Indikationen Onkologie

Malignes Melanom

Erkrankung

Im Jahr 2012 erkrankten in Deutschland ca. 10.400 Frauen und ebenso viele Männer an "Schwarzem Hautkrebs".1

Mit einem Anteil von jeweils 4% steht dieser, in der Fachsprache "malignes Melanom" genannte bösartige Tumor der Haut bei Frauen und Männern jeweils an 5. Stelle der Krebserkrankungen in Deutschland.2

Frauen erkranken im Mittel im Alter von 59 Jahren, Männer mit 67 Jahren.1 In den letzten 30 Jahren hat sich die Zahl der Neuerkrankungen mehr als verdreifacht.3 Die Umstellung der Freizeit- und Urlaubsgewohnheiten mit deutlich vermehrter UV-Exposition in den letzten fünf bis sechs Dekaden ist der wichtigste Grund für die Zunahme dieser Tumorart.4

Die relativen 5-Jahres-Überlebensraten liegen derzeit bei 94% für Frauen und für Männer bei 91%.1 Dieser mittlerweile günstige Krankheitsverlauf (Prognose) beruht unter anderem darauf, dass heute ca. zwei Drittel aller Melanome in einem frühen Stadium entdeckt werden.

Ursachen und Risikofaktoren

Die wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung eines malignen Melanoms lassen sich in nicht beeinflussbare, "innere" (endogene) Risikofaktoren und beeinflussbare, äußere (exogene) Risikofaktoren unterscheiden.1,3,4

Nicht beeinflussbare Risikofaktoren:

  • Anzahl der Pigmentmale (Muttermale, "Leberflecken", medizinisch Nävus/Nävi)
  • Heller Hauttyp
  • Familiäre Belastung: Mindestens zwei Verwandte 1. Grades, die an einem malignen Melanom erkrankt sind

Beeinflussbare Risikofaktoren:

  • Ultraviolette Strahlung, wiederholte Sonnenbrände (v.a. in der Kindheit und Jugend)

Symptome

Meist haben Patienten mit einem malignen Melanom der Haut zum Zeitpunkt der Diagnosestellung keine Beschwerden.5

Warnzeichen können vor allem sein:5

  • Ein vorhandenes Pigmentmal verändert sich:
    • Es wird dunkler und/oder größer.
    • Es blutet, juckt und/oder nässt.
  • Ein Pigmentmal wächst neu.

Ein Melanom kann sich jedoch auch auf unauffälliger, gesunder Haut entwickeln.

Das Aussehen maligner Melanome der Haut kann sehr unterschiedlich sein.5 Meist präsentieren sie sich als dunkle, braune oder schwarze Flecken und können flach, erhaben oder knotig wachsen.

Betroffen können prinzipiell alle Stellen der Haut sein.

Malignes Melanom — Leberfleck

Diagnose

Bei Verdacht auf ein malignes Melanom sind die folgenden Untersuchungen von Bedeutung:6

  • Klinische Untersuchung mit dem Auflichtmikroskop (Dermatoskop), einer stark vergrößernden, beleuchteten Lupe
  • Herausschneiden der verdächtigen Stelle und Untersuchung unter dem Mikroskop (Histologie)
  • Tumormarker S100B und LDH
    • Tumormarker sind Stoffe, die vom Tumor selbst oder vom Körper als Reaktion auf eine Tumorerkrankung gebildet werden.
    • Tumormarker lassen sich mit einem Labortest im Blut nachweisen und können bei bestimmten Krebserkrankungen erhöht sein.
    • Beim malignen Melanom im fortgeschrittenen Stadium werden in der Regel die Tumormarker S100B und Lactatdehydrogenase (LDH) bestimmt.7
    • Sind diese erhöht, kann das auf einen schlechteren Krankheitsverlauf (Prognose) hindeuten.7
    • Beide Werte können jedoch auch bei anderen Erkrankungen erhöht sein.
  • Ausbreitungsdiagnostik (Staging)
    • Um festzustellen, wie weit sich das Melanom ausgebreitet hat und ob bereits benachbarte Organe betroffen sind, wird eine Ausbreitungsdiagnostik (Staging) durchgeführt. Die Einteilung der Tumorstadien erfolgt mittels der TNM-Klassifikation .
    • Beim malignen Melanom kann es trotz fehlender Beschwerden und einer relativ geringen Größe bereits frühzeitig zu Tochtergeschwülsten (Metastasen) vor allem in die benachbarten Lymphknoten sowie in die Haut, Lunge, Knochen, Leber und Gehirn kommen.5

Therapie

Bei klinischem Verdacht auf ein malignes Melanom ist die erste (primäre) Therapie die komplette operative Entfernung des Tumors mit einem kleinen Sicherheitsabstand zum Tumorrand.8

Ab einer Tumordicke von 1,0 mm und bei bestimmten anderen Risikokonstellationen sollte eine Wächterlymphknoten (Sentinel)-Biopsie durchgeführt werden.9 Damit lässt sich feststellen, ob der Tumor eventuell schon in benachbarte Lymphknoten gestreut, also Metastasen gebildet hat.

