Krebstherapie

Ernährung

Die Ernährung des Patienten ist seit jeher eines der Kernelemente der Aufgabenbereiche von Pflegekräften.1

Häufig haben viele Tumorpatienten schon vor der Diagnose als Folge einer Unter- oder Mangelversorgung Gewicht verloren.1,2

Im weiteren Verlauf kommt es oft durch die Krebserkrankung selbst oder therapiebedingt durch Übelkeit und Erbrechen und Geschmacksveränderungen zu einer weiteren Verschlechterung des Ernährungszustands.1,2

Eine Mangelernährung ist ein häufiges Problem bei Tumorpatienten und kann einen erheblichen Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung (Prognose) und die Verträglichkeit der Behandlung haben.1

Zu den Folgen einer Mangelernährung gehören insbesondere: 1

  • Zunahme von
    • Morbidität, vor allem von postoperativen Infekten
    • Nebenwirkungen und Komplikationen einer Tumortherapie
    • stationären Klinikaufenthalten
    • Depressionen
    • Müdigkeit
  • Reduktion von
    • Ansprechen auf die Tumorbehandlung
    • Leistungsfähigkei
    • Lebensqualität

Daher sind die Bestimmung des Ernährungszustands (Ernährungs-Assessment) bei Diagnosestellung sowie die Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme wichtige onkologisch-pflegerische Aufgaben.1

Definitionen von Ernährungsstörungen

  • Anorexie: Gewichtsabnahme durch Verlust des Appetits und dem Verlangen nach Nahrung1,2
  • Kachexie: Ungewollter Gewichtsverlust von mehr als 5% des Körpergewichts innerhalb der letzten 6 Monate, begleitet von einem Stoffwechsel, der auch durch eine erhöhte Nährstoffaufnahme kaum zu beeinflussen ist1
    • Die Tumor-Kachexie wird vorwiegend durch den Tumor selbst ausgelöst:1,2,3
      • Durch den Tumor werden bestimmte Botenstoffe des körpereigenen Abwehrsystems (Zytokine) freigesetzt, was zur chronischen Entzündung im gesamten Körper (systemisch) führt
      • Infolgedessen kommt es zu einer veränderten Stoffwechsellage mit Überwiegen der abbauenden (katabolen)2 Faktoren, bei der mehr Muskel- und Fettmasse abgebaut werden als gleichzeitig neu gebildet werden können
  • Sarkopenie:2 Altersbedingter Abbau der Skelettmuskulatur
  • Exsikkose oder Dehydrierung:2 Austrocknung, Flüssigkeitsmangel
    • Ursachen können insbesondere bei älteren Menschen eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme oder ein gesteigerter Verlust von Flüssigkeit beispielsweise durch Durchfälle (Diarrhöen) sein
    • Charakteristisch sind stehende Hautfalten: Dabei bleibt die Hautfalte bestehen und glättet sich nicht sofort wieder, wenn man sie mit Daumen und Zeigefinger abhebt

Ernährungstherapie

Um die negativen Folgen einer Mangelernährung zu vermeiden, ist eine rechtzeitig eingeleitete Ernährungstherapie wichtig.1,2

Die ernährungstherapeutische Unterstützung verfolgt die Ziele1

  • Verbesserung des Ernährungszustands
  • Verbesserung der Lebensqualität
  • Steigerung der Effektivität der Tumortherapie und Reduktion möglicher Nebenwirkungen
  • Verbesserung des Krankheitsverlaufs (Prognose)

Wichtig ist dabei die Zusammenarbeit in einem interdisziplinären Team von Ärzten, onkologischen Pflegekräften und Ernährungsberatern (Ökotrophologen) sowie Diätassistenten.1

Innerhalb dieses Teams sind die Pflegekräfte wichtige Partner und für die direkte Ernährungsunterstützung verantwortlich.1

In der Praxis hat sich bei den ernährungstherapeutischen Maßnahmen ein Stufenschema bewährt:

