Krebstherapie

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie (Radiotherapie) ist neben der Operation und der Chemotherapie eine der zentralen Säulen der Krebstherapie.1

Die Strahlentherapie ist eine örtliche (lokale) Behandlungsmethode. Die tumorzerstörende Wirkung tritt nur innerhalb des Bestrahlungsfeldes auf und wirkt nicht im ganzen Körper (systemisch).1

Die Strahlentherapie kann prinzipiell eingesetzt werden:1

Gerät zur Strahlentherapie für Krebserkrankungen

Strahlendosis

Vor einer Strahlentherapie wird für jeden Patienten individuell ein Behandlungsplan erstellt.1 Darin wird auch die gesamte Strahlendosis festgelegt, die der Patient erhalten soll.

Diese richtet sich nach der Strahlenempfindlichkeit des Tumors und wird mit der Einheit Gray (abgekürzt "Gy") gemessen.1

Wie wirkt die Strahlentherapie?

Bei der Strahlentherapie werden die Krebszellen mithilfe ionisierender, also energiereicher Strahlung zerstört.1

Durch die Bestrahlung entstehen in der Tumorzelle aggressive Moleküle, die die Erbsubstanz der Tumorzelle schädigen.1 Dadurch kann sich die Zelle nicht mehr teilen und zum Wachstum des Tumorgewebes beitragen. Die Tumorzelle wird vom Körper als geschädigt erkannt und gezielt aufgelöst.2 Dieser Prozess wird als programmierter Zelltod oder Apoptose bezeichnet.

Die Strahlentherapie wirkt nicht nur spezifisch auf das Erbgut des Tumors, sondern auch gesunde Körperzellen können in Mitleidenschaft gezogen werden.1 (siehe Mögliche Nebenwirkungen).

Jedoch sind die zelleigenen Reparatursysteme meist in der Lage, die Schäden am Erbgut zu reparieren.1 Diese Fähigkeit zur Erbgut-Reparatur ist in gesunden Zellen besser ausgeprägt als in Krebszellen. Während sich die gesunden Zellen erholen, sterben die Krebszellen ab.

Um den mitbetroffenen gesunden Zellen genügend Zeit für die Reparatur der Erbgutschäden zu geben, wird meist die geplante gesamte Strahlendosis auf mehrere Einzelsitzungen aufgeteilt.1,2

Diese so genannte "Fraktionierung" (Portionierung) ermöglicht es, vielen Patienten sehr hohe Gesamtstrahlendosen zu geben, ohne ihr Risiko für dauerhafte Spätfolgen zu steigern.2

Dazu ein Beispiel: Bei der Strahlentherapie ist nach einer brusterhaltenden Operation bei Patientinnen mit Brustkrebs in der Regel eine Gesamt-Strahlendosis von 46 bis 56 Gy vorgesehen.3 Ein gängiger Bestrahlungsplan sieht täglich eine Einzeldosis von Montag bis Freitag vor, dies wird über mehrere Wochen wiederholt.

Möglich sind aber auch mehrere Bestrahlungssitzungen an einem Tag (hyperfraktioniert) oder nur ein- bis dreimalige Bestrahlungen wöchentlich (hypofraktioniert).1

Formen der Strahlentherapie

Prinzipiell können zwei Formen der Strahlentherapie in der Onkologie unterschieden werden:1

Die Bestrahlung des Tumors von außen erfolgt durch die Haut (perkutan).

Bei diesen externen Bestrahlungsgeräten handelt es sich heute meist um so genannte Linearbeschleuniger, bei denen die Strahlung durch die extreme Erhitzung eines Glühdrahtes erzeugt wird.4

Bei der Bestrahlung durch die Haut werden die folgenden Methoden unterschieden:1,5

Bei der konventionellen Strahlentherapie werden „flache“, also nicht dreidimensionale Bestrahlungsfelder eingesetzt,
z. B. nach einer brusterhaltender Operation bei Brustkrebs.1

In diesem Fall wäre es nicht sinnvoll, die Strahlen gezielt und dreidimensional auf die erhaltene Restbrust zu lenken.5 Das Feld soll vielmehr die gesamte Brustregion und gegebenenfalls sogar die Achselhöhle erreichen und im gesunden Gewebe vielleicht versteckt liegende Tumorzellen abtöten.

