Indikationen Onkologie

Magenkrebs

Erkrankung

Im Jahr 2012 erkrankten in Deutschland 6.460 Frauen und 9.180 Männer neu an Magenkrebs.1

Bei den Krebsneuerkrankungen steht Magenkrebs in Deutschland damit an achter Stelle bei Männern und an neunter Stelle bei Frauen.2 Männer erkranken im Mittel mit 72 Jahren an Magenkrebs, Frauen mit 75 Jahren.1

Die 5-Jahres-Überlebensraten liegen bei ca. 30%.1 Damit haben sich die Überlebenschancen in letzter Zeit zwar verbessert, im Vergleich mit anderen Krebserkrankungen ist der Verlauf (Prognose) jedoch nach wie vor eher ungünstig.

Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass das Magenkarzinom zu Beginn keine Beschwerden verursacht, und daher rund zwei Drittel aller Erkrankungen erst in einem fortgeschrittenen und inoperablem Stadium entdeckt werden.1,3

Ursachen und Risikofaktoren

Wie bei vielen Krebserkrankungen spielen meist mehrere Faktoren eine Rolle, der Mediziner spricht von "multifaktoriellen" Ursachen.

Als wichtigster Risikofaktor gilt die Infektion mit Helicobacter pylori.4,5,6 Dieses Bakterium siedelt sich im Magen an und verursacht eine andauernde (chronische) aktive Magenschleimhautentzündung (Gastritis). Diese kann dann über verschiedene Zwischenstufen zu Magenkrebs führen. Die Infektion mit Helicobacter pylori lässt sich heute leicht feststellen und gut behandeln, eine Impfung ist derzeit noch nicht erhältlich.

Weitere Risikofaktoren für die Entwicklung von Magenkrebs sind:4,5,6

  • Tabakrauchen
  • Alkoholkonsum
  • Familiäre Belastung: Verwandte 1. Grades von Betroffenen haben ein erhöhtes Risiko, an Magenkrebs zu erkranken.
  • Ernährungsgewohnheiten
  • Andauerndes (chronisches) Sodbrennen (Refluxkrankheit) als Risiko für Krebs am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen (ösophago-gastralem Übergang), nicht für einen Tumor in anderen Bereichen des Magens
  • Übergewicht als Risikofaktor für Krebs am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen
  • Seltene erbliche Tumorsyndrome

Symptome

Meist haben Patienten mit Magenkrebs lange keine oder nur unspezifische Beschwerden wie Völlegefühl, Appetitlosigkeit oder Bauchschmerzen, die häufig für harmlose Verdauungsbeschwerden gehalten werden.7,8Ernstzunehmende Warnzeichen können vor allem sein:7,8

  • Schwierigkeiten beim Schlucken
  • Andauernde Schmerzen im Oberbauch
  • Häufiges Erbrechen
  • Starker Appetitverlust
  • Auffälliger Gewichtsverlust
  • Blutiger, schwarz gefärbter Stuhl (Teerstuhl); die Ursache können Blutungen im Magen sein

Diagnose

Standard bei der Diagnostik von Magenkrebs ist die Magenspiegelung (Gastroskopie) mit Entnahme von Gewebe (Biopsie) und feingeweblicher (histologischer) Untersuchung.9,10,11

  • Gastroskopie

    Bei der Gastroskopie wird ein biegsamer Schlauch (Gastroskop) über den Mund und die Speiseröhre bis in den Magen eingebracht.10,11 Eine Kamera an der Spitze des Geräts überträgt die Bilder vom Mageninneren auf einen Bildschirm. Mit einer kleinen Zange, die über das Gastroskop eingeführt wird, können Gewebeproben von verdächtigen Stellen der Magenschleimhaut entnommen und anschließend histologisch vom Pathologen untersucht werden.

  • HER2-Testung

    Im Rahmen dieser histologischen Untersuchung wird das Tumorgewebe auch auf den sogenannten HER2-Rezeptor-Status überprüft. HER2-Rezeptoren sind Bindungsstellen auf der Tumoroberfläche für HER2-Wachstumsfaktoren, die die Tumorzellen zur Vermehrung antreiben.12 Bei rund einem Viertel der Patienten mit Magenkrebs finden sich diese HER2-Rezeptoren auf der Tumorzelle (positiver HER2-Rezeptorstatus). In diesem Fall kann eine spezifische Antikörper-Therapie sinnvoll sein, die die HER2-Rezeptoren blockiert.

  • Ausbreitungsdiagnostik (Staging).
    • Um festzustellen, wie weit sich Magenkrebs eventuell ausgebreitet hat und ob bereits benachbarte Organe betroffen sind, wird eine Ausbreitungsdiagnostik (Staging) durchgeführt. Die Einteilung der Tumorstadien erfolgt mittels der TNM-Klassifikation.13
    • Bei Magenkrebs kann es zu Absiedelungen oder Tochtergeschwülsten (Metastasen) vor allem in die benachbarten Lymphknoten oder die Halslymphknoten (bei Tumoren am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen ösophago-gastraler Übergang) sowie in die Leber, das Bauchfell Peritonealkarzinose und in die Lunge kommen.

