Onkologie Informationen für Pflegekräfte

Onkologische Notfälle

Ein Leitfaden für Pflegekräfte und medizinisches Fachpersonal in der Onkologie1,2

Onkologische Notfälle

Onkologische Notfälle

Dank dem medizinischen Fortschritt steigt die Lebenserwartung von Krebspatienten kontinuierlich. Neue Therapien wie die Immunonkologie sowie erweiterte Behandlungsmöglichkeiten selbst für fortgeschrittene Krankheitsstadien führen dazu, dass Patienten mit onkologischen Erkrankungen zunehmend länger und besser überleben. Krebspatienten, die noch vor einigen Jahren als „final und austherapiert“ galten, können heute behandelt werden. Es bleibt nicht aus, dass bei den oft über lange Zeit behandelten Krebspatienten auch plötzliche Notfälle auftreten. Es ist wichtig, dass Sie mögliche Notfallsituationen erkennen, damit Sie schnell und entschlossen handeln können. So leisten Sie einen unschätzbaren Beitrag dazu, dass „Ihre“ Krebspatienten die Chance auf ein gutes langfristiges Überleben bei der bestmöglichen Lebensqualität bekommen.

Notfallsituationen können durch die Krebserkrankung selbst verursacht oder Folge der Therapie sein. Je nach Ursache werden metabolische, hämatologische, kardiovaskuläre, infektiologische, neurologische und pulmonologische Notfälle unterschieden. Schwerwiegende Nebenwirkungen der immunonkologischen Therapie werden als immunvermittelte Notfälle bezeichnet.

Onkologische Notfälle und Komplikationen erfordern ein professionelles Management: Essentiell sind grundlegende Kenntnisse zur Vermeidung dieser Probleme. Zudem sind das frühzeitige Erkennen und das richtige Handeln für alle am Patienten tätigen Fachkräfte von wichtiger Bedeutung.

Im Folgenden sind die häufigsten Notfallsituationen beschrieben – dazu gibt es hilfreiche Tipps für die Pflegepraxis, damit Sie Ihre Patienten professionell bei der Bewältigung der Erkrankung und eventuellen Problemsituationen unterstützen können.

Wichtig ist, dass Sie Notfallsituationen rasch erkennen, den zuständigen Arzt unverzüglich informieren und schnell und richtig handeln. Seien Sie jederzeit aufmerksam, behalten Sie Ihre Patienten gut im Blick und nehmen Sie auch kleine Veränderungen wahr. Im Folgenden finden Sie eine kleine Übersicht über wichtige Punkte, die Sie beachten sollten.

  • Gut zu wissen: Hat der Patient ein erhöhtes Risiko für bestimmte Komplikationen?
  • Sind die Laborwerte normal oder auffällig?
  • Messen Sie regelmäßig die Vitalzeichen Puls, Blutdruck, Sauerstoffsättigung, Temperatur
  • Fragen Sie den Patienten nach Auffälligkeiten, Beschwerden, Schmerzen
  • Beurteilen Sie die folgenden Aspekte
    • Allgemeinzustand
    • Bewusstseinszustand (Verwirrung, Schwindel, Schläfrigkeit)
    • körperliche Belastbarkeit
    • Atmung
    • Flüssigkeitsaufnahme und Urinausscheidung
    • Nahrungsaufnahme und Appetit: Gibt es Veränderungen?
    • Körperpflege
    • Ruhen und schlafen
    • Sich bewegen
    • Sich beschäftigen
    • Essen und Trinken
    • Wassereinlagerung (Ödembildung) oder Austrocknung (Exsikkose)
    • Einblutungen in die Haut oder die Schleimhäute
    • Hinweise für Infektionen
    • Eintrittspforten für Keime (Katheter, kleine Wunden)
    • Gefühlsstörungen oder Muskelschwäche
    • Temperatur und Temperaturempfinden des Patienten

Achten Sie zudem auf eine einwandfreie Hygiene im Umgang mit dem Patienten, vor allem bei der Wundversorgung und im Umgang mit Fremdmaterial, wie bei der Katheterpflege. Auch die Infusion von Medikamenten, vor allem von Chemotherapeutika, muss von Beginn an konsequent überwacht werden.

Haben Sie den Verdacht, dass ein Notfall vorliegt oder sich entwickeln könnte, verständigen Sie umgehend den behandelnden Arzt.

Syndrom der inadäquaten Sekretion von antidiuretischem Hormon (SIADH)

Was ist ein SIADH

Dieses Syndrom wird durch eine Hormonstörung verursacht und tritt bei einigen Tumorerkrankungen auf. Es wird zu viel antidiuretisches Hormon (ADH) in den Blutkreislauf abgegeben, dies verursacht einen Wasserüberschuss und eine Verdünnung der Natriumkonzentration (Hyponatriämie). Manche Tumore produzieren das Hormon ADH selbst, eine vermehrte Freisetzung aus der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) kann jedoch auch als Nebenwirkung von Medikamenten (Chemotherapeutika, Psychopharmaka) auftreten, ebenso können Infektionen des Gehirns oder der Lunge diesen Effekt haben. Der entstehende Natriummangel kann zu Kopfschmerzen, im Extremfall zu Verwirrung bis hin zum Koma und Tod führen.

Diagnose

Diagnostiziert wird das SIADH über eine Harn- und eine Blutuntersuchung, zudem sind Symptome eines zu niedrigen Natriumspiegels vorhanden, wie Bewusstseinsstörung, Verwirrung, Müdigkeit, Halluzinationen, Muskelschmerzen und Krämpfe.

Behandlung

Notwendig ist eine ärztliche Behandlung der Ursache der Hormonstörung sowie die Wiederherstellung des normalen Verhältnisses von Wasser und Natrium. Dies kann durch Beschränkung der Wasseraufnahme und/oder der zusätzlichen Gabe von Natrium oder durch bestimmte Medikamente erreicht werden. Bei der intravenösen Gabe von Natrium wird der behandelnde Arzt auf eine sehr langsame Infusionsgeschwindigkeit achten, da es bei einem schnellen Anstieg zu einer Schädigung des Gehirns (Schädigung der Umhüllung von Nervenfasern im Bereich des Hirnstamms: pontine Myelinolyse mit teilweise schwerwiegenden neurologischen Folgen kommen kann.

Wie erkenne ich diesen Notfall?

Anzeichen für diese Störung des Wasser- und Elektrolythaushaltes sind Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Veränderungen der Persönlichkeit und Muskelschmerzen oder –krämpfe.

