Indikationen Onkologie

Leberkrebs

Erkrankung

Leberkrebs (Leberzellkrebs, hepatozelluläres Karzinom; HCC ist ein bösartiger Tumor, der von den Leberzellen (Hepatozyten) ausgeht.

Die Erkrankung wird daher auch primärer Leberkrebs genannt, um die Unterscheidung zu Tochtergeschwülsten (Fernmetastasen) in der Leber zu verdeutlichen, die bei verschiedenen Krebserkrankungen auftreten können.

Jährlich erkranken in Deutschland etwa 6.000 Männer und 2.500 Frauen
neu.1 Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 71 Jahren für Männer und 74 Jahren für Frauen. Nur etwa 4% der Betroffenen erkranken vor dem 45. Lebensjahr.

Männer sind zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Frauen.2

Meist wird der Tumor erst relativ spät entdeckt. Die Erkrankung geht zudem häufig mit einer schweren Schädigung der Leber einher.3 Der Krankheitsverlauf (Prognose) ist eher ungünstig: Das relative 5-Jahressüberleben liegt bei 15%.1

Leberkrebs gehört bei Frauen und Männern in Deutschland zu den zehn häufigsten Krebstodesursachen.1

In den letzten 30 Jahren hat sich die Zahl der Neuerkrankungen in Deutschland und auch in anderen Ländern Europas sowie den USA sowohl bei Männern als auch bei Frauen verdoppelt.2

Als Grund dafür wird vor allem eine Zunahme der Patientenzahl mit den folgenden Erkrankungen angeführt :2

Ursachen und Risikofaktoren

Die Schrumpfleber (Leberzirrhose) ist hierzulande der wichtigste Risikofaktor für die Entstehung von Leberkrebs:1,4,5 In neun von zehn Fällen entwickelt sich der Tumor aus einer bestehenden Leberzirrhose.5

Die Leberzirrhose ist ein bindegewebiger, narbiger Umbau des Lebergewebes, der mit dem Absterben von Leberzellen einhergeht. Der Prozess ist nicht umkehrbar. Er kann nur aufgehalten werden.

In Deutschland gehören zu den wichtigsten Ursachen einer Leberzirrhose die folgenden Erkrankungen:1,4,5,6

  • Dauerhafter (chronischer) Alkoholmissbrauch
    • Hauptursache in Deutschland für die Leberzirrhose: Etwa die Hälfte aller Leberzirrhosen ist durch Alkoholmissbrauch bedingt5
  • Dauerhafte Infektion mit Hepatitis C- oder Hepatitis B-Viren
    • Hepatitis B- und C-Viren können durch Körperflüssigkeiten (u.a. Blut, Samen- und Scheidenflüssigkeit) übertragen werden und zu einer Entzündung der Leber (Hepatitis) führen
    • Wenn die akute Infektion nicht bemerkt wird und nicht ausheilt, kann sie chronisch werden und die Leber dauerhaft schädigen
    • Eine Hepatitis B nimmt bei Erwachsenen in weniger als 10% der Fälle, eine Hepatitis C dagegen in mehr als 50% der Fälle einen chronischen Verlauf4
    • In Deutschland sind ca. ein Viertel der Leberzirrhosen durch eine chronische Virushepatitis bedingt6
  • Nicht-alkoholische (nicht durch Alkohol verursachte) Fettleber-Erkrankung, die unter anderem als Folge der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und zunehmenden Fettleibigkeit (Adipositas) auftreten kann

Zudem können auch seltene Stoffwechselkrankheiten, Schimmelpilzgifte in der Nahrung, Schadstoffe am Arbeitsplatz und Zigarettenrauchen das Risiko für Leberkrebs erhöhen:1,4,5,6

Entwicklung von Leberzirrhose und Leberkrebs

Symptome

Oft verursacht Leberkrebs zunächst keine Beschwerden.7 In einem fortgeschrittenen Stadium können die folgenden Symptome auftreten:7

  • Druckschmerz im rechten Oberbauch
  • Appetitlosigkeit, ungewollte Gewichtsabnahme
  • Schwäche, Leistungsminderung
  • Zunehmende Gelbfärbung der Haut und der Augäpfel (Gelbsucht; Ikterus) durch Störung des Gallenabflusses

Diagnose

Besteht der Verdacht auf Leberkrebs, reicht meist ein spezielles bildgebendes Verfahren mit Kontrastmittel aus.7,8

