Indikationen Onkologie

Krebs der Mundhöhle und des Rachens

Erkrankung

Unter Krebserkrankungen der Mundhöhle und des Rachens werden verschiedene bösartige Neubildungen zusammengefasst.1,2 Dazu gehören Tumore der Lippen, Zunge, des Mundbodens und Gaumens sowie der Speicheldrüsen.

Jährlich erkranken in Deutschland ca 3.650 Frauen und 9.290 Männer.1

Bei Männern stehen diese Tumoren an 7. Stelle und bei Frauen an 15. Stelle der Krebserkrankungen in Deutschland.1

Männer erkranken im Mittel vier Jahre früher als Frauen (Männer mit 62 Jahren, Frauen mit 66 Jahren).1 Das beruht vermutlich auf dem höheren Tabak- und Alkoholkonsum bei Männern, welcher ein wichtiger Risikofaktor vor allem für Krebserkrankungen von Mundboden, Zunge und unterem Rachen ist.1,3,4,5

Dies trägt dazu bei, dass Frauen einen günstigeren Krankheitsverlauf aufweisen: So liegt die 5-Jahres-Überlebensrate für Frauen bei 61%, bei Männern dagegen bei 48%.1

Ursachen und Risikofaktoren

Die wichtigsten Auslöser für Krebserkrankungen der Mundhöhle und des Rachens sind Tabak- und Alkoholkonsum; die Kombination beider Faktoren ist besonders schädlich.1,3,4,5

Zu den weiteren bekannten Risikofaktoren gehören unter anderem:

  • Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV)
    • Humane Papillomaviren befallen Zellen der Haut oder der Schleimhaut6
    • Ca. 40 der mehr als 150 bekannten HPV-Typen verursachen vor allem genitale Erkrankungen (genitale HPV-Typen) und werden meistens sexuell übertragen6
    • Eine dauerhafte (chronische) HPV-Infektion, insbesondere mit dem Hochrisikotyp 16, spielt bei der Entstehung von Rachenkrebs eine wichtige Rolle:1,3,4,6,7
      • Bei etwa 4 von 100 Tumoren der Mundhöhle und bei 18 von 100 Tumoren des Rachens sind HPV beteiligt7
      • Es gibt Hinweise darauf, dass HPV vom Typ 16 durch oralen Geschlechtsverkehr übertragen werden können4
  • Beruflicher Umgang mit verschiedenen Schadstoffen1,3
  • Schlechte Mundhygiene1,3
Humanes Papillomavirus — ein wichtiger Auslöser von Rachenkrebs

Symptome

Krebserkrankungen der Mundhöhle und des Rachens können unter anderem die folgenden Symptome verursachen:8,9

  • Schmerzhafte Veränderungen der Mundschleimhaut
    • Wunde Stellen, die oft leicht bluten und nicht heilen
    • Schwellungen
  • Weißliche, nicht abwischbare Flecken auf der Mundschleimhaut ("Weißschwielenkrankheit"; Leukoplakie)
  • Probleme beim Kauen, Schlucken und Sprechen
  • Andauernde (chronische) Heiserkeit
  • Andauerndes Kratzen und/oder Schmerzen im Hals

Diagnose

Bei Verdacht auf Krebserkrankungen der Mundhöhle und des Rachens können die folgenden Untersuchungen durchgeführt werden:10,11

  • Untersuchung der Mundhöhle und Entnahme von Gewebeproben (Biopsie) an verdächtigen Stellen
  • Untersuchung von Rachen und Kehlkopf (Kehlkopfspiegelung; Laryngoskopie) und Entnahme von Gewebeproben an verdächtigen Stellen
  • Zahnärztliche Untersuchung und Röntgenuntersuchung der Zähne
  • Ultraschall-Untersuchung (Sonographie) der Lymphknoten am Hals, um dort eventuell Tochtergeschwülste (Metastasen) zu erkennen
    • Von verdächtigen Lymphknoten können Gewebeproben (Biopsien) entnommen werden
  • Ausbreitungsdiagnostik (Staging)
    • Zur Beurteilung, wie weit sich der Tumor ausgebreitet hat, wird eine sogenannte Ausbreitungsdiagnostik (Staging) durchgeführt. Die Einteilung der Tumorstadien erfolgt mittels der TNM-Klassifikation.