Welcher Patient ist gefährdet?

Wie kann ich den Arzt unterstützen?

Aufmerksam den Patienten im Blick haben, auch kleine Veränderungen wahrnehmen und den behandelnden Arzt informieren. Bei Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten frühzeitig für Ausgleich sorgen.

Tipps und Tricks

Liegt ein niedriger Natriumspiegel vor, besteht oft gleichzeitig ein erniedrigter Kaliumspiegel. Wird Kalium verabreicht, steigt gleichzeitig auch der Natriumspiegel. Daher trägt der Ausgleich des Kaliummangels auch zum Ausgleich einer Hyponatriämie bei.

Hyperkalzämie2,3

Hyperkalzämie

Hyperkalzämie

Was versteht man unter einer Hyperkalzämie?

Unter einer Hyperkalzämie versteht man einen erhöhten Kalziumspiegel im Blut. Bei etwa einem Viertel der onkologischen Patienten ist der Kalziumspiegel zu hoch, vor allem bei Patienten mit Knochenmetastasen von Tumoren, die kalziumfreisetzende Hormone bilden. Die Ausprägung der Symptome hängt von der Kalziumkonzentration ab. Ein leicht erhöhtes Kalzium wird oft nicht bemerkt, bei höheren Werten kommt es dann zu Müdigkeit und gesteigertem Durstgefühl sowie vermehrter Harnausscheidung mit Austrocknung und Nierenversagen. Ein deutlich zu hoher Kalziumspiegel kann lebensbedrohlich sein: es können Herzrhythmusstörungen, neurologische und gastrointestinale Beschwerden auftreten.

Diagnose

Die Diagnose kann über die Bestimmung des Kalziumspiegels im Blut gestellt werden.

Behandlung

Mit verschiedenen Maßnahmen kann der Arzt die Kalziumausscheidung erhöhen und die Freisetzung aus dem Knochen bzw. die Kalziumaufnahme aus der Nahrung hemmen. Zudem muss der Flüssigkeitsmangel ausgeglichen werden.

Wie erkenne ich diesen Notfall?

Achten Sie auf Müdigkeit oder Bewusstseinsstörungen sowie auf übermäßigen Durst und Zeichen des Flüssigkeitsmangels, wie trockener Mund und Zunge, stehende Hautfalten, dunkler, konzentrierter Urin.

Welcher Patient ist gefährdet?

Wie kann ich den Arzt unterstützen?

Achten Sie auf eine ausreichende Trinkmenge und steuern Sie bei erhöhten Flüssigkeitsverlusten frühzeitig dagegen. Beobachten Sie Ihre Patienten genau und hinterfragen Sie auch kleine Veränderungen. Verständigen Sie den behandelnden Arzt. Im Zweifelsfall kann eine Blutuntersuchung Klarheit bringen.

Tipps und Tricks

  • Von einer „hyperkalzämischen Krise“ spricht man ab einem Serumkalzium vom > 3,5 mmol/l. Ab diesem Wert treten eine vermehrte Harnmenge, Austrocknung, Erbrechen, Fieber bis hin zu einem Koma auf. Die Sterblichkeit einer hyperkalzämischen Krise liegt bei bis zu 50%.
  • Es handelt sich bei der hyperkalzämischen Krise um die häufigste lebensbedrohliche Entgleisung des Hormon- und Mineralhaushaltes.

Leukostase9

Was versteht man unter einer Leukostase?

Unter einer Leukostase versteht man sinngemäß das „Festkleben“ (Adhäsion) von Leukozyten an den Gefäßwänden bei deutlich erhöhten Leukozytenwerten. Durch viele unreife, weiße Blutkörperchen (Leukozyten), eine schlechtere Fließfähigkeit des Blutes und eine vermehre Anhaftung an der Gefäßwand kommt es zu einer Verstopfung der Blutgefäße. In der Folge werden Organe und Gewebe schlechter durchblutet und können nicht mehr richtig funktionieren. Betroffen sind vor allem Hirn und Lunge.

Diagnose

Die Diagnosekriterien der Leukostase sind nicht klar definiert. Neben den erhöhten Leukozytenzahlen liegen meist neurologische Auffälligkeiten in Kombination mit Atemproblemen vor. Andere Ursachen erhöhter Leukozytenzahlen müssen ausgeschlossen sein.

Behandlung

Um diese Störung zu behandeln, muss die Anzahl der weißen Blutzellen vermindert werden. Der Arzt verabreicht hierzu Medikamente, er führt eine Blutwäsche (Leukapherese) durch und behandelt die Grunderkrankung (Leukämie). Damit kann das Fortschreiten des Organversagens verhindert werden.

Wie erkenne ich diesen Notfall?

Typisch sind neurologische Beschwerden wie Schwindel, Verwirrung, Tinnitus, eingeschränktes Sehvermögen und Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma. Zudem liegen meist Atembeschwerden und Luftnot vor, diese können auch sehr ausgeprägt sein.

Welcher Patient ist gefährdet?

  • An Leukämie erkrankte Patienten (bis etwa 20 %)
    • Insbesondere bei myeloblastischer Erkrankung (z.B. akute myeloblastische Leukämie [AML])

Wie kann ich den Arzt unterstützen?

Im Verdachtsfall informieren Sie den behandelnden Arzt. Versorgen Sie den Patienten nach Anweisung des Arztes mit Flüssigkeit, jedoch in Maßen.

Tipps und Tricks

  • Maßnahmen zur Verminderung der Leukozytenzahl sollte der Arzt in die Wege leiten, wenn sich der Patient noch in einem guten Allgemeinzustand befindet.

Tumorlyse4

Was versteht man unter einer Tumorlyse?

Es handelt sich um einen spontanen oder durch die Chemotherapie verursachten Zerfall von Tumorzellen mit massenhaftem Austritt von Zellbestandteilen ins Blut. Es kommt dadurch zu erhöhten Spiegeln von Mineralstoffen im Blut.

Diese Elektrolytstörungen und die Ablagerung von Harnsäure in den Nieren (Uratnephropathie) können ein akutes Nierenversagen auslösen. Es können lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen und neurologische Veränderungen bis hin zum epileptischen Anfall entstehen.

Diagnose

Die Diagnose wird über die typischen Laborveränderungen (Elektrolyte, Harnsäure, Nierenwerte) bei Patienten mit großer Tumormasse und schnell wachsenden Tumoren gestellt.