Der Einstrahlwinkel wird trotzdem so gewählt, dass Herz und Lunge möglichst nicht im Strahlengang liegen. Eventuell kann man das ehemalige "Tumorbett" noch zusätzlich gezielt bestrahlen, mit einer geringeren Dosis.5

Unter dem Begriff der Konformitätsbestrahlung werden alle Bestrahlungstechniken bezeichnet, bei denen das Strahlenfeld mit Hilfe von Blenden und Filtern möglichst zielgenau an Tumorform und Tumorgröße angepasst
werden.1,5

Damit soll das umliegende Gewebe weitgehend geschont werden. Die Konformationsbestrahlung kann z. B. bei Tumoren eingesetzt werden, die in der Nähe lebenswichtiger Organe oder Strukturen liegen, die nicht geschädigt werden dürfen.1

Da der Tumor in Wirklichkeit nicht flach, so wie er im Röntgenbild erscheint, sondern dreidimensional ist, wird diese Bestrahlungstechnik auch 3D- oder dreidimensionale Strahlentherapie genannt.5

Die intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT) ist eine Weiterentwicklung der Konformitätsstrahlentherapie.1,5

Mit der IMRT lässt sich noch zielgenauer bestrahlen, und gesundes Gewebe wird noch besser geschont.5 Denn zusätzlich zur Filterung der Strahlen wird die Einstrahlrichtung mehrfach verändert. Der Strahlengang läuft immer durch den Tumor, aber jedes Mal durch anderes gesundes Gewebe. Damit lässt sich die erzielte Gesamtdosis innerhalb des Tumors "modulieren", also verändern.5

Die IMRT ist unter anderem bei Prostatakrebs, Hirntumoren, Tumoren im Kopf-Halsbereich (Mund, Rachen, Hals) sowie bei Tumoren des Verdauungstrakts und im Genitalbereich einsetzbar.1,5

Bei der stereotaktischen Bestrahlung setzen die Strahlentherapeuten die Strahlung wie ein Skalpell ein: Tumore werden präzise mit hohen Energiedosen zerstört, so dass das Ergebnis mit einem chirurgischen Eingriff vergleichbar ist.1,5 Deswegen wird dieses Verfahren auch Strahlenchirurgie oder „Gamma Knife-" und "Cyber-Knife-Technik" genannt.

Um höchste Genauigkeit bei der Bestrahlung zu erreichen, muss der zu bestrahlende Bereich, beispielsweise der Kopf des Patienten, fixiert werden.5 Das wird mit dem Begriff "stereotaktisch" bezeichnet.

Typisches Anwendungsgebiet der stereotaktischen Bestrahlung sind Hirntumore.5 Seltener kommen auch Tumore außerhalb des Schädels für die Behandlung infrage, etwa Patienten mit bestimmten Formen von Leber- oder Lungentumoren.

Bei der Ionentherapie (Protonen-, Schwerionenbestrahlung) erfolgt die Bestrahlung mit Protonen oder anderen schweren Ionen, also mit geladenen Teilchen.1,5

Diese geben ihre Strahlenenergie erst dann frei, wenn sie beim Durchdringen des Gewebes abgebremst werden und eine geringere Geschwindigkeit erreichen.1 Damit lässt sich die Hauptdosis gezielt auf den Tumor steuern, und das umgebende Gewebe wird geschont.

Die Ionentherapie wird für die Bestrahlung von Tumoren eingesetzt, die gegen eine herkömmliche Strahlentherapie eher unempfindlich sind, z. B. bei Tumoren der Schädelbasis oder Tumoren der Speicheldrüsen.1

Bei der intraoperativen Radiotherapie (IORT) wird der Tumor während einer Operation direkt bestrahlt.1,5 Die Chirurgen haben schon die Tumormasse entfernt und dazu das zu bestrahlende Gewebe freigelegt.

Infrage kommt die IORT zum Beispiel bei Bestrahlungen im Bauchraum, weil sich so umliegende Organe besser schützen lassen.1,5

Auch bei Brustkrebs im Rahmen der brusterhaltenden Behandlung kann die intraoperative Bestrahlung eingesetzt werden, um die Dauer der Bestrahlung durch die Haut zu reduzieren.1

Bei der Bestrahlung von innen werden strahlende Substanzen direkt in den Tumor oder zumindest in eine Körperhöhle in seiner Nähe eingelegt.5

Diese Form der Strahlentherapie wird auch als Brachytherapie bezeichnet (griech. „brachy“: kurz), denn die Strahlung hat nur eine sehr kurze Reichweite von wenigen Millimetern.1

Häufig werden dazu so genannte Seeds verwendet.5 Seeds sind winzige radioaktive Metallteilchen, die der Arzt über Hohlnadeln direkt in den Tumor einführt. Das Tumorgewebe kann bei dieser Methode mit einer hohen Dosis bestrahlt werden, ohne dass das gesunde Gewebe zu sehr geschädigt wird.1

Die Strahlung der Seeds hat eine Reichweite von nur wenigen Millimetern, und ihre Halbwertzeit ist kurz.5 Ist die Strahlung abgeklungen, können die Seeds gefahrlos im Körper verbleiben.

