Krebstherapie

Anti-Hormontherapie

Bei manchen Tumoren wird das Wachstum unter dem Einfluss von körpereigenen Botenstoffen (Hormonen) gefördert. Dazu gehören Brustkrebs und Prostatakrebs.1

Diese Hormonempfindlichkeit von Krebszellen ist die Grundlage einer Anti-Hormontherapie, auch endokrine Therapie genannt.1 Damit wird den Tumorzellen gezielt der hormonell bedingte Wachstumsreiz entzogen und so die Ausbreitung des Tumors gehemmt.

Dies kann prinzipiell über zwei Ansätze erfolgen:1

Die Medikamente der Anti-Hormontherapie können als Tabletten oder Depotinjektionen intramuskulär oder subkutan verabreicht werden.2,3

Da die Anti-Hormontherapie ebenso wie die Chemotherapie im gesamten Körper wirkt, ist sie eine "systemische Behandlung“.

Medikamentöse Verminderung der körpereigenen Hormon-Produktion

  • Aromatase-Hemmer
    Aromatase-Hemmer vermindern die Produktion von Geschlechtshormonen, indem sie die Aromatase blockieren.1 Aromatase-Hemmer werden vor allem bei Patientinnen mit Brustkrebs eingesetzt.

    Die Aromatase ist ein Enzym und übernimmt über verschiedene Vorstufen eine zentrale Rolle bei der Bildung von Östrogen.1 Enzyme sind allgemein Eiweißstoffe, die verschiedene Stoffwechselvorgänge im Körper beschleunigen.

    Östrogen wird über die Aromatase bei Frauen auch nach den Wechseljahren in anderen Geweben (Fett- und Muskelgewebe) außerhalb der Eierstöcke gebildet.1

    Beispiele für Aromatase-Hemmer sind die Substanzen Anastrozol oder Letrozol sowie Exemestan.1

    Auf ähnliche Art wirkt Abirateronacetat, das bei Männern mit Prostatakrebs eingesetzt wird.1 Abirateronacetat hemmt ein bestimmtes Enzym, das im Hoden, in den Nebennieren und im Prostata-Tumorgewebe die Bildung von Testosteron steuert.

  • GnRH-Analoga (auch: LHRH-Analoga)
    GnRH-Analoga sind künstlich (synthetisch) hergestellte Substanzen, die in ihrer chemischen Struktur dem natürlichen Steuerungshormon Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) ähnlich (analog) sind.1 GnRH wird im Zwischenhirn (Hypothalamus) gebildet.

    GnRH steuert die Bildung der Geschlechtshormone in den Eierstöcken oder in den Hoden1

    • GnRH bewirkt, dass in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) die sogenannten luteinisierenden (LH) und follikelstimulierenden Hormonen (FSH) gebildet und ausgeschüttet werden. LH und FSH werden auch Gonadotropine genannt
    • LH und FSH stimulieren
      • bei Frauen die Bildung von Östrogen in den Eierstöcken
      • bei Männern die Testosteronproduktion in den Hoden sowie die Bildung und Reifung von Samenzellen (Spermien)

    GnRH-Analoga blockieren die Ausschüttung von natürlichem GnRH und damit die Bildung und Ausschüttung von FSH und LH aus der Hirnanhangsdrüse.1 Ohne diese "Steuerhormone" können in den Hoden kein Testosteron und in den Eierstöcken kein Östrogen gebildet werden: Die Konzentration von Testosteron und Östrogen im Blut sinkt.

    Beispiele für GnRH-Analoga sind Goserelin, Leuprorelin, Triptorelin, Buserelin und Histrelin.2,3

Hemmung der Hormonwirkung am Rezeptor

  • Anti-Hormone
    Als Gegenspieler zu den natürlichen Geschlechtshormonen binden Anti-Hormone an die Hormonrezeptoren im Tumorgewebe und blockieren so die Hormonwirkung.1

    Bei Frauen mit Brustkrebs werden Anti-Östrogene eingesetzt.1 Diese Medikamente blockieren die Wirkung weiblicher Geschlechtshormone. Ein wichtiges Anti-Östrogen ist das Medikament Tamoxifen.

    Bei Männern mit Prostatakrebs können Anti-Androgene eingesetzt werden.1 Sie blockieren die Wirkung männlicher Geschlechtshormone, vor allem Testosteron.

    Beispiele für Anti-Androgene sind Flutamid, Bicalutamid oder Enzalutamid.1

Mögliche Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen der Anti-Hormontherapie bei Frauen sind durch den Hormonentzug in der Regel mit den Symptomen der Wechseljahre vergleichbar.1 Der Hormonentzug setzt jedoch durch die Medikamente anders als bei den Wechseljahren abrupt und plötzlich ein.

Die Nebenwirkungen der Therapie können individuell unterschiedlich auftreten und erlebt werden.1

  • Mögliche Nebenwirkungen des Anti-Östrogens Tamoxifen sind:4
    • Hitzewallungen
    • Knochenschmerzen
    • Zyklusveränderungen bis hin zum Ausbleiben der Menstruation
    • Zwischenblutungen
    • Gering erhöhtes Risiko für Gebärmutterschleimhautkrebs (Endometriumskarzinom)
    • Veränderungen der Sehkraft
  • Mögliche Nebenwirkungen von Aromatase-Hemmern sind:5
    • Hitzewallungen
    • Schmerzhafte Muskel- und Gelenkbeschwerden
    • Zwischenblutungen
    • Müdigkeit
    • Übelkeit
    • Kopfschmerzen
    • Hautausschlag
    • Abnahme der Knochendichte
  • Mögliche Nebenwirkungen von GnRH-Analoga sind:5
    • Zwischenblutungen
    • Hitzewallungen
    • Abnahme der Knochendichte
    • Blutdruckschwankungen
    • Veränderungen des Zuckerstoffwechsels

Ziel der Anti-Hormontherapie bei Männern sind so niedrige Hormonspiegel, wie sie bei einer Entfernung der Hoden (Kastration) erreicht werden würden.1

Zu den möglichen Nebenwirkungen einer Anti-Hormontherapie beim Mann gehören allgemein:5

  • Verlust der Fähigkeit zur Erektion
  • Reduktion des sexuelle Interesses (Libido)
  • Vergrößerung der Brustdrüsen
  • Knochenschwund
  • Gewichtszunahme
  • Muskelabbau