Behandlung

Um eine Tumorlyse zu vermeiden, beginnt der Arzt die Chemotherapie in niedriger Dosierung. Bei Risikopatienten wird er bereits zu Beginn eine Prophylaxe mit Flüssigkeitsgabe sowie mit Medikamenten verordnen, um die Harnsäurebildung verringern.

Liegt bereits ein Tumorlysesyndrom vor verabreicht der Arzt dem Patienten reichlich Flüssigkeit und Medikamente, die die Ausscheidung von Flüssigkeit und Mineralstoffen fördern (Diuretika). Lässt sich die Entgleisung so nicht kontrollieren, kann eine Blutwäsche (Dialyse [glossary-link: /infos-fuer-pflegekraefte/glossar#D]) durchgeführt werden.

Wie erkenne ich diesen Notfall?

Es gibt keine spezifischen Anzeichen für eine Tumorlyse. Es können Übelkeit, Herzrhythmusstörungen, eine verminderte Urinmenge, Müdigkeit, Muskelkrämpfe und Bauchschmerzen auftreten.

Welcher Patient ist gefährdet?

  • Patienten mit großer Tumormasse
  • Patienten mit schnell wachsenden, aggressiven Tumoren
  • Patienten mit Leukämien und Lymphomen
  • Patienten mit Tumoren der Lunge oder der Brustdrüse

Wie kann ich den Arzt unterstützen?

Versorgen Sie den Patienten nach Anweisung des Arztes mit ausreichend Flüssigkeit und überwachen Sie die Vital- und Laborparameter engmaschig.

Tipps und Tricks

  • Informieren Sie unverzüglich den Arzt, wenn Sie bei Ihrem Patienten den Verdacht auf ein Tumorlysesyndrom haben. Es handelt sich um einen lebensbedrohlichen Zustand, der rasches Handeln erfordert.

Disseminierte intravasale Gerinnung?3,5,7,8

Was versteht man unter disseminierter intravasaler Gerinnung?

Bei der disseminierten intravasalen Gerinnung, abgekürzt DIC, aktivieren Botenstoffe des Tumors das Gerinnungssystem. Es kommt zu einer überschießenden Blutgerinnung, viele kleine Blutgerinnsel entstehen. Diese verstopfen die Blutgefäße in Organen wie z.B. Herz, Lunge und Nieren; die Organe werden nicht mehr richtig durchblutet und können ihre Funktion nicht mehr richtig erfüllen.

Die überschießende Blutgerinnung geht mit einem übermäßigen Verbrauch an Gerinnungsfaktoren einher, sodass diese dann weitgehend aus dem Blut verschwinden. Als Folge kann bei der Erkrankung nicht nur eine vermehrte Blutgerinnung, sondern wegen eines Mangels an Gerinnungsfaktoren gleichzeitig eine Blutungsneigung bestehen („Verbrauchskoagulopathie“). Bei der akuten Form verschlechtert sich der Zustand des Patienten rasch innerhalb weniger Stunden mit schwerwiegenden Funktionsstörungen der Organe und Blutungen. Bei Tumorerkrankungen findet man jedoch eher die chronische Form, die sich über Wochen und Monate entwickelt und bei der meist nur die Gerinnselbildung vorliegt, keine Blutungen.

Diagnose

Bei der akuten Form zeigen sich typische Einblutungen am ganzen Körper, vor allem an Haut und Verdauungstrakt, Nierenversagen und Atemnot. Die chronische Form ist gekennzeichnet durch einen Verlauf mit wenigen Symptomen bzw. mit Symptomen, die durch Gefäßverschlüsse (Darmvenenthrombose, Beinvenenthrombose, Lungenembolie, u. a.) verursacht werden.

Behandlung

Als Basismaßnahme erfolgt die Behandlung der Grunderkrankung, ansonsten kann das Krankheitsbild nicht beeinflusst werden. Es erfolgen unterstützende Maßnahmen wie die Gabe von Flüssigkeit und Mineralstoffen. Eine gute Sauerstoffversorgung ist wichtig, wenn nötig auch mit maschineller Unterstützung. Das Nierenversagen kann mit einer Dialyse überbrückt werden. Es erfolgt eine Blutverdünnung mit Heparin und die verbrauchten Gerinnungsfaktoren können ersetzt werden.

Wie erkenne ich diesen Notfall?

Bei der akuten Form verschlechtert sich der Allgemeinzustand des Patienten sehr schnell. Es entwickelt sich Atemnot, die Urinmenge ist deutlich vermindert oder es wird gar kein Urin mehr ausgeschieden und am ganzen Körper kommt es zu Einblutungen. Bei der chronischen Form stehen Symptome der Blutgerinnselbildung (thromboembolische Ereignisse) im Vordergrund (s. u.).

Welcher Patient ist gefährdet?

Wie kann ich den Arzt unterstützen?

Im Verdachtsfall informieren Sie umgehend den behandelnden Arzt. Vermeiden Sie weitere Schädigungen an Haut und Bindegewebe durch Gefäßpunktionen, Rasieren und zu enge oder stark klebende Verbände und verbinden Sie offene Stellen und blutende Wunden.

Tipps und Tricks

  • Die disseminierte intravasale Gerinnung ist eine sehr schwere Erkrankung. Daher sollten Sie umgehend den Arzt benachrichtigen, wenn Ihnen Einblutungen oder eine rasche Verschlechterung des Allgemeinzustandes auffallen.

Thrombosen und Embolien3,5,6

Thrombosen und Embolien

Thrombosen und Embolien

Was ist eine Thrombose/eine Embolie?

Unter einer Thrombose versteht man ein Blutgerinnsel im Gefäßsystem. Ursächlich dafür sind Veränderungen der Gefäßwand, der Fließgeschwindigkeit oder der Blutzusammensetzung (Virchow-Trias). Eine Embolie ist ein teilweiser oder vollständiger Verschluss eines Blutgefäßes durch eingeschwemmtes Material (Embolus, häufig ein Blutgerinnsel, Fett).

Bei vielen onkologischen Patienten liegen komplexe Gerinnungsstörungen vor. Blutungskomplikationen sind eher selten, häufig treten Thrombosen und Embolien auf. Manche Tumorarten gehen mit einer vermehrten Gerinnungsneigung einher, in anderen Fällen werden Blutgefäße durch Tumorknoten von außen eingedrückt und durch den gestörten Blutfluss kommt es zur Bildung eines Gerinnsels (z. B. bei Lymphomen).

