Indikationen Onkologie

Prostatakrebs

Erkrankung

Prostatakrebs (Prostatakarzinom) ist in Deutschland nach wie vor die häufigste Krebserkrankung des Mannes, im Jahr 2010 erkrankten knapp 64.000 Männer.1 Drei von vier Tumore werden in einem frühen Stadium diagnostiziert. Mit einem Anteil von rund 10% Prozent steht Prostatakrebs nach Lungen- und Darmkrebs an dritter Stelle bei den zum Tode führenden Krebserkrankungen des Mannes.1

Die Prostata (Vorsteherdrüse) ist ein drüsiges, kastaniengroßes Organ. Die Prostata umschließt die Harnröhre (Urethra) unmittelbar nach ihrem Austritt aus der Harnblase und bildet ein Sekret zur Verflüssigung der Samenflüssigkeit.

Anatomie gesunde Prostata/Veränderung bei Prostatakrebs

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen von Prostatakrebs sind noch weitgehend ungeklärt.

Das Lebensalter ist der wichtigste Risikofaktor:2 Bei unter 40-jährigen kommt Prostatakrebs fast nicht vor, das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 69 Jahren.3

Wichtig ist zudem eine familiäre Vorbelastung. Männer, deren Brüder und/oder Väter erkrankt sind, haben ein über das zweifache erhöhtes Risiko, ebenfalls Prostatakrebs zu entwickeln.2

Symptome

Prostatakrebs wächst in vielen Fällen sehr langsam. Daher macht die Erkrankung in frühen Stadien meist keine Symptome.4,5

Erst in einem fortgeschrittenen Stadium können vor allem die folgenden Beschwerden auftreten:4,5

  • Beschwerden beim Wasserlassen (Miktionsstörungen)
  • Blutbeimengung im Urin und/oder in der Samenflüssigkeit
  • Knochenschmerzen (v. a. Kreuzschmerzen bei Wirbelsäulen-Metastasen)

Diagnose

Zur Bestätigung eines Verdachts auf ein Prostatakarzinom wird meist folgende Diagnostik durchgeführt:6

  • Entnahme von Gewebeproben (Biopsien) unter Ultraschallkontrolle (TRUS)6
    • Wenn die Tastuntersuchung oder der PSA-Wert einen hinreichenden Verdacht auf Prostatakrebs ergeben, werden über den transrektalen Ultraschall (TRUS) Gewebeproben (Biopsien) entnommen

Ergänzende Untersuchungen können unter anderem sein:

  • Tastuntersuchung der Prostata vom Enddarm aus (digital-rektale Untersuchung; DRU)6
  • Bestimmung des Prostata-spezifischen Antigens (PSA-Test) bei auffälligem Tastbefund6
    • PSA ist ein Eiweiß, das nur in der Prostata gebildet wird. Im Krebsgewebe ist es in zehnmal höher konzentriert als in der gesunden Prostata
    • PSA ist im Blut nachweisbar
    • Ein erhöhter PSA-Wert deutet auf eine Veränderung der Prostata hin. Eine mögliche Ursache hierfür kann Prostatakrebs sein
    • Bei ca. einem von vier Männern mit erhöhtem PSA-Wert wird durch die anschließende Entnahme der Gewebeprobe ein Karzinom nachgewiesen
  • Transrektaler Ultraschall (TRUS)6
    • Ergänzend zur Tastuntersuchung kann über den Enddarm (Rektum) eine Ultraschalluntersuchung der Prostata durchgeführt werden (transrektaler Ultraschall; TRUS)
  • Ausbreitungsdiagnostik (Staging)
    • Um die Größe des Tumors sowie eine eventuelle Ausbreitung im Körper nachzuweisen, folgen verschiedene weitere Untersuchungen (Ausbreitungsdiagnostik, Staging). Nach deren Ergebnis wird die Erkrankung in Stadien eingeteilt (TNM-Klassifikation)
    • Aus dem Tumor können Krebszellen über die Blut- und Lymphbahnen in andere Organe streuen und dort Tochtergeschwülste bilden (Fernmetastasen). Bei Prostatakrebs kann es zu Fernmetastasen vor allem in den Knochen kommen

Therapie

Die Behandlung von Prostatakrebs richtet sich danach, in welchem Stadium die Erkrankung entdeckt wurde.

Die operative vollständige Entfernung der Prostata und damit des Tumors (radikale Prostatektomie; RPE) verfolgt bei Patienten mit Prostatakrebs das Ziel der Heilung. 7

Bei dem Eingriff wird die gesamte Prostata einschließlich der Samenbläschen und der Endstücke der Samenleiter entfernt. 7 Bei größeren Tumoren werden zudem auch die benachbarten Lymphknoten entfernt.

Trotz moderner, verbesserter Operationstechniken und -verfahren kann es nach dem Eingriff zu Folgeschäden kommen. Dazu gehören vor allem: 7

  • