen Tumorerkrankungen ist Krebs des Gebärmutterkörpers in Deutschland die vierthäufigste Krebserkrankung bei Frauen.1 Gebärmutterkörperkrebs entwickelt sich fast immer aus der Schleimhaut (Endometrium), die den Körper (Korpus) der Gebärmutter (Uterus) von innen auskleidet.2,3 Daher wird dieser Tumor in der Fachsprache auch Endometriumkarzinom, Korpuskarzinom oder Gebärmutterschleimhautkrebs genannt.
Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 69 Jahren, statistisch gesehen erkrankt etwa eine von 49 Frauen im Laufe ihres Lebens daran.1 Da rund 80% der Tumore in einem frühen Stadium entdeckt werden, ist der Verlauf (Prognose) meist günstig, das relative 5-Jahres-Überleben liegt bei 80%.1

Ursachen und Risikofaktoren

Etwa 80% aller Fälle von Gebärmutterkörperkrebs entstehen und wachsen unter dem Einfluss des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen (östrogen-abhängig; Typ I-Karzinom), etwa 15 % sind hormonunabhängig entstanden (Typ II-Karzinom).1,4,5

  • Risikofaktoren für das Typ I-Karzinom:1,4,5 Beim Typ I-Karzinom wird der langfristige Östrogeneinfluss als Risikofaktor angenommen. Daher spielen die folgenden Faktoren eine Rolle:
    • Frühe erste Regelblutung (Menarche) und späte Wechseljahre (Menopause)
    • Kinderlosigkeit
    • Alleinige Östrogen-Therapie (ohne Zugabe von Gestagenen) im Rahmen der Hormonersatztherapie während und nach den Wechseljahren

  • Weitere Risikofaktoren sind:
    • Übergewicht, vor allem nach den Wechseljahren
    • Krankhafte Veränderung der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium-Hyperplasie)
    • Behandlung mit Anti-Östrogenen im Rahmen einer Brustkrebserkrankung
    • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ 2)
    • Familiäres Dickdarmkrebs-Syndrom

  • Risikofaktoren für das Typ II-Karzinom
  • Beim seltenen Typ II-Karzinom gelten ein höheres Lebensalter sowie vorherige Bestrahlungen der Gebärmutter (z.B. wegen einer Krebserkrankung) als Risikofaktoren.

Symptome

Gebärmutterkörperkrebs wächst in der Regel relativ langsam.6 Typische Alarmsignale können dabei die folgenden Symptome sein:6,7,8

  • Blutungen nach den Wechseljahren
  • Bei Frauen über dem 35. Lebensjahr:
    • Außergewöhnlich starke Monatsblutungen oder Zwischenblutungen
    • Vor und nach der Regelblutung auftretende Schmierblutungen
  • Blutiger oder fleischfarbener, oft übel riechender Ausfluss
  • Andauernde (chronische) Schmerzen im Unterbauch
  • Ungewollte Gewichtsabnahme

Diagnose

Besteht der Verdacht auf Gebärmutterkörperkrebs, werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt. Diese umfassen insbesondere:7,9,10

  • Gynäkologische Untersuchung
  • Ultraschall-Untersuchung (Sonographie) der inneren Geschlechtsorgane durch die Scheide (vaginal)
  • Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) mit Gewebeentnahme (Biopsie)
    • Dabei wird meist unter einer kurzen Vollnarkose über die Scheide eine dünne Sonde (Hysteroskop) in die Gebärmutterhöhle eingeführt. Die Sonde ist mit einer kleinen Kamera und einer Lichtquelle ausgestattet.
    • Zur besseren Sicht wird die Gebärmutter mit einem Gas oder einer Flüssigkeit entfaltet und geweitet.
    • Der untersuchende Arzt kann anschließend über einen Monitor die Gebärmutterschleimhaut genau betrachten und aus verdächtigen Bereichen mit einer kleinen Zange Gewebeproben entnehmen (Biopsie)
    • Diese werden vom Pathologen feingeweblich (histologisch) unter dem Mikroskop untersucht.
  • Ausschabung (fraktionierte Abrasio)
    • Im Anschluss an die Gebärmutterspiegelung wird in der Regel eine Ausschabung (Abrasio) vorgenommen.
    • Dabei entnimmt der Arzt mit einem löffelartigen Instrument getrennt zunächst Schleimhaut aus dem Gebärmutterhals und dann aus dem Inneren des Gebärmutterkörpers (fraktionierte Abrasio)
    • Das entnommene Gewebe wird vom Pathologen feingeweblich (histologisch) untersucht.
  • Ausbreitungsdiagnostik (Staging)
    • Wenn sich bei der Gewebeuntersuchung (Histologie) der Verdacht auf Gebärmutterkörperkrebs bestätigt hat, muss abgeklärt werden, ob und wie weit sich der Tumor ausgebreitet hat und eventuell bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) vorliegen.
    • Bei Gebärmutterkörperkrebs kommt es vor allem zu Metastasen in den Lymphknoten um die Hauptschlagader (Aorta sowie in den Beckenlymphknoten.7 Fernmetastasen in Organen finden sich insbesondere in der Lunge, der Leber sowie im Knochen.11
    • Um die Größe sowie die räumliche Ausbreitung des Tumors im Körper festzustellen, folgen verschiedene weitere Untersuchungen. Nach deren Ergebnis wird die Erkrankung in Stadien eingeteilt (TNM-Klassifikation).