Diagnose

Eine Thrombose zeigt sich bei etwa der Hälfte der Patienten durch eine Schwellung, bläuliche Verfärbung, Schmerzhaftigkeit und Überwärmung der Extremität. Bei Verdacht muss eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) des Venensystems durchgeführt werden. Bei einer Beinvenenthrombose und Brustschmerzen oder Atemnot muss an eine Lungenembolie gedacht werden. Hierbei handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Notfall durch Verschluss einer Lungenarterie durch ein Gerinsel. Zur Diagnose s wird üblicherweise eine Computertomographie des Brustkorbs (Thorax-CT) durchgeführt.

Behandlung

Zur Behandlung von Thrombosen und Lungenembolien verabreicht der Arzt Heparin, das das Blutgerinnsel wieder auflöst oder eine Größenzunahme des Gerinnsels verhindert. Patienten mit einer Beinvenenthrombose müssen in der Regel nicht immobilisiert und auch nicht stationär behandelt werden. Das Vorgehen und die Prognose bei einer Lungenembolie hängt davon ab, welche Lungengefäße betroffen sind.

Wie erkenne ich diesen Notfall?

Achten Sie auf klinische Hinweise einer Thrombose (Schwellung, Verfärbung, Schmerzhaftigkeit und Überwärmung der Extremität) oder Lungenembolie (Atemnot, Schmerzen in der Brust, Hustenreiz). Schauen Sie sich den ganzen Patienten an, vor allem auch die Beine.

Welcher Patient ist gefährdet?

Wie kann ich den Arzt unterstützen?

Mobilisieren Sie Ihre Patienten regelmäßig durch Motivation des Patienten in Abhängigkeit von seinem Allgemeinzustand, die Mahlzeiten am Tisch einzunehmen, kurze Spaziergänge über die Station zu unternehmen oder selbstständig Körperpflege zu betreiben. Achten Sie auf eine ausreichende Trinkmenge. Im Verdachtsfall informieren Sie umgehend den behandelnden Arzt.

Tipps und Tricks

  • In Rücksprache mit dem Arzt sollten Sie dem Patienten Thrombosestrümpfe empfehlen.
  • Pflegen Sie den Port oder einen zentralvenösen Katheter sehr sorgfältig, um dort die Bildung eines Gerinnsels zu verhindern.
  • Mobilisation des Patienten in Abhängigkeit von seinem Allgemeinzustand.

Obere Einflussstauung10

Was ist eine obere Einflussstauung?

Damit wird der gestörte Rückfluss des venösen Blutes vom Kopf und den oberen Extremitäten zum Herzen bezeichnet, ein anderer Begriff dafür ist oberes Vena-cava-Syndrom. Eine Ursache dafür ist das Eindrücken der oberen Hohlvene durch Tumor von außen oder das Einwachsen von Tumoren. Manchmal führen auch Thrombosen in der oberen Hohlvene zu einer oberen Einflussstauung.

Diagnose

Es zeigen sich gestaute Hals- und Armvenen sowie Umgehungskreisläufe über den Brustkorb. Es kommt zu Schwellungen der oberen Körperhälfte, vor allem des Gesichtes. Die meisten Patienten leiden unter Atemnot und Husten sowie Schluckbeschwerden. Im Verlauf kommen neurologische Symptome dazu wie Kopfschmerzen und Bewusstseinsstörungen bis zum Koma. Im Liegen sind die Symptome verstärkt. Die Diagnose sollte rasch mit einer Computertomographie (CT) gesichert werden, ggf. ist die Entnahme einer Gewebeprobe sinnvoll, um die beste Behandlungsmöglichkeit zu finden.

Behandlung

Je nach Tumorart hilft eine Bestrahlung oder eine rasche Chemotherapie. Eine weitere Option ist die ärztliche Versorgung des betroffenen Gefäßabschnittes mit einer über einen Katheter eingebrachten Gefäßstütze (Stent), um das Gefäß offen zu halten.

Wie erkenne ich diesen Notfall?

Achten Sie auf Schwellungen der oberen Körperhälfte, vor allem des Gesichts, der Arme und Hände sowie auf gestaute Venen insbesondere am Hals, sowie Umgehungskreisläufe auf dem Brustkorb. Zudem bestehen oft Atemnot und Brustschmerzen.

Welcher Patient ist gefährdet?

  • Patienten mit Lungentumoren
  • Patienten mit Lymphomen
  • Patienten mit zentralvenösen Kathetern (ZVK), Demers-Katheter, Port)

Wie kann ich den Arzt unterstützen?

Bieten Sie dem Patienten Sauerstoff an und sorgen Sie für eine bequeme, aufrechte Körperhaltung.

Tipps und Tricks

  • Achten Sie auf die Symmetrie von Gesicht, Armen und Händen.
  • Achten Sie auf gestaute Halsvenen, Druckgefühl im Bereich von Kopf und Hals sowie Blauverfärbung der Haut durch Blutarmut bzw. Sauerstoffmangel (Zyanose)
  • Kommt es zu einer raschen Verschlechterung mit unzureichender Atmung und neurologischen Symptomen, muss eine sofortige Therapie erfolgen.

Neutropenie5,10,11,12

Was versteht man unter Neutropenie?

Man spricht bei einer Anzahl der neutrophilen Granulozyten, einer Form weißer Blutzellen, <1500/µl von einer Neutropenie, ab weniger als 500/µl handelt es sich um eine schwere Neutropenie. Die neutrophilen Granulozyten sind ein Bestandteil des Immunsystems, daher besteht bei Neutropenie ein erhöhtes Infektionsrisiko. Als Ursache gelten hämatologische Erkrankungen oder deren Therapien sowie der Befall des Knochenmarks durch Infektionen oder Tumoren. Betroffen sind bis zu 40 % der Patienten mit soliden Tumoren, bei hämatologischen Erkrankungen kommt eine Neutropenie bei bis zu 80 % der Patienten vor.

Neutropenisches Fieber ist ein Anzeichen für eine Infektion bei geschwächter Abwehrlage und so definiert: Granulozyten <500/µl, Körpertemperatur ≥38,3°C oder ≥38.0°C für mehr als 1 Stunde, zudem liegen keine Hinweise für eine andere Ursache vor.

Diagnose

Zusätzlich zur Untersuchung des Blutbildes gehört die Abklärung von möglichen Infektionen durch eine sorgfältige körperliche Untersuchung sowie Aufnahmen von Brust- und Bauchraum. Zudem sollten auch Blutkulturen, Urin- und Stuhlproben sowie das Nervenwasser Liquor untersucht werden.