  • In den ersten beiden Stufen wird die übliche orale Nahrungsaufnahme beispielsweise durch eine individuelle Wunschkost optimiert und/oder angereichert.1 Letzteres kann mit gehaltvollen Lebensmitteln wie Sahne, Butter, Öl oder Nährstoffkonzentraten wie Maltodextrin oder Proteinpulver erfolgen2
  • In der dritten Stufe können Trinknahrungen als sehr wirksame und den Ernährungsbedarf deckende Unterstützung angeboten werden1,2
  • Sofern alle Möglichkeiten der oralen Ernährung ausgeschöpft oder nicht möglich sind, kommt die enterale Sondenernährung zum Einsatz
    • "Enteral" bedeutet "den Magen-Darm-Trakt betreffend" und steht für alle Formen der Nahrungsaufnahme, bei denen der Magen-Darm-Trakt seine normale Funktion behält und nicht umgangen wird2
  • Wenn eine enterale Sondenernährung nicht möglich ist oder nicht ausreicht, kann eine parenterale Ernährung (über die Blutbahn {intravenös} unter Umgehung des Magen-Darm-Trakts) erwogen werden1, 2
    • Bei Patienten, bei denen für die Chemotherapie bereits ein Port-System implantiert wurde, kann dieses auch für die parenterale Ernährung verwendet werden
Stufen der Ernährungstherapie

Stufen der Ernährungstherapie mod. nach3

Für die Ernährungstherapie gilt allgemein:.1,2

  • Wenn immer möglich, sollte eine normale, orale Ernährung angestrebt werden
  • Kombinationen einer enteralen mit einer parenteralen und oralen Ernährung sind möglich und können sinnvoll sein
  • Für eine kurzfristige Ernährungstherapie ist die Nasensonde (nasoenterale Sonde) geeignet
  • Für eine längerfristige Ernährungstherapie eignet sich die Magensonde über die Haut (perkutane endoskopische Gastrostomie; PEG)

Enterale Sondenernährung

Wenn der Patient nicht mehr selbständig oral Nahrung und Flüssigkeit zu sich nehmen kann, gewährleistet die enterale Ernährung über eine Nasensonde (nasoenterale Sonde) oder Magensonde durch die Haut (perkutane endoskopische Gastrostomie; PEG) die Versorgung mit Nährstoffen.2,4

In selteneren Fällen wird die Sonde in den Dünndarm gelegt (perkutane endoskopische Jejunostomie; PEJ).2

Weitere Maßnahmen

Allgemein beeinflussen mögliche Folgen der Tumorerkrankung selbst oder der Behandlung wie Schmerzen, Übelkeit, eine entzündete Mundschleimhaut oder Durchfälle die Freude am Essen.2

Daher sollten diese Begleitbeschwerden so weit wie möglich medikamentös gelindert bzw. in die Planung der Ernährungstherapie miteinbezogen werden.2

  • Kleine Portionen, mehrere Mahlzeiten: Anstelle von wenigen großen Portionen lieber mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt essen
  • Angenehme Atmosphäre schaffen: Sofern der Patient gesundheitlich dazu in der Lage ist, sollte außerhalb des Krankenbetts an einem (gedeckten) Tisch gegessen werden
  • Wunschkost: Individuelle Vorlieben beim Essen und eine Wunschkost sollten erfragt und im Speiseplan berücksichtigt werden
  • Patienten, die zu schwach oder zu müde zur eigenständigen Nahrungsaufnahme sind, bedürfen der Unterstützung von Pflegekräften und/oder Angehörigen. Hilfreich ist dabei häufig schon, wenn größere Stücke mundgerecht vorgeschnitten und Getränke gezielt angereicht werden

"Krebsdiäten"

Experten raten von sogenannten "Krebsdiäten" ab, denn sie können zur gefährlichen Mangelernährung des Patienten führen.6,7

Zudem konnte bisher für keine der Diäten nachgewiesen werden, dass sie den Verlauf einer Tumorerkrankung positiv beeinflussen.6