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Darmkrebs – kolorektales Karzinom

5 min

Unter Darmkrebs werden zwei Formen von Krebs zusammengefasst. Je nachdem wo sich der Tumor befindet, wird unterschieden zwischen Dickdarmkrebs (Kolonkarzinom) und Enddarmkrebs (Mastdarmkrebs oder Rektumkarzinom).

Erkrankung

Unter Darmkrebs werden zwei Formen von Krebs zusammengefasst. Je nachdem wo sich der Tumor befindet, wird unterschieden zwischen Dickdarmkrebs (Kolonkarzinom) und Enddarmkrebs (Mastdarmkrebs oder Rektumkarzinom). Da sich die beiden Tumorarten jedoch in vielerlei Hinsicht ähneln, werden sie oft als „kolorektale Karzinome“ zusammengefasst. Hiervon abzugrenzen sind Dünndarmkrebs und Analkrebs, die an dieser Stelle nicht weiter erläutert werden sollen.

Etwa jede 8. Krebserkrankung von Frauen und Männern in Deutschland betrifft den Darm.

Im Jahr 2016 erkrankten etwa 32.300 Männer und 25.990 Frauen an Darmkrebs. Damit ist Darmkrebs derzeit bei Männern die dritthäufigste und bei Frauen die zweithäufigste Tumorart hierzulande. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 72 Jahren bei Männern und bei 76 Jahren bei Frauen.

Die Sterberate ist in den letzten zehn Jahren um 20 % gesunken. Die relativen 5-Jahres-Überlebensraten mit Darmkrebs liegen für Frauen und Männer um 63 % beziehungsweise 62 %.

Entstehung

Polypen

Polypen sind gutartige Wucherungen der Darmschleimhaut, die sich an der Darmwand bilden und ins Darminnere hineinragen. Sie sind die häufigste Vorläuferstufe von Darmkrebs. Feingeweblich (histologisch) gehören Polypen meist zur Gruppe der Adenome, die zunächst gutartig sind. Wenn Adenome jedoch weiterwachsen, können sie sich zu Darmkrebs entwickeln. Das dauert in der Regel viele Jahre. Dieser Vorgang wir auch als Adenom-Karzinom-Sequenz beschrieben.

Beim familiären Polyposis-Syndrom, einer angeborenen genetischen Erkrankung, kommt es bereits in einem jungen Lebensalter zu sehr vielen Polypen im Darm, die ein hohes Risiko zur bösartigen Entartung haben. Diese Patienten bedürfen deswegen einer besonderen Überwachung und falls erforderlich eine frühzeitige Therapie.

Mikrosatelliteninstabilität (MSI)

Eine weitere Möglichkeit, wie Darmkrebs entstehen kann, ist die sogenannte „Mikrosatelliteninstabilität“. Die Mikrosatelliteninstabilität entsteht durch Fehler im DNA-Reparatursystem der Zelle. In gesunden Zellen erkennt das DNA-Reparatursystem während der Zellteilung Fehler in der DNA-Kopie und kann diese ausbessern. Ist das Reparatursystem jedoch wie im Falle der Mikrosatelliteninstabilität defekt, werden Fehler in der DNA-Kopie nicht erkannt und es kommt zu einer Anhäufung von Genveränderungen (Mutationen). Dies kann unter anderem dazu führen, dass die Tumorzellen vom Immunsystem nicht als fehlerhafte Zellen erkannt werden und sich deswegen ungehindert vermehren können.

Um eine Mikrosatelliteninstabilität festzustellen, werden ausgewählte Regionen im Erbgut der Tumorzellen, die Mikrosatelliten genannt werden, analysiert und mit dem Erbgut aus gesunden Zellen des Patienten verglichen.

Bei bis zu 80 % der Patienten, die an einem sogenannten hereditären nicht-polypösen Kolonkarzinom-Syndrom (auch als Lynch-Syndrom bezeichnet) mit einer angeborenen genetischen Veränderung des DNA-Reparatursystems leiden, ist eine Mikrosatelliteninstabilität zu finden.  Das Risiko, dass Zellen entarten und Darmkrebs, aber auch Krebs in anderen Organen, zum Beispiel der Gebärmutter (Endometriumkarzinom) oder Eierstock (Ovarialkarzinom), entsteht, ist bei dieser Erkrankung erhöht.

Da das Vorliegen einer Mikrosatelliteninstabilität Auswirkungen auf die Prognose sowie Wahl der Behandlung haben kann, können Patienten im Rahmen der Diagnostik darauf untersucht werden.

Risikofaktoren

Eine Reihe von Faktoren können das Risiko für Darmkrebs erhöhen. Dazu gehören vor allem:

  • Lebensstil und Ernährung

    • Rauchen

    • Übergewicht

    • Bewegungsmangel

  • Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch, ballaststoffarme Ernährung

  • Familiär gehäufter Darmkrebs oder Darmkrebs bei Verwandten
    1. Grades vor dem 50. Lebensjahr

  • Langjährige chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) wie zum Beispiel Colitis ulcerosa

  • Genetische Krankheitsbilder
    (ca. 3 % aller Darmkrebs-Neuerkrankungen):  Zu den häufigsten Formen zählen

    • Familiäre Polyposis-Syndrome, z. B. familiäre adenomatöse Polyposis (FAP), bei der eine Vielzahl von Adenomen (> 100), auftritt. Aufgrund der großen Anzahl von Adenomen liegt das Risiko, ein Karzinom zu entwickeln, bei nahezu 100 %

    • Hereditäres nicht-polypöses Kolonkarzinom-Syndrom (HNPCC oder Lynch-Syndrom). Das Lebenszeitrisiko für die Entstehung von Darmkrebs liegt hier bei etwa 50 – 70 %

Früherkennung

Durch die Entfernung der Polypen (Polypektomie) im Rahmen einer Darmspiegelung (Koloskopie) kann die Entartung zu Dickdarmkrebs verhindert werden.

Wenn keine besonderen Risikofaktoren wie entzündliche Darmerkrankungen oder erbliche Erkrankungen, die das Darmkrebsrisiko erhöhen, vorliegen, sollten Männer ab 50 Jahren und Frauen ab 55 Jahren zweimal im Abstand von zehn Jahren eine Koloskopie durchführen lassen. Auch kann ein Test auf Blut im Stuhl (FOBT) zur Früherkennung von Darmkrebs beitragen.

Symptome

In frühen Stadien verursacht Darmkrebs meist keine Beschwerden oder Schmerzen, sodass sich die Erkrankung oft lange nicht bemerkbar macht.

Mögliche Warnzeichen können sein:

  • Veränderungen der Stuhlgewohnheiten, vor allem ein Wechsel zwischen Verstopfung (Obstipation) und Durchfall (Diarrhoe)

  • Blut im Stuhl

  • Krampfartige Bauchschmerzen und wiederholt einsetzender zwingender Stuhldrang, häufig ohne Stuhlentleerung

  • Blutarmut (Anämie) durch unerkannte, nicht sichtbare (okkulte) Tumorblutungen

  • Gewichtsverlust

  • Gelbsucht (Ikterus) und Leberinsuffizienz bei Lebermetastasierung

  • Husten und Dyspnoe bei Lungen- oder Pleurametastasen

  • Knochenschmerzen bei Skelettmetastasen oder neurologische Symptome bei zerebraler Metastasierung (selten)

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