Therapie

Für die Behandlung von Patienten mit Krebserkrankungen der Mundhöhle und des Rachens stehen die folgenden Möglichkeiten zur Verfügung:12,13,14

Mit einer Operation soll bei Patienten mit Krebs der Tumor der Mundhöhle und des Rachens vollständig entfernt werden.12,13,14

Dabei wird so schonend wie möglich operiert. Bei ausgedehnteren Tumoren kann es jedoch durch die Operation zu Gewebsdefekten im Gesicht und am Hals kommen.12,13,14

Auch die benachbarten Halslymphknoten sollten entfernt werden.12,13,14 Dieser Eingriff wird Neck Dissection (englisch: neck = Hals, dissection = Präparieren) genannt. Das Ausmaß der Neck dissection richtet sich danach, wie viele Halslymphknoten befallen sind.

Mehr zu den allgemeinen Grundlagen einer operativen Therapie in der Onkologie lesen Sie unter "Operation".

Bei Patienten mit Krebs der Mundhöhle und des Rachens kann eine Bestrahlung im Anschluss an eine Operation (adjuvant; unterstützend) durchgeführt werden.15,16

Die Strahlentherapie als erste Behandlung nach der Diagnosestellung ist auch für diejenigen Patienten eine Option, für die eine Operation nicht in Frage kommt.15,16

Außerdem kann eine Strahlentherapie auch ergänzend vor einer Operation (neoadjuvant) sinnvoll sein.15,16

Die Bestrahlung kann mit einer Chemotherapie (Radiochemotherapie) oder mit einer zielgerichteten Therapie kombiniert werden.15,16

Wenn Sie Näheres zu den Grundlagen der Strahlentherapie in der Onkologie erfahren möchten, gehen Sie bitte zu "Strahlentherapie".

Bei einer Chemotherapie erhalten Tumorpatienten Medikamente, mit denen das Wachstum bzw. die Teilung von Tumorzellen verhindert werden soll. Eingesetzt werden dafür sogenannte Zytostatika ("Zellteilungs-Hemmer"), die das Wachstum von Zellen hemmen.

Bei der Behandlung von Patienten mit Krebs der Mundhöhle und des Rachens wird die Chemotherapie meist in Kombination mit einer Strahlentherapie eingesetzt.17,18

Weitergehende Informationen zu den allgemeinen Prinzipien der Chemotherapie sowie den typischen Nebenwirkungen und ihrem Management erhalten Sie in unter "Chemotherapie".

Die Wirkstoffe der zielgerichteten Therapien (engl. "Targeted therapies") richten sich gegen bestimmte Eigenschaften der Tumorzelle. Da diese Merkmale auf gesunden Zellen meist kaum oder gar nicht vorkommen, soll die zielgerichtete Krebstherapie verträglicher und wirksamer sein.

Für die Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Krebs der Mundhöhle und des Rachens kann eine zielgerichtete Therapie mit einem Antikörper eingesetzt werden, der die Weiterleitung von Wachstumssignalen in die Tumorzelle hemmt.19

Mehr Informationen zu den Wirkprinzipien der zielgerichteten Therapien, ihren typischen Nebenwirkungen und deren Behandlung erhalten Sie unter "Zielgerichtete Therapien".

Der immunonkologische Therapieansatz richtet sich nicht direkt gegen den Tumor selbst, sondern mobilisiert das körpereigene Immunsystem, Tumorzellen zu bekämpfen und zu zerstören.

Bei Patienten mit fortgeschrittenen Tumoren der Mundhöhle und des Rachens können sogenannte Checkpoint-Inhibitoren wie PD-1-Hemmer eingesetzt werden. Damit erkennen spezialisierte weiße Blutkörperchen, sogenannte T-Zellen, die Tumorzellen wieder und bekämpfen sie.

Mehr Informationen zur immunonkologischen Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren erhalten Sie unter "Immunonkologische Therapie".