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Myelodysplastische Syndrome

4 min

Als myelodysplastische Syndrome (MDS) wird eine Reihe von Erkrankungen des Knochenmarks bezeichnet, bei denen zu wenig funktionstüchtige Blutzellen gebildet werden.

Erkrankung

Als myelodysplastische Syndrome (MDS) wird eine Reihe von Erkrankungen des Knochenmarks bezeichnet, bei denen zu wenig funktionstüchtige Blutzellen gebildet werden. Dabei kommt es aufgrund einer Ansammlung von Schäden am Erbgut (DNA) der hämatopoetischen Stammzellen zu einer vermehrten Bildung unreifer Blutzellen (Blasten) in der myeloischen Zelllinie, also der Blutzellen, die im Knochenmark heranreifen. Als Folge davon werden zu wenige funktionierende Blutzellen gebildet oder die Blutzellen haben eine verkürzte Lebensdauer. Dies führt zu einem Zellmangel, der sich je nach Art der betroffenen Zellen in einer Anämie (Erythrozytenmangel), Leukozytopenie (Leukozytenmangel) oder Thrombozytopenie (Thrombozytenmangel) niederschlägt. Es können auch mehrere Zelllinien betroffen sein (Panzytopenie).
Abhängig vom Aussehen der Knochenmark- und Blutzellen unter dem Mikroskop werden die myelodysplastischen Syndrome in verschiedene Unterformen eingeteilt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat dazu im Jahr 2016 ein System entwickelt. Dies ist wichtig, da die verschiedenen Unterformen teils verschiedene Therapien erfordern.
Myelodysplastische Syndrome unterscheiden sich deutlich in ihrem Krankheitsverlauf. Um den Schweregrad der Erkrankung abschätzen und einen geeigneten Behandlungsplan auswählen zu können, haben Fachleute international gültige Systeme zur Berechnung des individuellen Risikos entwickelt. Die einzelnen Formen von MDS unterscheiden sich dabei hinsichtlich ihres Verlaufs, der Behandlungsmöglichkeiten und des Risikos, sich zu einer akuten myeloischen Leukämie (AML) weiterzuentwickeln.

Mit einer Inzidenz von etwa 4 bis 5 pro 100.000 Einwohner gehören die myelodysplastischen Syndrome zu den häufigsten malignen hämatologischen Erkrankungen in Deutschland. Ab einem Alter von 70 Jahren steigt die Inzidenz deutlich an auf über 30 pro 100.000 Einwohner.
Das mediane Erkrankungsalter liegt bei etwa 75 Jahren. Dabei sind Männer öfter betroffen als Frauen.
Bei 20 bis 25 % der Betroffenen entwickelt sich die MDS-Erkrankung im Laufe der Zeit weiter zu einer akuten myeloischen Leukämie (AML).

Ursachen und Risikofaktoren

Myelodysplastische Syndrome entstehen aufgrund genetischer Veränderungen in den blutbildenden Stammzellen des Knochenmarks. Sie können als eigenständige Erkrankung auftreten. Dabei ist oft keine eindeutige Ursache nachweisbar. Man spricht dann von primären MDS bzw. „De-novo-MDS“.
In ca. 10 % der Fälle tritt die Erkrankung therapieassoziiert als Folge einer Chemo- oder Strahlentherapie auf und wird dann als sekundäre MDS bezeichnet.

Da die Mutation nur Zellen im Knochenmark betrifft und keine Keimzellen, sind myelodysplastische Syndrome nicht direkt vererbbar. Genau wie andere Krebsarten sind MDS auch nicht ansteckend oder in anderer Form von Mensch zu Mensch übertragbar.
Bei den primären MDS kennt man bislang kaum Risikofaktoren. Neuere Forschungen deuten darauf hin, dass bestimmte Mutationen der Keimzellen mit einem erhöhten familiären Risiko für die Entstehung von MDS verbunden sind.  Für Betroffene ist es oft nicht einfach, zwischen der Vererbung der Veranlagung für MDS und der Vererbung der Erkrankung zu unterscheiden. Die Veranlagung bedeutet nur ein erhöhtes Risiko, möglicherweise zu erkranken. Und auch in solchen Fällen bricht die Erkrankung in der Regel erst im Alter zwischen 60 und 70 Jahren aus.
Die Risikofaktoren, die sekundäre MDS-Erkrankungen auslösen können, sind besser bekannt.
Besonders bei der Behandlung von Lymphomen und Brustkrebs kann eine Bestrahlungs- und/oder Chemotherapie zur Entstehung von MDS führen. Diese tritt meist 2 bis 6 Jahre später auf.
Eine langjährige Exposition (10 bis 20 Jahre) gegenüber benzolhaltigen Stoffen und organischen Lösungsmitteln (z. B. in Kerosin, Benzin oder Lacken) ist ebenfalls eine mögliche Ursache von myelodysplastischen Syndromen.

Symptome

Da der Begriff „myelodysplastische Syndrome“ eine Gruppe von Erkrankungen zusammenfasst, sind die Symptome insbesondere in der Frühphase der Erkrankung oft nicht eindeutig. Viele Symptome können auch im Rahmen anderer Erkrankungen auftreten. Außerdem entwickeln sich die Symptome meist langsam. Oft wird eine MDS-Erkrankung im Rahmen von Routineuntersuchungen entdeckt, bevor sie sich durch Symptome bemerkbar macht.
Bei Verdacht auf MDS ist immer die Abklärung durch eine hämatologische Fachpraxis zu empfehlen.

Das häufigste Symptom bei myelodysplastischen Syndromen ist die Anämie, also ein Mangel an roten Blutkörperchen. Sie tritt bei 70 bis 80 % der Betroffenen auf.  Je nach ihrer Schwere führt sie zu typischen Beschwerden wie Atemnot, Erschöpfung, Kopfschmerzen und Herzrasen. Als klinischer Befund zeigt sich dabei eine Blässe der Schleimhäute und/oder des Nagelbetts. Dies geht in der Regel mit verringerten Hämoglobinwerten von unter 10 bis 8 g/dl einher.
Ein weiteres typisches Symptom ist eine erhöhte Infektanfälligkeit. Diese zeigt sich vor allem in vermehrt auftretenden Infekten des Bronchialsystems und der Haut. Verantwortlich hierfür ist ein Mangel an weißen Blutkörperchen – konkret an neutrophilen Granulozyten –, also eine Neutropenie, oder eine eingeschränkte Funktionsfähigkeit dieser Abwehrzellen.
Bei etwa der Hälfte der Betroffenen ist bei der Erstdiagnose eines MDS ein Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) nachweisbar.  Dieser zeigt sich vor allem in leichteren Symptomen wie vermehrtem Zahnfleischbluten, Hämatomen nach Stößen und Petechien. Ungefähr 10 % der Erkrankten sind jedoch von schweren Blutungen betroffen.  Diese manifestieren sich vornehmlich in den Harnwegen, dem Gastrointestinaltrakt, aber auch in der Retina und dem zentralen Nervensystem.
In sehr seltenen Fällen kann es auch zu Symptomen der Haut oder autoimmunologischen Symptomen (Arthritis oder Osteochondritis) kommen.

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