Therapie

Die Therapie der Wahl von Gebärmutterkörperkrebs ist in den meisten Fällen die Operation mit möglichst vollständiger Entfernung des Tumorgewebes sowie eventuell befallener Lymphknoten.11,12,13

Anschließend können je nach Risiko für einen Rückfall (Rezidiv) eine Strahlentherapie und/oder eine Chemotherapie notwendig sein.11,12,13

Bei einigen Frauen mit Gebärmutterkörperkrebs im frühen Stadium und bei dringendem Kinderwunsch sowie bei Frauen mit metastasierter Erkrankung kann zudem auch eine Hormontherapie mit Gestagenen eingesetzt
werden.11,12,13

  • Operation mit Bauchschnitt
    Bei der offenen Operation wird unter Vollnarkose der Bauchraum eröffnet (Laparatomie) und die Gebärmutter mit dem Gebärmutterhals (totale Hysterektomie) sowie die beiden Eileiter und Eierstöcke (Adnexextirpation) und eventuell befallene Lymphknoten aus der Umgebung entfernt.11,12,13
    Wenn auch die Scheide sowie benachbarte Organe wie Harnblase und Enddarm vom Tumor befallen sind, kann es notwendig sein, auch diese teilweise oder ganz operativ zu entfernen.11,12,13
  • Laparoskopische Operation
    Bei Patientinnen mit kleinen Tumoren kann die Gebärmutter auch über eine Bauchspiegelung (Laparoskopie; "Schlüsselloch-Chirurgie") entfernt werden. Bei diesem so genannten minimal-invasiven Eingriff wird eine Sonde (Laparoskop) über einen kleinen Hautschnitt in die Bauchhöhle eingeführt. Die Entfernung der Gebärmutter erfolgt nach deren Zerkleinerung durch zusätzlich eingeführte Instrumente entweder durch das Laparoskop oder über die Scheide (vaginal).

Mehr zu den allgemeinen Grundlagen einer operativen Therapie in der Onkologie lesen Sie unter Krebstherapie "Operation".

Nach Entfernung der Gebärmutter sowie der Eierstöcke können verschiedene Langzeitprobleme auftreten. Dazu gehören vom allem:11,14

  • Wechseljahresbeschwerden
    • Hitzewallungen
    • Schlafstörungen
    • Stimmungsschwankungen
    • Gewichtszunahme
  • Lymphödeme in den Beinen und im Unterbauch bei Entfernung von Lymphknoten im Beckenbereich
  • Verwachsungen und Nervenschädigungen im Bauchraum
  • Infektionen der Harnblase

Je nach Stadium der Erkrankung und dem Risiko für einen Rückfall (Rezidiv) kann bei Frauen mit Gebärmutterkörperkrebs im Anschluss an die Operation eine unterstützende (adjuvante) Strahlentherapie angezeigt sein.11,12,15

Eine alleinige Strahlentherapie ist eine Behandlungsmöglichkeit bei Frauen, die wegen einer schweren Begleiterkrankung nicht operiert werden können, oder mit einem sehr weit fortgeschrittenem
Tumor.11,12,15

In der Regel wird eine Bestrahlung von außen durch die Haut (perkutan) mit einer Bestrahlung von innen (Brachytherapie) kombiniert.15 Bei der Bestrahlung von innen wird eine verkapselte Strahlenquelle über die Scheide in die Gebärmutterhöhle bzw. am Ende der Scheide eingebracht, wenn die Gebärmutter entfernt wurde.

Wenn Sie Näheres zu den Grundlagen der Strahlentherapie in der Onkologie erfahren möchten, lesen Sie bitte den Bereich Krebstherapie "Strahlentherapie".

Bei einer Chemotherapie werden Wirkstoffe, so genannte Zytostatika ("Zellteilungs-Hemmer"), verabreicht, die die Zellteilung von Tumorzellen hemmen und damit deren Vermehrung stoppen.

Die Chemotherapie ist eine systemische Behandlung, mit der eventuell in den Körper gestreute Tumorzellen bekämpft werden sollen.

Bei Patientinnen mit Gebärmutterkörperkrebs und einem hohem Risiko für einen Rückfall (Rezidiv) kann eine Chemotherapie im Anschluss an die Operation (adjuvant) durchgeführt werden.12

Eine Möglichkeit ist auch die Kombination von Bestrahlung und Chemotherapie (Radiochemotherapie).11

Eine Chemotherapie kann zudem bei Patientinnen mit metastasierter Erkrankung zur Linderung von Beschwerden eingesetzt werden (palliative Therapie).12

Lesen Sie mehr zu den allgemeinen Prinzipien der Chemotherapie und den typischen Nebenwirkungen unter Krebstherapie "Chemotherapie".

Bei Frauen mit Gebärmutterkörperkrebs kann in bestimmten Situationen eine Hormontherapie mit Gestagenen gegeben werden.11,12,13 Gestagen wirkt als Gegenspieler von Östrogen und hemmt das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut. In den meisten Fällen lässt sich damit das Wachstum des Tumors eine Zeitlang aufhalten.

Möglich ist auch die Gabe von Medikamenten, die die Östrogenwirkung blockieren (Anti-Östrogene).

Mehr zu den allgemeinen Prinzipien der Anti-Hormontherapie sowie den typischen Nebenwirkungen erfahren Sie unter Krebstherapie "Anti-Hormontherapie".