Behandlung

Die rasche Einleitung einer antibiotischen Therapie durch den Arzt ist für den weiteren Verlauf sehr wichtig, da unbehandelte Infektionen bei Patienten mit Immunschwäche innerhalb weniger Stunden zum Tod führen können. Bei schweren Infektionen oder einer länger dauernden Neutropenie kann man die Bildung von Granulozyten im Knochenmark mit einem Medikament anregen.

Wie erkenne ich diesen Notfall?

Hat sich der Allgemeinzustand des Patienten rasch verschlechtert? Kontrollieren Sie regelmäßig die Vitalzeichen, vor allem auch die Temperatur und achten Sie auf mögliche Infektionen und Infektionsquellen.

Welcher Patient ist gefährdet?

  • Prinzipiell jeder onkologische Patient
  • Ein schlechter Allgemeinzustand erhöht das Risiko einer Neutropenie
  • Eine Neutropenie bedingt eine Immunschwäche, mit potentiellen Infektionen über kleine Wunden oder Katheter als Eintrittspforten

Wie kann ich den Arzt unterstützen?

Im Verdachtsfall informieren Sie umgehend den behandelnden Arzt. Gibt es einen Hinweis auf die Infektionsquelle? Beurteilen Sie den Zustand des Patienten regelmäßig und berichten Sie über Verschlechterungen, auch wenn diese gering sind. Pflegen Sie einliegende Katheter sorgfältig und achten Sie auf Veränderungen an den Eintrittspforten.

Tipps und Tricks

  • Bei immungeschwächten Patienten ist die allgemeine Hygiene sehr wichtig. Der Kontakt mit möglichen „Infektionsquellen“ sollte vermieden werden. Dazu gehören erkältete Mitmenschen, Tiere, Pflanzenerde, Schnittblumen und verdorbene Nahrungsmittel.
  • Bei lang anhaltender Neutropenie ist unter Umständen die Unterbringung in einem Einzelzimmer erforderlich.
  • Empfehlen Sie in Abstimmung mit dem Arzt Maßnahmen zur Vorbeugung von Infektionen wie Atemgymnastik und konsequente Mundpflege.
  • Häufig werden ärztlicherseits vorsorglich Antibiotika und Medikamente gegen Pilz- und Virusinfektionen verabreicht.

Sepsis/septischer Schock12,13

Was versteht man unter einer Sepsis oder einem septischen Schock?

Bei einer Sepsis handelt es sich um eine Infektion mit einer Beeinträchtigung des gesamten Organismus. Eine schwere Sepsis beinhaltet Organstörungen. Bei einem septischen Schock ist die Störung so ausgeprägt, dass auch der Kreislauf nicht mehr richtig funktioniert.

Bei onkologischen Patienten liegt oft eine Immunschwäche vor, verursacht durch eine Neutropenie oder eine Behandlung mit Medikamenten, wie z. B. Kortisonpräparaten. Entsteht nun eine Infektion, ist der Verlauf oft sehr viel schwerwiegender als bei Personen mit gesundem Immunsystem.

Wie wird Sepsis diagnostiziert?

Die Diagnosestellung erfolgt nach klinischen Kriterien:

  • Allgemeine Sepsiskriterien
    • Fieber (Kerntemperatur > 38,3° C)
    • Kerntemperatur < 36,0° C (Hypothermie)
    • Herzfrequenz > 90 Schläge/Min
    • Schnelle Atmung > 30 Atemzüge/Min
    • Psychische Veränderungen
    • Deutliche Ödembildung oder positive Flüssigkeitsbilanz
    • Erhöhter Blutzuckerwert
  • Entzündlich
    • C-reaktives Protein oder Procalcitonin > 2 Standardabweichungen über dem Normwert
  • Kreislauf
    • Arterielle Hypotonie (systolischer Blutdruck < 90 mmHg)
    • Gemischt-venöse Sauerstoffsättigung > 70%
  • Organstörungen
    • Verminderte Urinmenge < 0,5ml/kg/h für mindestens 2 Stunden
    • Kreatinin-Anstieg ≥ 0,5 mg/dl
    • Gerinnungsstörungen (INR) > 1,5 oder aPTT > 60 s)
    • Darmverschluss (fehlende Darmgeräusche)
    • Erhöhtes Bilirubin ( > 4 mg/dl)
  • Gewebedurchblutung
    • Laktat > 3 mmol/l
    • Verminderte Kapillarfüllung oder Marmorierung der Haut

Wie wird eine Sepsis behandelt?

Sehr wichtig ist der schnelle Beginn einer Antibiotika-Therapie. Mit einer unterstützenden intensivmedizinischen Behandlung kann die Kreislaufsituation und damit die Sauerstoffversorgung und Funktion der Organe verbessert werden. Dazu gehört die Gabe von Flüssigkeit und kreislaufanregenden Medikamenten, wenn nötig eine maschinelle Beatmung sowie eine Blutwäsche (Dialyse).

Wie erkenne ich diesen Notfall?

Beurteilen Sie den Allgemeinzustand des Patienten aufmerksam. Liegen Hinweise für eine Infektion vor? Kontrollieren Sie regelmäßig die Vitalzeichen, Herzfrequenz, Blutdruck, Temperatur.

Welcher Patient ist gefährdet?

  • Patienten mit Immunschwäche (z. B. Neutropenie)
  • Risikofaktoren:
    • Lange Krankenhausaufenthalte
    • Vorbehandlung mit Kortisonpräparaten, Antibiotika und Chemotherapeutika

Wie kann ich den Arzt unterstützen?

Bei Verdacht informieren Sie umgehend den Arzt. Gibt es Hinweise auf eine Infektionsquelle? Nehmen Sie eine Urin- und Stuhlkultur ab. Bereiten Sie das Tablett für die Blutabnahme vor (Blutkulturen!).

Tipps und Tricks

  • Achten Sie auf eine sehr gute Hygiene! Begegnen Sie Patienten mit länger anhaltender Neutropenie am besten immer mit Mundschutz und Handschuhen.
Paravasate

Paravasate

Was versteht man unter einem Paravasat?

Unter einem Paravasat versteht man das Austreten eines in die Vene verabreichten Medikamentes in das umgebende Gewebe. Nicht jedes Paravasat ist gefährlich. Unter den Chemotherapeutika (Zytostatika) gibt es nekrotisierende (Vesicans) und gewebe-reizende Substanzen (Irritans), aber auch Medikamente, die keinen Gewebeschaden verursachen (Non-Vesicans).