Geeignet ist die Bestrahlung von innen bei Gebärmutterhalskrebs, bei Prostatakrebs oder Kopf-Hals-Tumoren.1

Brachytherapie: Bestrahlung der Prostata bei Prostatakrebs

Brachytherapie: Bestrahlung der Prostata bei Prostatakrebs

Eine Sonderform der Bestrahlung von innen ist das sogenannte Afterloading.1,5 Strahlentherapeuten verwenden dafür stärkere Strahlungsquellen, die nur wenige Stunden im Körper verbleiben. Der Begriff "Afterloading" kommt aus dem Englischen und bedeutet "Nachladeverfahren".5

Der Tumor wird zunächst mit Schläuchen, Hohlröhren oder Hohlnadeln "gespickt", durch die die Strahlenquellen eingebracht und am Ende der Therapie wieder entfernt werden.1

Eingesetzt wird das Afterloading beispielsweise bei Enddarmkrebs oder bei Gebärmutterhalskrebs.1

Einer Strahlentherapie geht eine intensive und sorgfältige Planung voraus, um die Bestrahlung so wirksam gegen den Tumor und so schonend wie möglich für das umliegende gesunde Gewebe durchzuführen.1

Eine der Grundlagen der Bestrahlungsplanung ist die Aufnahme des zu bestrahlenden Körperabschnitts mit einer Computertomografie (CT).1

Die CT-Bilder werden in einen Bestrahlungsplanungs-Computer eingelesen, sodass sich das zu bestrahlende Körperareal millimetergenau festlegen lässt.1 Anschließend wird ein dreidimensionales Bild erstellt, und die jeweils günstigste Anordnung der Bestrahlungsfelder ermittelt. Dann wird in enger Zusammenarbeit mit Medizinphysikern die optimale Bestrahlungstechnik ermittelt und ein Bestrahlungsplan erstellt.6

Im nächsten Schritt erfolgt die CT-Simulation, sozusagen die "Generalprobe", bei der die im Bestrahlungsplan erstellte Anordnung der Bestrahlungsfelder exakt auf den Patienten übertragen werden.6 Der Simulator ist ein spezielles CT-Gerät, mit dessen Hilfe die Bestrahlung durchgespielt werden kann, ohne dass eine wirkliche Bestrahlung appliziert wird.

Um diese aufwendig ermittelten Einstellungen nicht bei jedem Bestrahlungstermin erneut vornehmen zu müssen, werden die errechneten Bestrahlungsfelder auf die Haut des Patienten mit einem wasserfesten Stift eingezeichnet.5,6 Diese Markierungen ermöglichen eine genau wiederholbare Einstellung bei jedem Bestrahlungstermin. Nach Abschluss der Simulation kann wenige Tage später mit der ersten Bestrahlung begonnen werden.

Die meisten strahlentherapeutischen Behandlungen erfordern heute keinen stationären Klinikaufenthalt.7 Der Patient kann zu Hause übernachten und kommt ambulant nur zur eigentlichen Therapie in die Klinik.

Die Bestrahlung selbst dauert nur einige Minuten.5 Die Patienten werden dabei kontinuierlich von einem Nebenraum aus überwacht.

Die technische Entwicklung der Strahlentherapie führte in den letzten Jahren zu Verminderung von bleibenden Spätfolgen der Therapie.1

Ob bei Patienten während oder nach einer Strahlentherapie akute Nebenwirkungen oder Spätfolgen auftreten, hängt vor allem von der Strahlendosis, der Empfindlichkeit der zu bestrahlenden Organe und der Größe des Bestrahlungsfeldes ab.7

Da die Strahlenbehandlung örtlich begrenzt ist, können akute Nebenwirkungen in der Regel meist im Bereich des Bestrahlungsfeldes vorübergehend auftreten.1,7 Dazu gehören vor allem:

  • Hautrötungen an den bestrahlten Körperregionen ähnlich wie bei einem Sonnenbrand
    • Hilfreich für die Zeit während und nach der Bestrahlung ist eine schonende Hautpflege. Vermieden werden sollten:8
      • Stark parfümierte Seifen
      • Parfüm auf dem bestrahlten Bereich
      • Warme oder heiße Umschläge
      • Infrarotbestrahlung
      • Höhensonne
      • Mechanische Reize durch Pflaster, Kratzen, Bürsten oder Frottieren
      • Enge Kleidungsstücke, vor allem aus Kunstfasern
  • Müdigkeit, Fieber und Appetitlosigkeit
  • Schleimhautentzündungen nach einer Strahlenbehandlung im Kopf-Hals-Bereich
  • Haarausfall nach einer Strahlenbehandlung des Kopfes

Mögliche Spätfolgen können insbesondere Hautverfärbungen oder Verhärtungen des Unterhautfettgewebes sein.1