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Chronisch myeloische Leukämie

4 min

Leukämien, umgangssprachlich oft als "Blutkrebs" bezeichnet, sind ein Sammelbegriff für bösartige Erkrankungen des blutbildenden Systems. Allen Leukämien ist das unkontrollierte Wachstum unreifer Blutzellen gemeinsam.

Erkrankung

In den meisten Fällen sind die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) bösartig vermehrt, daher leitet sich der Begriff "Leukämie" aus dem Griechischen ab und kann mit „Weißes Blut“ übersetzt werden.

Prinzipiell unterscheidet man Leukämien nach

  • Art des Verlaufs:
    • Akut: Plötzlich auftretend, lebensbedrohlich, führen unbehandelt innerhalb weniger Wochen und Monate zum Tod
    • Chronisch: Langsamerer, schleichender Verlauf; wird oft von den Betroffenen zunächst nicht bemerkt
  • der Zellreihe, von der die Leukämien ihren Ausgang nehmen:

Im Vergleich zu anderen Krebsarten wie Brustkrebs oder Dickdarmkrebs sind Leukämien vergleichsweise selten.  In Deutschland erkranken etwa 13.950 Menschen jährlich neu an einer Leukämie.

Etwa 15% Prozent der Patienten sind von einer chronischen myeloischen Leukämie (CML) betroffen, etwa doppelt so viele Patienten erkranken an einer chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) und ca. 50% an den akuten Formen akute lymphatische Leukämie (ALL) und akute myeloische Leukämie (AML).

Die folgenden Kapitel beziehen sich auf die chronische myeloische Leukämie (CML).

Die CML kann prinzipiell alle Altersgruppen betreffen, die meisten Neuerkrankungen treten jedoch bei Erwachsenen zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr auf.

Männer erkranken etwas häufiger als Frauen.

Blutzellen und Blutbildung

Alle Blutzellen entwickeln sich im Knochenmark aus gemeinsamen Vorläuferzellen, den so genannten blutbildenden Stammzellen.

Die blutbildenden Stammzellen im Knochenmark teilen sich und entwickeln sich zu einer myeloischen und einer lymphatischen Blutzellreihe:

  • Aus Stammzellen der myeloischen Zellreihe entwickeln sich über mehrere Zwischenstufen
  • Aus Stammzellen der lymphatischen Zellreihe entwickeln sich über mehrere Zwischenstufen
    • Lymphozyten, eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen (Leukozyten)

Ursachen und Risikofaktoren

Bei der chronischen myeloischen Leukämie (CML) kommt es zu einer unkontrollierten Vermehrung der Granulozyten. Ausgangspunkt dafür ist die Entartung einer Blutstammzelle in der myeloischen Zellreihe.

Granulozyten sind eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und übernehmen wichtige Funktionen in der körpereigenen Abwehr (Immunsystem).

Bei nahezu allen CML-Patienten lässt sich eine bestimmte genetische Veränderung nachweisen, die ursächlich an der Entstehung der Erkrankung beteiligt ist.

Dieser für die CML typische Gendefekt ist das Auftreten des so genannten Philadelphia-Chromosoms im Erbgut der Stammzellen der myeloischen Zellreihe.

Das Philadelphia-Chromosom entsteht durch einen fehlerhaften Austausch von Chromosomenstücken (Translokation).  Dabei brechen Teile vom Chromosom 22 und Chromosom 9 ab und verbinden sich. Dieses neu entstandene Chromosom wird Philadelphia-Chromosom genannt.

Die an der Bruchstellen gelegenen Erbinformationen (Gene) werden dabei ebenfalls zerteilt und jeweils mit der Hälfte der anderen zerbrochenen Erbinformation wieder verbunden.

Dadurch entsteht das veränderte Gen BCR-ABL, unter dessen Einfluss es zur Bildung eines fehlerhaften Eiweißstoffes kommt, dem so genannten BCR-ABL aus der Gruppe der Tyrosinkinasen.  BCR-ABL setzt die normalen Mechanismen der Zellteilung und Reifung der betroffenen Blutzellen außer Kraft.

Infolgedessen kommt es zu einer unkontrollierten Vermehrung der Stammzellen der myeloischen Zellreihe und der unreifen Vorstufen (myeloische Blasten) im Knochenmark, die im Verlauf ins Blut übertreten; es entwickelt sich eine CML.

Bisher ist noch weitgehend unbekannt, wie es zu dem Gendefekt bei Patienten mit CML kommt. Als mögliche Risikofaktoren gelten vor allem:

  • Ionisierende Strahlung (Röntgen- oder radioaktive Strahlung)
  • Chemische Stoffe wie Insektenbekämpfungsmittel und Pflanzenschutzmittel
  • Manche Medikamente wie bestimmte Zytostatika ("Zellteilungs-Hemmer"), die im Rahmen einer Chemotherapie gegeben werden, sowie Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems (Immunsuppressiva)

Krankheitsverlauf und Symptome

Der Krankheitsverkauf der chronischen myeloischen Leukämie (CML) kann in drei Phasen eingeteilt werden:

  • Chronische Phase
  • Akzelerierte Phase
  • Blastenkrise

Symptome in der chronischen Phase

Die Symptome einer CML entwickeln sich in der Regel langsam und schleichend.

Die Erkrankung kann daher über Jahre bestehen, ohne dass sich beim Betroffenen ein Krankheitsgefühl oder sichtbare Krankheitszeichen einstellen.

Meist wird die Diagnose einer CML in der chronischen Phase gestellt, nicht selten als Zufallsbefund bei einer Blutbilduntersuchung, die aus anderen Gründen erfolgte.

Krankheitszeichen in dieser Phase können auch sein:

  • Zu wenige rote Blutkörperchen (Erythrozyten) mit der Folge einer Blutarmut (Anämie) mit Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kurzatmigkeit
  • Gewichtsverlust
  • Fieber, ohne dass eine Infektion vorliegt
  • Nachtschweiß
  • Bei fortgeschrittener Erkrankung:
    • Druckgefühl im linken Oberbauch durch Vergrößerung der Milz
    • Depressive Verstimmung

Symptome in der akzelerierten Phase

In der akzelerierten Phase schreitet die Erkrankung fort und es kommt einer Verschlechterung des Blutbildes:

Symptome in der Blastenkrise

Die Blasenkrise ähnelt im Verlauf einer akuten Leukämie, denn im Knochenmark werden immer mehr Blasten gebildet. Diese veränderten Vorläuferzellen sind funktionsuntüchtig und verdrängen zudem im Knochenmark gesunde Blutzellen.

Dadurch kann die Zahl funktionsfähiger weißer Blutkörperchen (Leukozyten), roter Blutkörperchen (Erythrozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten) sinken.  Die Folgen sind Infektanfälligkeit, Blutarmut und Blutungsneigung.

Die Blastenkrise ist eine schwere Erkrankung, die unbehandelt innerhalb weniger Wochen zum Tode führt.

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