Wie wird ein Paravasat diagnostiziert?

Ein Paravasat kann unspezifische Beschwerden verursachen, auch ein zeitlich verzögerter Verlauf ist möglich. Typischerweise kommt es an den Infusionszugängen zu einem Brennen, Druck- und Spannungsgefühl sowie Schmerzen. Je nach Medikament kann das Gewebe absterben, es kann sich eine Rötung, eine Schwellung oder Blasenbildung zeigen. Später im Verlauf entwickelt sich oft eine Gewebeverhärtung oder Vernarbung.

Bei zentralen Venenkathetern ist ein Paravasat oft schwer zu erkennen. Es kann sich eine Schwellung im Bereich von Hals, Gesicht, Schulter, Dekolleté und Brust zeigen. Zudem können Fieber und eine Leukozytose auftreten. Auch alle in der Nähe des zentralvenösen Katheters befindlichen Strukturen wie Lungenhäute, Herzbeutel und Brusthöhle können durch die austretenden Medikamente gereizt werden.

Wie wird ein Paravasat behandelt?

Die Infusion muss umgehend gestoppt werden. Soweit möglich sollte das Paravasat über den noch liegenden Zugang abgesaugt werden, erst dann kann dieser unter Sog entfernt werden. Sie sollten das betroffene Gebiet markieren und die Extremität ruhigstellen und hochlagern. Unter Umständen ist die Applikation von Wärme bzw. Kälte (je nach Zytostatikum indiziert).
Werden Nerven, Muskeln und Gefäße geschädigt, können erhebliche Funktionseinschränkungen entstehen. Eine Unterbrechung der Therapie kann notwendig werden.

Wie erkenne ich diesen Notfall?

Beachten Sie jede, auch noch so lapidar erscheinende Beschwerdeangabe des Patienten bei der Infusion und verwenden Sie ein transparentes Pflaster. Unterscheiden Sie, ob ein Paravasat vorliegt oder eine harmlose Gefäßentzündung oder Überempfindlichkeitsreaktion: Bei einem Paravasat ist der Infusionsfluss verlangsamt, es bestehen massive Beschwerden und ggf. kommt es zu einer Schwellung des umgebenden Gewebes (bei peripheren Kathetern oder bei liegendem Port). Handelt es sich um eine Gefäßreizung, ist meist keine erkennbare Veränderung im Infusionsbereich auszumachen, im Zweifel sind die Beschwerden des Patienten aber immer ernst zu nehmen und die Durchgängigkeit des Katheters zu prüfen (Aspiration und Spülen des Zugangs mit Kochsalzlösung).

Welcher Patient ist gefährdet?

Es besteht ein erhöhtes Risiko für eine Paravasatentwicklung bei zerbrechlichen, kleinen Venen und nach mehrfacher Punktion. Auch bei Patienten mit einem mangelnden Verständnis für die Situation (Kinder, demente Patienten) und verminderter Sensibilität (Polyneuropathie), Diabetes entwickeln sich häufiger Zytostatikaparavasate. Zur Vermeidung dieser Komplikation ist ein korrekter Umgang mit peripheren und zentralvenösen Kathetern und Ports wichtig.

Wie kann ich den Arzt unterstützen?

Klären Sie den Patienten über die Besonderheiten bei der Verabreichung von Zytostatika auf. Alle Beschwerden bei der Applikation und auch im Verlauf müssen sofort gemeldet werden. Nehmen Sie alle Meldungen ernst und überwachen Sie den Infusionsverlauf konsequent.

Tipps und Tricks

  • Vor Verabreichung des Medikaments muss die korrekte Lage des venösen Zugangs überprüft werden.
  • Die Infusion darf nicht mit Druck erfolgen.

Hinweis

  • Immunonkologische Medikamente werden den nicht-schädigenden Substanzen zugeordnet und verursachen in der Regel keine Gewebeschädigung!

Was versteht man unter immunvermittelten entzündlichen Nebenwirkungen?

Die Immunonkologie aktiviert das körpereigene Immunsystem und nutzt dies als Wirkprinzip im Kampf gegen Krebszellen. Bedingt durch den Wirkmechanismus kann es manchmal auch zur überschießenden Aktivität des Immunsystems kommen, die mit verschiedenen entzündlichen Nebenwirkungen verbunden sind. Diese Nebenwirkungen werden als immunvermittelte Nebenwirkungen bezeichnet

Es kann zu Entzündungen in allen Körperbereichen kommen. Häufig sind Haut, Schleimhäute und der Verdauungstrakt betroffen, auch Entzündungen von endokrinen Drüsen und Leber treten auf. Oft sind diese Nebenwirkungen leicht und gut behandelbar oder heilen spontan, wenn die Behandlung pausiert wird. Grundsätzlich gilt, jedes neu aufgetretene Symptom, das im Rahmen einer immunonkologischen Therapie auftritt, kausal zu hinterfragen. Bis zum Ausschluss einer anderen Ursache sollte das Auftreten insbesondere einer entzündlichen Symptomatik als potenziell immunvermittelt angesehen und unverzüglich ein spezialisierter Facharzt kontaktiert werden.

Wie äußern sich immunvermittelte Nebenwirkungen?

  • Die häufigsten Nebenwirkungen bei einer immunonkologischen Therapie betreffen die Haut, meist in Form eines Ausschlags (Exanthems) an Körperstamm oder Extremitäten, der häufig auch mit Juckreiz (Pruritus)
  • Sehr häufig sind auch gastrointestinale Nebenwirkungen: Ca. 20 % der Patienten leiden unter Durchfällen sowie an Schleimhautentzündungen, Übelkeit und Erbrechen. Zudem treten Allgemeinsymptome wie Appetitlosigkeit, Müdigkeit und Fieber auf.
  • Eine immunvermittelte Leberentzündung (Hepatitis) verläuft meist asymptomatisch und fällt nur laborchemisch durch Anstieg der Leberenzyme (Transaminasen) auf.
  • Endokrin kann sich eine Hypophysenentzündung (Hypophysitis) mit einer Unterfunktion der Hypophyse entwickeln, die unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel und Sehstörungen zeigt.
  • Bei neu auftretendem, trockenem Husten, Atemnot, Fieber und Brustschmerzen muss man eine immunvermittelte Lungenentzündung (Pneumonitis) ausschließen, die eine relativ seltene, aber potentiell tödliche immunvermittelte Nebenwirkung darstellt.

