Indikationen Onkologie

Brustfellkrebs/Rippenfellkrebs

Erkrankung

Krebserkrankungen des Brust- bzw. Rippenfells (malignes Pleuramesotheliom) sind insgesamt seltene Tumorerkrankungen und machen den größten Anteil der sogenannten Mesotheliome aus. Dabei handelt es sich um Tumore des Mesothels – einem Gewebe, das Körperhöhlen begrenzt –, die am Brustfell (Pleura), Herzbeutel (Perikard), Bauchfell (Peritoneum) und der Hodenhülle (Tunica vaginalis testis) vorkommen.1, 2

  • In Deutschland erkranken jährlich ca. 1300 Menschen neu an einem Pleuramesotheliom
  • In den einzelnen Bundesländern erkranken unterschiedlich viele Menschen und fast viermal so viel Männer wie Frauen
  • Das durchschnittliche Erkrankungsalter beträgt 74 Jahre für Frauen und 75 Jahre für Männer 2
  • Pleuramesotheliome sind in Deutschland für 1 % aller Krebstodesfälle bei Männern und für 0,3 % bei Frauen verantwortlich 2
  • Die Prognose der Patienten ist schlecht und das 5-Jahres-Überleben beträgt 13 % bei Männern und 8 % bei Frauen 2

Ursachen und Risikofaktoren

Asbestfasern

Der wichtigste Risikofaktor für Pleuramesotheliome ist der Kontakt mit Materialien aus Asbest, die lange Zeit beispielsweise im Schiffsbau und in der Autoindustrie zum Einsatz kamen. Dabei kann bereits der Kontakt mit einer geringen Materialmenge ausreichen, um die Erkrankung zu verursachen. In der Regel vergehen aber Jahre oder sogar einige Jahrzehnte zwischen dem Asbestkontakt und dem Auftreten der Erkrankung. Können Patienten einen berufsbedingten Kontakt mit Asbest nachweisen, kann das Pleuramesotheliom auch als Berufskrankheit anerkannt werden.1,2,3

Dass vor allem Männer in Berufen arbeiten, in denen es zu Asbestkontakt kommen kann, z. B. als Schlosser, Schweißer, Elektriker, Installateure, Dachdecker, Maurer, Bauarbeiter, Kraftfahrzeugtechniker und Fliesenleger, könnte erklären, warum deutlich mehr Männer als Frauen erkranken. 2

Aufgrund seiner gesundheitsschädlichen Wirkung sind die Herstellung und Verwendung von asbesthaltigen Materialien seit 1993 in Deutschland verboten, in der Europäischen Union seit 2005. 3

Weitere Risikofaktoren

Neben Asbest gelten auch sogenannte Kohlenstoffnanoröhren, radioaktive Strahlung und bestimmte Genmutationen als Risikofaktoren für Pleuramesotheliome.1, 4

Symptome

Beim Pleuramesotheliom treten vor allem Beschwerden auf, die auch bei vielen anderen Erkrankungen auftreten können, z. B.

  • Ungewollte Gewichtsabnahme
  • Luftnot (Dyspnoe)
  • Brustschmerzen

Diagnose

Zur Diagnose eines malignen Pleuramesothelioms sind folgende Untersuchungen erforderlich:

Körperliche Untersuchung und Laboruntersuchungen

Die Befunde in der körperlichen Untersuchung sind häufig weitestgehend unauffällig, manchmal kann jedoch beim Abhören der Lunge ein einseitiger Pleuraerguss (Ansammlung von Wasser zwischen den beiden Blättern des Brustfells) gefunden werden. Die Befunde der Laboruntersuchungen geben meist keinen konkreten Hinweis auf die Erkrankung.1

Bildgebende Diagnostik

Die Bildgebung erfolgt mittels Röntgenuntersuchung, Computer-Tomographie (CT mit/ohne Kontrastmittel), Positronen-Emissionstomographie-CT (PET-CT, CT mit radioaktivem Kontrastmittel) oder Magnetresonanztomographie (MRT). Ziel dieser Untersuchungen ist unter anderem, an der Pleura eine geeignete Stelle für die Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) zu finden.1

Gewebeprobe und pathologische Untersuchung

Im nächsten Schritt werden Gewebeproben aus verschiedenen Abschnitten der Pleura und eine Probe aus dem Pleuraerguss, sofern ein solcher vorliegt, entnommen. Dazu stehen mehrere Techniken zur Verfügung:1

  • Video-assistierte Thorakoskopie: Über einen kleinen Schnitt seitlich am Brustkorb wird ein Schlauch mit einer Kamera (Thorakoskop) in die Brusthöhle eingeführt. Über die Kamera kann die Oberfläche der Pleura untersucht und mit einer kleinen Zange Gewebeproben aus verschiedenen Arealen der Pleura sowie eine Pleuraerguss-Probe entnommen werden.
  • Pleurabiopsie: Entnahme von Gewebe- und Flüssigkeitsproben durch eine Punktion über eine Nadel oder im Rahmen eines operativen Eingriffs an der eröffneten Brusthöhle.

