Indikationen Onkologie

Gebärmutter-halskrebs

Erkrankung

Jährlich erkranken in Deutschland etwa 4.600 Frauen neu an Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom), das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 53 Jahren.1

Insgesamt sterben in Deutschland jedes Jahr ca. 1.600 Frauen an diesem Tumor.1

Die relative 5-Jahres-Überlebensrate nach der Diagnose liegt bei 68%.1

Ursachen und Risikofaktoren

Zu den bekannten Risikofaktoren für die Entstehung von Gebärmutterhals-krebs gehören:2

  • Infektion mit humanen Papillomaviren
    • Humane Papillomaviren (HPV) befallen Zellen der Haut oder der Schleimhaut und werden meist sexuell übertragen3
    • Etwa 40 von den mehr als 150 bekannten HPV-Typen befallen vor allem den Genitalbereich und After (genitale HPV-Typen)3
    • Nahezu jeder sexuell aktive Mensch steckt sich mindestens einmal in seinem Leben mit genitalen HPV-Typen an3
    • In den meisten Fällen bekämpft das körpereigene Abwehrsystem die Infektion erfolgreich, und sie heilt ohne gesundheitliche Probleme wieder ab. Betroffene bemerken oft nichts von der Infektion3
    • Eine anhaltende (chronisch persistierende) Infektion erhöht das Risiko für eine Gebärmutterhalskrebs-Erkrankung. In 70% der Tumore werden HPV16 oder HPV18 nachgewiesen.3
  • Rauchen (> 15 Zigaretten/Tag)2,4
  • Früher Beginn der sexuellen Aktivität (< 14. Lebensjahr)2,4
  • Häufig wechselnde Geschlechtspartner (> 4 in 10 Jahren)2,4
  • Andere sexuell übertragbare Infektionen (z.B. Herpes genitalis, Chlamydien, Gonokokken)2,4
Humanes Papillomavirus — häufig ein Auslöser von Gebärmutterhalskrebs

Symptome

Gebärmutterhalskrebs entwickelt sich meist über längere Zeit unbemerkt und verursacht in frühen Stadien in der Regel keine Beschwerden.

Erste Warnzeichen können die folgenden Symptome sein:5

  • Gelblich-bräunlicher, häufig auch übelriechender Ausfluss aus der Scheide (vaginal)
  • Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr (postkoital)
  • Blutungen außerhalb der Menstruationsblutung

Diagnose

Zu den gängigsten Untersuchungen zur Vorsorge und bei Verdacht auf Gebärmutterhalskrebs gehören:6,7,8

  • Gynäkologische Untersuchung
  • Zellabstrich (Pap-Test; Zytologie)
  • Testung auf HPV-Typen mittels Abstrich vom Gebärmutterhals
  • Untersuchung des Gebärmuttermundes mit einer beleuchteten Lupe (Kolposkopie) und ggf. Entnahme von Gewebeproben (Biopsie) an auffälligen Bereichen
  • Kegelförmige Gewebeentnahme aus dem Gebärmutterhals (Konisation)
    • Hierbei wird in kurzer Vollnarkose mittels einer elektrischen Schlinge oder Laser aus dem Muttermund und Gebärmutterhals ein kegelförmiges Gewebestück herausgeschnitten (Konisation) und vom Pathologen unter dem Mikroskop untersucht (Histologie)
  • Ausbreitungsdiagnostik (Staging)
    • Um festzustellen, ob und wenn ja, wie weit sich der Tumor im Körper ausgebreitet hat, werden verschiedene weitere Untersuchungen durchgeführt. Die Einteilung der Größe des Tumors sowie seiner eventuellen Ausbreitung im Körper erfolgt mit Hilfe der so genannten TNM-Klassifikation.
    • Aus dem Tumor können Krebszellen über die Blut- und Lymphbahnen in andere Gewebe wandern und dort Tochtergeschwülste bilden (Fernmetastasen). Am häufigsten kommt es bei Gebärmutterhalskrebs zu Metastasen in die benachbarten oder entfernten Lymphknoten sowie in die Lunge, Knochen und Leber.9

Der Pap-Test wurde 1928 von dem griechischen Arzt George Papanicolaou entwickelt und nach ihm benannt.6,7

Dabei werden mit Hilfe einer kleinen Bürste oder einem Spatel einige wenige einzelne Zellen vom Muttermund und aus dem Gebärmutterhalskanal entnommen und auf einem Glasplättchen ausgestrichen.6,7

Das Abstrichpräparat wird anschließend vom Pathologen unter dem Mikroskop auf Veränderungen untersucht. Diese Untersuchung der Zellen nennt man zytologische Untersuchung oder kurz Zytologie.6,7

