Indikationen Onkologie

Glioblastom

Erkrankung

Primäre Hirntumore zählen zu den Krebserkrankungen des Zentralnervensystems (ZNS).1,2 Davon zu unterscheiden sind Tochtergeschwülste (Metastasen) von Tumoren in anderen Organen, die ins Gehirn gestreut haben.

Im Jahr 2012 erkrankten ca. 3.200 Frauen und 4.000 Männer in Deutschland an einem Tumor des Gehirns oder Rückenmarks.3 Männer sind in allen Altersbereichen öfter betroffen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Frauen bei 66 Jahren und für Männer bei 63 Jahren. ZNS-Tumore können jedoch in jedem Lebensalter auftreten, auch bei Kindern und Jugendlichen.

Gehirntumore entwickeln sich aus den unterschiedlichen Zellen des ZNS.1,4 Daher gibt es eine Vielzahl verschiedener Tumorarten, die anhand der Gewebeprobe (Biopsie) im Rahmen der Diagnose vor allem nach zwei Kriterien unterteilt werden:1,4

  • Nach der Zellart, aus der sich der Tumor entwickelt hat, dazu gehören insbesondere
    • Gliome
      • sind mit ca. 50% die häufigsten Gehirntumore
      • entwickeln sich aus den Stützzellen (Glia-Zellen) des Gehirns
      • Zu den Gliomen gehören:
        • Astrozytom
        • Glioblastom
        • Oligodendrogliom
        • Ependymom
    • Medulloblastom
    • Meningeom
    • Neurinom
    • Lymphome
  • Nach dem Wachstumsverhalten des Tumors
    • Einteilung in 4 verschiedene Tumor-Grade nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO)

Das Glioblastom (auch Glioblastoma multiforma genannt) ist eine besonders bösartige Form eines Glioms (WHO-Grad IV).4,5
Zugleich ist das Glioblastom mit einem Anteil von ca. 50% das häufigste Gliom und tritt vor allem im Großhirn bei Erwachsenen auf.4,5
Der Altersgipfel der Erkrankung liegt zwischen dem 45. und 70. Lebensjahr.4,5
Die folgenden Absätze beziehen sich auf das Glioblastom.

Tumore des Zentralnervensystems (ZNS) können nach ihrem Wachstumsverhalten gemäß der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in vier Grade eingeteilt werden:1,4

  • WHO Grad I (gutartig)
  • WHO Grad II (noch gutartig)
  • WHO Grad III (bereits bösartig)
  • WHO Grad IV (bösartig)

Dabei entspricht der WHO Grad I einem gutartigen und nur langsam wachsenden Tumor mit günstigem Verlauf (Prognose), während ein Tumor mit WHO Grad IV besonders bösartig ist, schnell wächst und eine schlechte Prognose hat.4

Ursachen und Risikofaktoren

Trotz umfangreicher Forschung konnte bisher nicht geklärt werden, was die Ursachen für die Entwicklung von primären Hirntumoren wie dem Glioblastom sind.1,2 Wenige Patienten mit sehr seltenen erblichen Tumorsyndromen haben ein erhöhtes Risiko an Hirntumoren zu erkranken. Weitere Risikofaktoren werden diskutiert, sind aber nicht belegt.1,2

Symptome

Glioblastome können sich innerhalb weniger Wochen entwickeln, so dass unter anderem die folgenden klinischen Symptome in einem kurzen Zeitraum auftreten können:6,7

  • Neu auftretende epileptische Krampfanfälle
  • Persönlichkeitsveränderungen
  • Neurologische Herdzeichen, z. B.
    • Lähmung
    • Sprachstörung
    • Sehstörung
    • Ungeschicklichkeit
  • Zeichen erhöhten Hirndrucks
    • Kopfschmerzen
    • Übelkeit
    • Erbrechen
    • Bewusstseinstrübung

Diagnose

Neben der umfassenden neurologischen Untersuchung sind bildgebende Verfahren die wichtigsten Untersuchungsmethoden bei der Diagnose eines Glioblastoms.5,8

Als Methode der Wahl gilt die Magnetresonanztomographie (MRT, Kernspintomographie) des Schädels, die mit und ohne Kontrastmittelgabe durchgeführt werden kann.5,8

Falls eine MRT nicht möglich ist oder Fragen offen lässt, wird in der Regel die Computertomographie (CT ) eingesetzt.5,8

Die Diagnose eines Glioblastoms wird in der Regel mit der Untersuchung einer Gewebeprobe (Biopsie) im Rahmen einer offenen Operation und anschließender feingeweblicher Untersuchung (Histologie) gesichert.5,8 Insofern ist der operative Eingriff bei Patienten mit Verdacht auf ein Glioblastom in den meisten Fällen zugleich eine diagnostische und therapeutische Maßnahme.

Wenn eine Operation (zunächst) nicht möglich ist, kann stattdessen auch eine so genannte stereotaktische Biopsie durchgeführt werden.5,9 Dabei wird nach örtlicher Betäubung (Lokalnarkose) oder Vollnarkose der Kopf des Patienten in einem Stereotaxie-Ring befestigt und anschließend ein MRT oder CT durchgeführt. Anhand der nun angefertigten Bildgebung lässt sich der Tumor exakt lokalisieren. Über ein kleines Bohrloch im Schädel wird eine feine Nadel in das Tumorgebiet vorgeschoben und mehrere kleine Gewebeproben entnommen.

Darstellung Glioblastom im MRT

Therapie

Nach den aktuellen Leitlinien sind die Standardtherapie des Glioblastoms die weitestmögliche operative Entfernung (Resektion) des Tumors, gefolgt von der Strahlentherapie der erweiterten Tumorregion und der begleitenden sowie erhaltenden (adjuvanten) Chemotherapie mit dem Wirkstoff Temozolomid (6 Zyklen).10

Bei einem Rückfall (Rezidiv) gibt es keine Standardtherapie, hier sollte im Einzelnen geprüft werden, ob eine erneute Operation, Chemotherapie oder Strahlentherapie sinnvoll ist.10