Therapie

Die Auswahl der Therapie von Patienten mit Magenkrebs richtet sich nach verschiedenen Kriterien. Dazu gehören vor allem:14,15,16

  • Ausdehnung des Tumors in die Magenwand oder benachbarte Organe
  • Vorliegen von Metastasen in Lymphknoten und/oder anderen Organen
  • Feingewebliche histologische Eigenschaften des Tumors

Prinzipiell unterscheidet man bei Magenkrebs zwischen einer Behandlung mit dem Ziel,15

  • den Tumor vollständig zu entfernen und die Erkrankung damit möglichst zu heilen (bei Patienten ohne Metastasen und örtlich begrenztem Tumor kurative Behandlung) oder
  • Beschwerden zu lindern, das Leben zu verlängern und die Lebensqualität zu erhalten (bei Patienten mit Metastasen und/oder Ausdehnung des Tumors in benachbarte Organe palliative Behandlung).
Behandlungsmöglichkeiten bei Patienten mit Magenkrebs

Behandlungsmöglichkeiten bei Patienten mit Magenkrebs 15

Dafür stehen die folgenden Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung: 14,15

Oberflächliche, kleine Tumore, die auf die Magenschleimhaut begrenzt sind, können unter bestimmten Umständen endoskopisch im Rahmen einer Magenspiegelung (Gastroskopie) entfernt werden; der Magen bleibt dabei erhalten.14,16

Eine typische Komplikation dieses Eingriffs können starke Nachblutungen sein.16

Sofern der Tumor noch nicht gestreut, also Metastasen gebildet hat oder in umliegende Organe eingedrungen ist, können die benachbarten regionären Lymphknoten und der Magen teilweise subtotal oder vollständig total operativ entfernt werden Magenresektion.14,17

Dies ist die einzige Möglichkeit, die Erkrankung potenziell zu heilen. Nach der Magenentfernung wird operativ ein Magenersatz geschaffen, meist in Form einer ausgeschalteten Dünndarmschlinge.14,17

Dieses Verfahren wird Roux-Y-Operation genannt.

Möglichkeit der Magenrekonstruktion nach Magenentfernung: Roux-Y-Operation

Möglichkeit der Magenrekonstruktion nach Magenentfernung: Roux-Y-Operation17

Mehr zu den Grundlagen einer operativen Therapie in der Onkologie lesen Sie unter Operation.

Bei einer Chemotherapie werden so genannte Zytostatika ("Zellteilungs-Hemmer") verwendet. Das sind Medikamente, die die Krebszellen zerstören bzw. ihr Wachstum und die Vermehrung stoppen oder verlangsamen sollen.

Eine Chemotherapie kann bei Patienten mit Magenkrebs, deren Tumor zwar schon weiter fortgeschritten, aber noch operabel ist, vor einer Operation neoadjuvant begonnen und nach der Operation adjuvant fortgesetzt werden.18

Dabei wird in der Regel eine Kombination mit mehreren Zytostatika Kombinations-Chemotherapie verwendet.

Das gilt auch für die palliative Chemotherapie bei Patienten, deren Tumor nicht mehr operiert werden kann, weil er bereits gestreut hat. In diesem Fall soll mit der Chemotherapie das Tumorwachstum gebremst und das Überleben bei guter Lebensqualität verlängert werden.19

Die am häufigsten eingesetzten Zytostatika bei Magenkrebs allgemein sind 5-Fluorouracil (5-FU), Cisplatin, Oxaliplatin, Epirubicin, Capecitabin und Irinotecan.19

In bestimmten Situationen kann nach der Operation eine kombinierte Chemotherapie und Bestrahlung (Radiochemotherapie) durchgeführt werden.18

Bei Patienten mit positivem HER2-Status besteht die Möglichkeit, die Chemotherapie in Kombination mit einer zielgerichteten Therapie zu verabreichen.19

Hintergründe zur Chemotherapie allgemein sowie den typischen Nebenwirkungen und ihrer Behandlung finden Sie im Bereich "Chemotherapie".

Die zielgerichteten Tumor-Therapien "Targeted therapies" werden mit Medikamenten durchgeführt, die bestimmte, in der Tumorzelle aktivierte Signalwege blockieren.

Für die Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Magenkrebs, der nicht mehr operabel ist, kann eine Hemmung der HER2-Wachstumssignale mit Antikörpern gegen den HER2-Wachstumsfaktor-Rezeptor eingesetzt werden.19 Voraussetzung dafür ist jedoch, dass der Tumor des Patienten Bindungsstellen (Rezeptoren) für den Wachstumsfaktor HER2 auf seiner Oberfläche aufweist (positiver HER2-Rezeptorstatus). Dies wird vom Pathologen anhand einer Gewebeprobe (Biopsie) untersucht.

Mehr Informationen zu den Wirkmechanismen der zielgerichteten Therapien allgemein und möglichen Nebenwirkungen lesen Sie bitte unter "Zielgerichtete Therapien“ nach.