Auch andere Organsysteme können betroffen sein:

  • Nervensystem (Hirnhautentzündung, Hirnödem, Neuropathie, Guillain-Barré-Syndrom)
  • Endokrines System (Entzündungen und Funktionsstörung von Schilddrüse, Nebenniere, Hirnanhangsdrüse und Bauchspeicheldrüse)
  • Niere (Nierenversagen)
  • Bewegungsapparat (Schmerzen von Muskeln und Gelenken)
  • Herz (Herzrhythmusstörungen, Herzmuskelentzündung)
  • Knochenmark (Blutbildveränderungen, Neutropenie)

Als Notfälle können insbesondere folgende Nebenwirkungen in Erscheinung treten:

  • Akute Nebennierenrinden-Schwäche als Folge einer Entzündung der Hirnanhangsdrüse (Hypophysitis) oder der Nebenniere (Adrenalitis)
  • Extreme Schilddrüsenüberfunktion (thyreotoxische Krise bei Entzündung der Schilddrüse)
  • Extremer Blutzuckeranstieg wegen Diabetes mellitus (Entzündung der Bauchspeicheldrüse)
  • Pneumonitis
  • Colitis

Wie werden immunvermittelte Nebenwirkungen behandelt?

Bis zum Ausschluss einer anderen Ursache sollte das Auftreten insbesondere einer entzündlichen Symptomatik als potenziell immunvermittelt angesehen und unverzüglich ein spezialisierter Facharzt kontaktiert werden. Je nach Art und Schwere der Nebenwirkung unterbricht der Arzt die Behandlung oder setzt sie dauerhaft ab. Oft ist eine Behandlung mit Kortisonpräparaten erfolgreich. Sind endokrine Drüsen betroffen, muss ggf. eine Hormonersatztherapie verabreicht werden.

Wie erkenne ich diesen Notfall?

Überwachen Sie Ihre Patienten engmaschig. Messen Sie regelmäßig die Vitalzeichen und die Sauerstoffsättigung. Achten Sie auch auf kleine Veränderungen und befragen Sie den Patienten in jedem Gespräch, ob seit der letzten Medikamentengabe unerwünschte Wirkungen aufgetreten sind. Bei Verdacht informieren Sie umgehend den behandelnden Arzt.

Welcher Patient ist gefährdet?

Bei der Kombinationsbehandlung treten immunvermittelte Nebenwirkungen häufiger auf, als wenn nur ein Medikament verwendet wird.

Wenn bereits Hautreaktionen bei anderen immunstimulierenden Medikamenten aufgetreten sind, ist erhöhte Vorsicht geboten.

Wie kann ich den Arzt unterstützen?

Achten Sie auch auf kleine Veränderungen, die zunächst nicht schlimm erscheinen. Verständigen Sie bei Verdacht auf eine immunvermittelte Nebenwirkung sofort den behandelnden Arzt! Warnhinweise für eine immunvermittelte Kolitis sind Durchfall, Bauchschmerzen, Schleim- oder Blutbeimengung im Stuhl, für eine immunvermittelte Pneumonitis Dyspnoe, Fieber, trockener Husten und Brustschmerzen. Nehmen Sie auch kleinere Beschwerden wie neu aufgetretene Hautausschläge, Unwohlsein oder Kopfschmerzen ernst. Eine routinemäßige Überwachung der Leberwerte und der Schilddrüsenhormone sind sinnvoll.

Tipps und Tricks

  • Die Erfassung von Nebenwirkungen muss mindestens bis zu 5 Monate nach der letzten Gabe fortgeführt werden, da diese auch zeitverzögert und noch Monate nach der Therapie auftreten können.

Rückenmarkkompression15,16

Was versteht man unter einer Rückenmarkkompression?

Darunter versteht man eine Einengung des Rückenmarks (Myelonkompression) durch den Tumor direkt oder ein Ödem, meist auf Höhe der Brustwirbelsäule. Hiervon sind etwa 5 % aller Krebspatienten betroffen.

Wie wird eine Rückenmarkkompression diagnostiziert?

Zuerst treten Rückenschmerzen auf, die in Rückenlage und bei Bewegung zunehmen. Nimmt der Druck auf das Rückenmark weiter zu, kommt es zum Verlust des Gefühls (Sensibilität) und Schwäche. Zuletzt resultiert eine Urin- und Stuhlinkontinenz als Zeichen der Nervenschädigung.

Die Diagnose sollte möglichst früh gestellt werden, um gravierende und unter Umständen bleibende Nervenschädigungen zu vermeiden.

Wie wird eine Rückenmarkkompression behandelt?

Die Einengung des Rückenmarks kann – je nach Ursache - medikamentös mit Kortison, mit einer Bestrahlung oder auch chirurgisch behandelt werden. Bei einem raschen Fortschreiten ist meist eine Operation am besten geeignet, da sie ein schnelles Ergebnis erzielt, ebenso wenn die Bestrahlung keine Wirkung zeigt.

Wie erkenne ich diesen Notfall?

Seien sie aufmerksam, wenn ein Patient über Rückenschmerzen und/oder Lähmungs- oder Schwächeerscheinungen berichtet.

Welcher Patient ist gefährdet?

Wie kann ich den Arzt unterstützen?

Fragen Sie den Patienten regelmäßig nach Gefühlsstörungen oder Schwächegefühl in Armen und Beinen. Im Verdachtsfall, informieren Sie umgehend den behandelnden Arzt.

Tipps und Tricks

  • Achten Sie auf neurologische Veränderungen: Jede Angabe von Gefühlstörungen oder Muskelschwäche ernst nehmen.
  • Achten Sie auf eine normale Funktion der Blase und des Mastdarms.
  • Schnell erkennen und rasch handeln! Ist bei Beginn der Therapie noch keine Lähmung aufgetreten, bilden sich nach der Behandlung in der Regel alle Symptome wieder zurück.

Hirndruck, Hirnmetastasen10

Was versteht man unter Hirndruck, Hirnmetastasen?

Bei bestimmten Tumorarten kommt es zur Ausbildung von Absiedlungen (Metastasen) im Gehirn. Diese stellen die häufigste Krebsart im Gehirn dar und sind viel häufiger als Hirntumoren (z. B. Astrozytom, Glioblastom. Da der Schädel eine feste, unnachgiebige Hülle bildet und das Gewebe darin durch den wachsenden Tumor zunimmt, steigt der Druck im Schädel.