Der so genannte Wächterlymphknoten ist der erste Lymphknoten, der dem Tumor am nächsten liegt.10 Wenn ein Tumor Metastasen bildet, wird der Wächterlymphknoten meist zuerst befallen.

Finden sich im Wächterlymphknoten keine Tumorzellen, ist davon auszugehen, dass der Tumor noch nicht gestreut hat.10 Eine operative Entfernung der Lymphknoten ist in diesem Fall in der Regel nicht notwendig.

Mehr zu den allgemeinen Grundlagen der onkologischen Operation erfahren Sie unter "Operation".

In bestimmten Fällen kann als erste (primäre) Therapie des Tumors auch die ausschließliche oder ergänzend zur Operation (adjuvant) eingesetzte Strahlentherapie angezeigt sein.11

Ebenso beim Vorliegen von Metastasen lassen sich mit der Strahlentherapie Schmerzen und andere Beschwerden lindern und ein lokales Weiterwuchern der Metastasen teilweise eindämmen.

Mehr zu den allgemeinen Prinzipien der Bestrahlung in der Onkologie erfahren Sie unter "Strahlentherapie".

Bei einer Chemotherapie werden Medikamente eingesetzt, die die Krebszellen zerstören bzw. ihr Wachstum und die Vermehrung verhindern oder verlangsamen. Diese Medikamente werden Zytostatika ("Zellteilungs-Hemmer") genannt. Eine Chemotherapie kann bei Patienten mit metastasiertem malignem Melanom symptomlindernd eingesetzt werden.12

Die Chemotherapie wird beim malignen Melanom als Einzeltherapie (Mono-Chemotherapie) oder in Kombination mit mehreren Zytostatika gegeben (Kombinations-Chemotherapie). Die am häufigsten verwendete Substanz ist Darcabazin.12

Wenn Sie mehr zu den allgemeinen Prinzipien der Chemotherapie sowie den typischen Nebenwirkungen und ihrem Management erfahren möchten, gehen Sie bitte zu "Chemotherapie".

Medikamente der zielgerichteten Therapien (engl. "Targeted therapies") hemmen bestimmte Signalwege, die in den Tumorzellen oder Gefäßzellen besonders aktiviert sind, und wirken damit gegen bösartiges Gewebe.

Für die Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem, metastasiertem malignem Melanom und einer nachgewiesenen Veränderung (Mutation) des sogenannten B-RAF-Gens stehen als Angriffspunkt der zielgerichteten Therapie die Hemmung der Signalweiterleitung des B-RAF-Signalwegs und des MEK-Signalwegs zur Verfügung.13 Die Hemmung des B-RAF-Signalwegs kann als Einzeltherapie oder in Kombination mit der MEK-Hemmung gegeben werden.

Bei rund 40% bis 60% der malignen Melanome findet sich eine solche Mutation des B-RAF-Gens13 Diese Veränderungen spielen offenbar eine wichtige Rolle bei der unkontrollierten Vermehrung von Melanomzellen.

Mehr Informationen zu den Wirkmechanismen der zielgerichteten Therapien allgemein und der B-RAF- und MEK-Hemmung insbesondere und möglichen Nebenwirkungen erhalten unter "Zielgerichtete Therapien".

Das Prinzip der immunonkologischen Therapie beruht darauf, die Fähigkeiten des körpereigenen Immunsystems zu stärken, um Krebszellen zu bekämpfen und zu zerstören.

Checkpoint-Inhibitoren

Eine weitere Möglichkeit der Immunonkologie bei Patienten mit fortgeschrittenem, metastasiertem malignem Melanom sind sogenannte Checkpoint-Inhibitoren wie CTLA-4-Hemmer und
PD-1-Hemmer.14

Lesen Sie unter "Immunonkologische Therapie" mehr zu den allgemeinen Prinzipien der Immunologische und den verschiedenen Formen.

Interferon alpha

Interferone aktivieren unter anderem Killerzellen des körpereigenen Abwehrsystems (Immunsystem). Diese Zellen können dann die Krebszellen angreifen und zerstören. Eine Therapie mit Interferon alpha kann Patienten mit fortgeschrittenem malignem Melanom im Anschluss an die Operation unterstützend (adjuvant) angeboten werden.15