Die zytologischen Befunde werden nach der Klassifikation von Papanicolaou in fünf Gruppen unterteilt (Pap I bis Pap V):7

  • Pap I : Normalbefund
  • Pap II: Entzündung (einzelne leicht entzündete Zellen)
  • Pap III: unklarer Befund
  • Pap IIID: Geringe bis mittelschwere Zellveränderungen, die sich noch zurückbilden können (Dysplasien)
  • Pap IVa: Schwere Zellveränderungen oder Frühform von Gebärmutterhalskrebs
  • Pap IVb: Wie Pap IVa, aber auch Gebärmutterhalskrebs möglich
  • Pap V: Gebärmutterhalskrebs sehr wahrscheinlich

Therapie

Die Wahl der Behandlung bei Patientinnen mit Gebärmutterhalskrebs richtet sich vor allem nach der Ausbreitung des Tumors sowie der Lebenssituation und dem Allgemeinzustand der betroffenen Frau.10,11

In der Regel werden Patientinnen10

  • mit kleinen Tumoren und einem guten Allgemeinzustand als erste Behandlung operiert
  • in schlechtem Allgemeinzustand und/oder mit fortgeschrittener Erkrankung mit einer Strahlentherapie behandelt
    • Häufig wird in dieser Situation auch eine Kombination aus Strahlentherapie und Chemotherapie (Radiochemotherapie) eingesetzt
  • Kegelförmige Ausschneidung aus dem Gebärmutterhals (Konisation)10,11
    • Hat die Untersuchung des Gewebekegels, der bei der Konisation entnommen wurde, ergeben, dass eine Krebs-Vorstufe oder Frühform vorliegt, ist die Konisation selbst in der Regel die ausreichende Therapie.
    • Voraussetzung dafür ist die vollständige Entfernung des gesamten betroffenen Bereichs mit einem ausreichenden Sicherheitsabstand ("Entfernung im Gesunden").
  • Entfernung der Gebärmutter10,11
    • Ist der Tumor schon tiefer in das Gewebe eingedrungen und eine Konisation nicht mehr ausreichend, ist meist eine Entfernung der Gebärmutter notwendig
      • Teilentfernung der Gebärmutter (Trachelektomie) bei fehlendem Befall der Lymphknoten bzw. Blutgefäße des Beckens und Tumorgröße kleiner 2 cm
      • Vollständige Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) und der Lymphknoten entlang der Beckengefäße

Mehr zu den Grundlagen einer operativen Therapie in der Onkologie lesen Sie unter "Operation".

Ist die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose bereits fortgeschritten (v.a. Lymphknotenbefall) oder kommt eine Operation zum Beispiel aufgrund eines reduzierten Allgemeinzustands nicht in Frage, wird in der Regel eine Bestrahlung (Radiotherapie) als erste Therapie bei Gebärmutterhalskrebs durchgeführt.12,13

Üblich ist dabei heute die Kombination einer Strahlentherapie mit einer Chemotherapie (Radiochemotherapie).12,13 Diese kann auch unterstützend (adjuvant) im Anschluss an eine Operation erfolgen, um das Risiko für einen Rückfall (Rezidiv) zu senken.

Bei der Bestrahlung werden die Gebärmutter und die dazugehörigen Lymphknoten von außen durch die Haut (perkutan) bestrahlt.12,13 Darüber hinaus kann für kurze Zeit eine verkapselte Strahlenquelle über die Scheide in den Gebärmutterhals eingebracht werden (Brachytherapie). Damit lässt sich eine gezielte Bestrahlung des Tumors erzielen.

Wenn Sie Näheres zu den Grundlagen der Strahlentherapie in der Onkologie erfahren möchten, gehen Sie zu "Strahlentherapie".

Bei einer Chemotherapie werden Medikamente verabreicht, mit denen das Wachstum bzw. die Teilung von Tumorzellen verhindert werden sollen. Diese Medikamente werden Zytostatika ("Zellteilungs-Hemmer") genannt.

Die Chemotherapie ist damit eine systemische Behandlung, mit der auch eventuell in den Körper gestreute Tumorzellen bekämpft werden sollen.

Bei der Behandlung von Gebärmutterhalskrebs wird eine Chemotherapie in der Regel in Kombination mit einer Strahlentherapie durchgeführt (Radiochemotherapie).12,13 Meistens wird dafür das Zytostatikum Cisplatin eingesetzt.14

Weitere Informationen zu den allgemeinen Prinzipien der Chemotherapie sowie den typischen Nebenwirkungen und ihrem Management erhalten Sie unter "Chemotherapie".