Um die Absiedlungen entstehen zudem häufig Flüssigkeitseinlagerungen (Ödeme), die den raumfordernden Effekt zusätzlich verstärken.

Wie wird Hirndruck behandelt?

Die Patienten fallen mit Übelkeit, Erbrechen und Schwindel sowie unterschiedlichen neurologischen Ausfallserscheinungen auf. Zur Abklärung erfolgt eine Computertomographie (CT) , eventuell ergänzend eine Magnetresonanztomographie (MRT) und eine Punktion des Nervenwassers Liquorpunktion.

Wie wird Hirndruck behandelt?

Unabhängig von der Ursache der Hirndrucksteigerung werden vom Arzt allgemeine Maßnahmen ergriffen, die den Druck senken bzw. eine weitere Steigerung verhindern sollen. Dazu gehören:

  • Sicherstellung einer ausreichenden Sauerstoffversorgung
  • stabiler Mineralstoff- und Wasserhaushalt
  • Normwerte bei Blutzucker und Blutdruck
  • 30°-Oberkörperhochlagerung

Bei einer durch Störung der Blut-Hirn-Schranke bedingten Hirndruckentwicklung (vasogenes Hirnödem) durch maligne Tumore kann der Arzt eine medikamentöse Therapie mit Kortisonpräparaten zur Minderung der Flüssigkeitseinlagerungen durchführen; auch eine Dämpfung von Funktionen des zentralen Nervensystems und dadurch des metabolischen Bedarfs des Gehirns durch ein Beruhigungsmittel (Sedierung) kann erwogen werden. Ursächlich lassen sich der Tumor oder die Metastasen ggf. durch eine Bestrahlung oder eine Operation behandeln.

Wie erkenne ich diesen Notfall?

Übelkeit, Erbrechen und Schwindel sind die Hauptsymptome eines erhöhten intrakraniellen Druckes, dazu kommen in Abhängigkeit von der Lage und Ausdehnung der Raumforderung Atem- und Bewusstseinsstörungen bis zum Koma, epileptische Anfälle, Bewegungs- und/oder Empfindungsstörungen.

Welcher Patient ist gefährdet?

Wie kann ich den Arzt unterstützen?

Versorgen Sie den Patienten im Rahmen der Basismaßnahmen. Messen Sie Blutzucker, Blutdruck und Puls und sorgen Sie für eine ausreichende Sauerstoffversorgung.

Tipps und Tricks

  • Beobachten Sie Ihre Patienten gut und handeln Sie rasch, wenn Sie den Verdacht auf einen erhöhten Hirndruck haben.
  • Wichtig ist eine engmaschige Kontrolle der Vitalzeichen
  • Sorgen Sie für eine ruhige Atmosphäre.
  • Vermeiden Sie pflegerische Tätigkeiten (z. B. Absaugen), die einen Anstieg des Hirndruckes verursachen können

Dyspnoe20

Dyspone

Dyspone

Was versteht man unter Dyspnoe?

Dyspnoe bezeichnet eine erschwerte oder ungenügende Atmung bzw. Atemnot. Diese kann plötzlich auftreten oder sich auch langsam entwickeln. Patienten mit einer langsamen Entwicklung sind an schlechte Blutgaswerte gewöhnt und verspüren die Atemnot selbst erst bei sehr schlechten Werten.

Das Symptom der Dyspnoe kann durch ganz unterschiedliche Erkrankungen verursacht werden, beispielsweise durch Wasser auf der Lunge (Pleuraerguss), eine Lungenentzündung, eine Lungenembolie oder eine Tumorausbreitung in der Lunge oder in den Atemwegen.

Wie wird Dyspnoe diagnostiziert?

Patienten mit Atemnot sitzen meist, stützen sich auf die Arme und setzen die Atemhilfsmuskulatur ein. Die Ursache kann durch Abhören oder Beklopfen des Brustkorbes bzw. eine Ultraschall-, Röntgen- oder CT-Untersuchung festgestellt werden.

Wie wird Dyspnoe behandelt?

Der Patient muss in eine angenehme, meist aufrechte Position gebracht und mit Sauerstoff versorgt werden. Nicht-invasive Beatmungsmethoden wie die kontinuierliche positive Überdruckbeatmung (CPAP) oder eine maschinelle Beatmung sollten wenn möglich vermieden werden.

Je nach Ursache muss ärztlicherseits eine unterschiedliche Behandlung erfolgen.

  • Liegt beispielsweise ein Pleuraerguss zugrunde, kann dieser mit einer Punktion rasch entfernt werden. Bei einem immer wiederkehrenden Erguss kann ein Katheter in den Pleuraspalt gelegt werden, über den regelmäßig der Erguss abgelassen werden kann. Mit einer kleinen Operation können die Lungen mit dem Brustkorb verklebt werden, so dass sich gar nicht erst viel Flüssigkeit bilden kann.
  • Bei einer „normalen“ Lungenentzündung muss eine Behandlung mit Antibiotika erfolgen.
  • Ist die Lungenentzündung Folge der Behandlung (Chemotherapie, immunonkologische Therapie, Strahlentherapie) erfolgt eine Behandlung mit Kortisonpräparaten.
  • Befindet sich Tumorgewebe in den Atemwegen, kann unter Umständen eine Bronchoskopie und die Entfernung des Gewebes oder die Einlage einer Stütze (Stent) hilfreich sein.

Wie erkenne ich diesen Notfall?

Achten Sie auf Veränderungen der Atmung bzw. auch der Belastbarkeit des Patienten. Kommt er schon nach wenigen Schritten außer Atem? Strengt der Gang zur Toilette bereits an? Beobachten Sie die Atemfrequenz und zählen Sie die Atemfrequenz pro Minute aus. Achten Sie auf neu aufgetretenen Husten.

Welcher Patient ist gefährdet?

Wie kann ich den Arzt unterstützen?

Beobachten Sie Ihre Patienten genau und achten Sie auf Änderungen der Belastbarkeit und neu aufgetretene Atembeschwerden.

Tipps und Trick

  • Bei Risikopatienten sollte bereits im Vorfeld auf eine regelmäßige körperliche Bewegung geachtet werden sowie Inhalationen mit Kochsalzlösung und eine Anfeuchtung der Atemluft.
  • Achten Sie darauf, dass Patienten, die bereits Medikamente oder Sprays zur Behandlung einer Lungenerkrankung haben, diese auch regelmäßig einnehmen.
  • Bei vorbestehenden Lungenerkrankungen (z. B. COPD) darf nicht zu viel Sauerstoff verabreicht werden!