Krebstherapie

Komplementäre und alternative Verfahren

Bei kaum einer anderen Erkrankungsgruppe sind komplementär- und alternativmedizinische (KAM) Verfahren so verbreitet wie bei Tumorerkrankungen.1

Schätzungsweise bis zu zwei Dritteln der Patienten mit Krebsleiden haben Kontakt mit KAM.1 Oft scheuen sich die Betroffenen mit dem behandelnden Ärzten darüber zu sprechen. Pflegekräfte und andere Betreuer sind daher häufig die Hauptansprechpartner.

Bisher fehlt eine klare Definition der Begriffe "Alternativmedizin" und "Komplementär-Medizin".2,3 Allgemein kann die folgende Unterscheidung herangezogen werden:1

  • Komplementär-Medizin umfasst Methoden und Verfahren, die die konventionelle, "schulmedizinische" Behandlung ergänzt
  • Alternativ-Medizin umfasst Methoden, die anstatt der konventionellen, "schulmedizinischen" Behandlung eingesetzt werden

Generell gilt: Die Verwendung von komplementärmedizinischen oder alternative Verfahren sollten immer vorab mit dem behandeldnen Arzt besprochen werden.

Nach dem US-amerikanischen Zentrum für komplementäre und alternative Medizin (National Center for Complementary and Alternative Medicin; NCCAM) lassen sich komplementär- und alternativmedizinische Verfahren in die folgenden fünf Kategorien unterteilen:1

  • Ganzheitliche medizinische Systeme
    • Anthroposophische Medizin, einschließlicht Misteltherapie
    • Ayuverda
    • Homöopathie
    • Traditionelle chinesische Medizin (TCM)
  • Energetische Therapien, u.a.:
    • Quigong

In Deutschland spielen insbesondere die Misteltherapie sowie Spurenelemente und Vitamine eine Rolle.1

Für viele dieser Verfahren liegen derzeit nicht genügend Studien vor, mit denen die Wirksamkeit und Sicherheit nachgewiesen werden konnte.3,4

Komplementärmedizin

Misteltherapie

Der Einsatz der Mistel stammt ursprünglich aus der anthroposophsichen Medizin.1,5

Mistelpräparate sind in Deutschland das am meisten eingesetzte komplementäre Mittel bei Krebserkrankungen.1 In anderen Ländern wie beispielsweise den USA sind Mistelpräparate dagegen weitgehend unbekannt und nicht zugelassen, da ihre Wirkung nicht belegt ist.5

Die einzelnen Präparate können nach unterschiedlichen Verfahren hergestellt werden.

Nach der derzeitigen Datenlage gibt es Hinweise dafür, dass die Behandlung mit Präparaten beider Herstellungsverfahren zu einer Verbesserung der Lebensqualität und zur Linderung von Nebenwirkungen einer Chemotherapie führen kann.1

Mistelpräparate für die Tumortherapie sind ausschließlich zur Injektion und nicht zur oralen Einnahme verfügbar.5 Meistens werden die Lösungen in oder unter die Haut gespritzt.

Als mögliche Nebenwirkungen werden lokale entzündliche Reaktionen in Form von Rötungen und Schwellungen beschrieben.1,5 Darüber hinaus sind grippeähnliche Symptome mit Fieber und Kopfschmerzen und allergische Reaktionen möglich.

Mistelpräparate für die Tumortherapie

Die verschiedenen Mistelpräparate sind rezeptfrei erhältlich und müssen daher selbst bezahlt werden.5 Ob die Krankenkasse die Kosten übernimmt, muss im Einzelfall vorab geklärt werden.

Psyche-Körper-Interventionen

Psyche-Körper-Interventionen wie Autogenes Training, Entspannungsübungen, Yoga, Hypnose und Kunsttherapien können zur Reduktion von Angst, depressiven Verstimmungen, Stress und chronischen Schmerzen und damit zur Besserung der Lebensqualität beitragen.1

Bei entsprechend ausgebildeten Therapeuten können diese Methoden als Bestandteil eines aus mehreren Komponenten bestehenden (multimodalen) Behandlungskonzepts empfohlen werden.1

Pflanzliche Therapien

Wenn pflanzliche Präparate begleitend zu onkologischen Therapien eingesetzt werden, sollte dies nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.3

Denn die Einnahme von vermeintlich harmlosen pflanzlichen Mitteln kann zusammen mit konventionellen, "schulmedizinischen“ Medikamenten zu Wechselwirkungen führen.1,3

Ein wichtiges Beispiel dafür ist Johanniskraut, das bei depressiven Verstimmungen eingesetzt wird.1 In Kombination mit dem Zytostatikum Irinotecan oder Tyrosinkinase-Hemmern der zielgerichteten Therapie kann Johanniskraut den Wirkspiegel dieser Susbtanzen erheblich reduzieren und damit deren Wirksamkeit vermindern.

Nahrungs-ergänzungsmittel

Nahrungsergänzungsmittel wie beispielsweise Vitamine und Spurenelemente enthalten einen oder mehrere Stoffe in konzentrierter Form, die in der Regel auch natürlicherweise in der Nahrung vorkommen.6

Nahrungsergänzungsmittel sind als Tabletten, Tropfen, Kapseln oder Pulver erhältlich und rechtlich gesehen keine Arzneimittel, sondern Lebensmittel.6

Bisher konnte in keiner Studie eine krebsvorbeugende Wirkung von Nahrungsergänzungsmitteln nachgewiesen werden.1,6

Ob Tumorpatienten von Nahrungsergänzungsmitteln während der Therapie profitieren, wird bisher umstritten diskutiert und sollte im Einzelfall immer mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.6

Körpertherapien

Verschiedene Formen von Massagen (z.B. Thai-Massage, Shiatsu) können zur Linderung von Angstzuständen und Schmerzen im Rahmen eines aus mehreren Komponenten bestehenden (multimodalen) Behandlungskonzepts empfohlen werden.1

Bei Blutungsneigung sowie in der Nähe von Tumoren oder vergrößerten Lymphknoten ist ein intensiver oder tiefer Druck zu vermeiden.1