Denn Leberkrebs zeigt ein typisches Durchblutungsmuster, das sich in diesen bildgebenden Verfahren unter Verwendung von Kontrastmittel gut darstellen lässt.7,8

Zu den bei Leberkrebs häufig eingesetzten bildgebenden Verfahren gehören:7,8

  • Ultraschall-Untersuchung (Sonographie des Bauchraums Abdomen)
  • Computer-Tomographie (CT)
  • Magnetresonanz-Tomographie (MRT)
  • Ausbreitungsdiagnostik (Staging)
    • Um die Therapie genauer planen zu können, wird festgestellt, ob der Tumor in der Leber bereits in die benachbarten Lymphknoten und/oder andere Organe gestreut hat (Staging). Die Einteilung der Tumorstadien erfolgt mittels der TNM-Klassifikation.
Leberkrebs in der Computertomographie (CT)“]

Therapie

Die Auswahl der Behandlung von Patienten mit Leberkrebs richtet sich in erster Linie danach, wie weit die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose fortgeschritten ist, und wie gut die Leberfunktion und der Allgemeinzustand des Patienten sind.

Zur Verfügung stehen:9,10,11

Für die Behandlung von Patienten mit Leberkrebs, für die eine Operation nicht in Frage kommt, können verschiedene Methoden zur örtlichen (lokalen), Tumorlast-verringernden (ablativen) Therapie eingesetzt werden.9,10,11

Diese sind vor allem:9,10,11

Bei der Radiofrequenz-Ablation (RFA) soll das Tumorgewebe in der Leber durch starke Hitze zerstört werden.9,10,11

Dafür wird in Kurznarkose eine dünne Nadel unter Ultraschall-, MRT- oder Computer-Tomographie (CT)-Kontrolle in den Tumor eingeführt.9,10,11 Über diese Nadel erfolgt die Gabe von Strom, wodurch der Tumor "verkocht" wird.

Bei der transarteriellen Chemo-Embolisation (TACE) wird die Blutversorgung des Tumors unterbrochen und Zytostatika werden direkt verabreicht.9,10,11

Dafür wird in Kurznarkose eine dünne Nadel unter Ultraschall-, MRT- oder Computer-Tomographie (CT)-Kontrolle in den Tumor eingeführt.9,10,11

Dafür spritzt der Arzt in örtlicher Betäubung und unter Röntgenkontrolle durch einen Katheter ein Gemisch aus gefäß-verschließenden Mitteln (Embolisat) und einem das Tumorwachstum hemmenden Zytostatikum (Chemotherapie) in die Arterien, die den Tumor in der Leber mit Blut versorgen.9,10,11 Die Blutzufuhr zum Tumor wird damit teils gestoppt und die Krebszellen sterben ab.

Mehr Informationen zu den Prinzipien der Chemotherapie lesen Sie bitte unter "Chemotherapie".

Die selektive interne Strahlentherapie (SIRT) ist eine örtliche (lokale) Strahlentherapie des Tumors in der Leber von innen.10

Dabei werden kleinste Kügelchen, die eine radioaktive Substanz mit sehr kurzen Reichweiten enthalten, direkt in die leberversorgenden Gefäße eingebracht.10

Der Tumor wird dadurch einer hohen örtlichen Strahlendosis ausgesetzt, und gleichzeitig werden die den Tumor versorgenden Blutgefäße verschlossen.10

Allgemeine Informationen zur Strahlentherapie erhalten Sie unter "Strahlentherapie".

Wirkstoffe der zielgerichteten Therapien (engl. "Targeted therapies") setzen an verschiedenen biologischen Eigenschaften des Tumors an, die eine zentrale Rolle beim Tumorwachstum spielen. Zielgerichetete Therapien hemmen bestimmte Signalwege, die in den Tumorzellen oder Gefäßzellen besonders aktiviert sind und wirken damit auch gegen bösartiges Gewebe.

Für die Behandlung von Patienten mit Leberkrebs stehen als Angriffspunkt der zielgerichteten Therapie die Hemmung der Wachstumssignale sowie die Hemmung der Gefäßneubildung zur Verfügung.9,10,11

Wenn Sie mehr zu den allgemeinen Prinzipien der zielgerichteten Therapien, ihren typischen Nebenwirkungen und deren Management erfahren möchten, lesen Sie "Zielgerichtete Therapien".