Anschließend werden die Gewebeprobe und die Flüssigkeit des Pleuraergusses von der Pathologie untersucht. Das ist wichtig, um bösartige Zellen finden zu können und die Diagnose eines Pleuramesothelioms bestätigen oder ausschließen zu können. Je nach Erscheinungsbild des Tumorgewebes unter dem Mikroskop werden insbesondere das epithelioide, das biphasische und das sarkomatoide Mesotheliom unterschieden. Diese Unterscheidung ist relevant für die Wahl der Behandlung und die Prognose des Patienten.

Besonders wichtig sind auch genetische Untersuchungen der Tumorzellen und die Unterscheidung, ob es sich um ein primäres Pleuramesotheliom handelt oder um eine Metastase einer anderen Tumorerkrankung.1 ,4

Ausbreitungsdiagnostik (Staging)

Steht die Diagnose eines malignen Pleuramesothelioms fest, wird vor dem Beginn einer Therapie untersucht, ob und wenn ja, wie weit sich der Tumor im Körper ausgebreitet hat. Die Ausbreitung des Tumors wird mit Hilfe der sogenannten TNM-Klassifikation 5 beurteilt. Dazu können zusätzlich folgende Untersuchungen durchgeführt werden:1

  • Endobronchialer Ultraschall (Ultraschalluntersuchung über eine Sonde, die über den Mund in die Bronchien eingeführt wird) und Mediastinoskopie (endoskopische Untersuchung des Raums zwischen den beiden Lungenflügeln)
  • PET-CT
  • Video-assistierte Thorakoskopie der gesamten Pleura auf beiden Lungenflügeln
  • Laparoskopie (endoskopische Untersuchung der Bauchhöhle)
  • Ggf. MRT von Gehirn, Brustkorb und Bauchraum

Therapie

Welche Behandlung bei einem malignen Pleuramesotheliom genau eingesetzt wird, hängt vom Allgemeinzustand des Patienten, dem Erkrankungsstadium und der Art des Mesothelioms ab. Die Behandlung sollte dabei möglichst im Rahmen einer Studie erfolgen. Trotz verschiedener Behandlungsmöglichkeiten war die Prognose der Patienten in den vergangenen Jahren schlecht und die angestrebten Therapieziele konnten nur im Ansatz erreicht werden. Seit Kurzem hat sich nun aber das Spektrum an Therapiemöglichkeiten durch die duale Immuntherapie erweitert.1,4

Chemotherapie

Standardtherapie bei Patienten mit ausreichend gutem Allgemeinzustand (ECOG 0-2) ist eine Kombinations-Chemotherapie. Die zusätzliche Gabe eines Antikörpers, der sich auf die Versorgung des Tumors mit Blut auswirkt, kann im Rahmen von Studien erfolgen.1, 4

Immuntherapie

Seit Kurzem hat sich das Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten für nicht operierbare Patienten mit einem malignen Pleuramesotheliom erweitert: Es steht nun die Option einer Immuntherapie zur Verfügung, ohne dass die Patienten mit einer Chemotherapie behandelt werden müssen. Eingesetzt wird hierbei eine Kombination aus zwei sogenannten Immuncheckpoint-Inhibitoren

Checkpoint-Inhibitoren nutzen die Fähigkeiten des körpereigenen Immunsystems, um Krebszellen anzugreifen und zu zerstören. Dadurch wird die körpereigene Abwehr „scharf geschaltet", und die Tumorzellen können zerstört werden. 6

Bestrahlung und Operation

Eine Bestrahlung oder eine operative Behandlung mit dem Ziel eines längeren Überlebens der betroffenen Patienten werden nur in Ausnahmefällen durchgeführt.1, 4

Best Supportive Care

Im Rahmen eines palliativen Therapiekonzepts ausschließlich zur Symptomkontrolle und Beschwerdelinderung für Patienten, bei denen weder eine Operation noch eine systemische Therapie in Frage kommen, stehen zur Verfügung:

  • Verklebung der Blätter des Brustfells, um so einer Entstehung von wiederholten Pleuraergüssen vorzubeugen (Pleurodese)
  • Palliative Bestrahlung bei Schmerzen durch Einwachsen des Tumors in gesundes Gewebe