Krebstherapie

Bewegung bei Krebs

Früher war man der Meinung, dass sich Patient:innen bei Schmerzen oder schweren Erkrankungen grundsätzlich schonen sollten. Heute weiß man jedoch, dass Bewegung ein sehr wichtiger begleitender Baustein bei der Behandlung von Krebserkrankungen sein kann.
Zu viel Ruhe führt zu Folgeerkrankungen – z. B. schwächt sie den gesamten Bewegungsapparat und das Herz-Kreislauf-System.

Zwar gilt weiterhin grundsätzlich: Wenn Betroffene unter neu auftretenden oder zunehmenden Schmerzen leiden, sollten sie ihren Arzt kontaktieren. Es gibt heutzutage jedoch eine Vielzahl an Möglichkeiten, Schmerzen erfolgreich zu behandeln. Patient:innen können einiges für sich selbst tun und so zu einer erfolgreichen Behandlung beitragen. So wirkt sich körperliche Aktivität grundsätzlich positiv auf das körperliche Wohlbefinden im Verlauf einer Erkrankung aus. Das zeigen mittlerweile zahlreiche wissenschaftliche Studien.1,2

„Fasst man die aktuelle Studienlage zusammen, so zeigt sich, dass körperliche Aktivitäten für Menschen mit Krebserkrankungen machbar, sicher und effizient sind. Sowohl Ausdauertraining als auch Krafttraining zeigen positive Auswirkungen auf physiologischer, psychologischer und sozialer Ebene der Patienten und sollten daher die Grundlage eines Bewegungsprogramms in der Rehabilitation bilden.“3

Da Bewegung die Durchblutung und die Sauerstoffversorgung des Körpers verbessert, kann bereits wenig Sport die häufigen Probleme bei Krebserkrankungen, wie z. B. chronische Müdigkeit, lindern. Und Sport hat noch einen weiteren großen Vorteil: Je besser der Allgemeinzustand von Patient:innen ist, desto besser sind sie in der Lage, Therapien und Nebenwirkungen zu verkraften. Denn Sport und körperliche Aktivität stärken die Muskulatur, verbessern die Atmung und können sogar den Blutdruck, das Cholesterin und den Blutzuckerspiegel senken.

Darüber hinaus hat Sport einen heilsamen, nicht zu unterschätzenden Begleiteffekt: Im Gehirn führt körperliche Bewegung zur Ausschüttung von Endorphinen, sogenannten Glückshormonen. Diese verbessern die Stimmung und haben zudem eine ausgeprägte schmerzlindernde Wirkung. Außerdem sorgen sie für eine Stärkung des Immunsystems und der seelischen Belastbarkeit.4 All das zeigt: Bewegung tut gut und ist ein wichtiger Baustein zur Unterstützung der ärztlichen Behandlung und für den eigenen Umgang mit einer Erkrankung.

Wie viel körperliche Bewegung empfehlenswert ist, hängt sowohl von der individuellen Ausgangssituation der Patient:innen ab als auch von der Phase ihrer Behandlung. Je nach persönlichem Allgemeinzustand und Krankheitsverlauf können am Tag sowohl 15 Minuten Spazierengehen als auch anderthalb Stunden strammes Wandern das richtige Maß sein. Grundsätzlich sind vor allem Ausdauersportarten wie Radfahren oder Nordic Walking empfehlenswert, um den Körper in Form zu halten und ihn dabei zu unterstützen, mit der Krankheit zurechtzukommen.

Wenn ein Mangel an Thrombozyten vorliegt, sollten Patient:innen Sportarten wie Fußball oder Volleyball vermeiden, denn schon bei kleinen Stößen besteht erhöhte Blutungsgefahr. Und weil das Immunsystem aufgrund der Therapie bei Krebserkrankungen oft geschwächt ist, sollten sie sich keinem erhöhten Infektionsrisiko etwa im Schwimmbad aussetzen. Umfang und Art der körperlichen Bewegung sollten am besten mit dem behandelnden Arzt besprochen werden, um so gemeinsam das richtige Maß zu finden.

Zusammenfassung

Im folgenden Video erläutert Dr. Freerk Baumann noch einmal die positiven Effekte, die Bewegung auf die körperliche und seelische Verfassung von Patient:innen hat. Er erläutert, worauf diese beim Training achten sollten, und erklärt die Vorteile einer professionellen onkologischen Trainingstherapie (OTT). Dr. Baumann ist einer der Leiter der Arbeitsgruppe Onkologische Bewegungsmedizin an der Uniklinik Köln.

Praktische Hilfen

Im Folgenden finden Sie eine Auswahl an Übungen, die Patient:innen ganz einfach im Alltag durchführen können. Die Übungen haben positive Effekte auf vier zentrale Beschwerden, die mit einer Krebserkrankung oder -therapie einhergehen können. Alle Videos sind in Zusammenarbeit mit Dr. Freerk Baumann entstanden.

Übungen zum Download

Die im Video gezeigten Übungen können Sie auch in einem PDF nachlesen, das Sie hier kostenlos herunterladen können:

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Professionelle Bewegungstherapie

Neben Übungen und Trainings, die Patient:innen eigenständig durchführen können, gibt es auch ein großes Angebot an professionellen Bewegungstherapien. Dazu sollten sich Patient:innen mit ihrem Arzt/ihrer Ärztin beraten. Behandelnde Ärzt:innen können Krebspatient:innen für gezieltes Training ein Rezept ausstellen, das über Physiotherapie und Krankengymnastik hinausgeht. Die gesetzlichen Krankenversicherungen übernehmen die Kosten oder beteiligen sich zumindest zeitweilig daran.

Die Krankenkassen bieten häufig auch eigene Gesundheitskurse an, für die keine ärztliche Verordnung notwendig ist. Je nach Krankenkasse sind diese Kurse zum Teil kostenlos, oder es werden nur geringe Zuzahlungen verlangt. Patient:innen sollten jeweils mit ihrer Krankenkasse über das Angebot und die Konditionen sprechen.

Darüber hinaus finden Betroffene häufig weitere Informationen zu professionellen Angeboten vor Ort bei Krebsberatungsstellen, Selbsthilfegruppen und auch Sportstudios.

Für eine erste Orientierung finden Sie hier einige hilfreiche Adressen:

Bewegungstherapeuten, die speziell im Umgang mit onkologischen Patient:innen geschult sind (OTT) sowie zertifizierte Bewegungsangebote in ganz Deutschland für Menschen mit einer Krebserkrankung, sind hier gelistet:

Große Krebszentren bieten häufig spezielle Bewegungstherapien und Beratung zu Sport und Bewegung. Folgende Krebszentren in Deutschland und Europa sind von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert:

  • Deutsche Krebsgesellschaft: OncoMap

Onkologische Spitzenzentren bieten innerhalb der gleichen Einrichtung zusätzlich eine umfangreiche und fachübergreifende Versorgung:

Regionale Behinderten-Sportverbände bieten Sportangebote auch für Krebspatient:innen:

Unter folgendem Angebot finden Betroffene Reha-Gruppen in ihrer Region mit unterschiedlichen Schwerpunkten, auch für Krebssport: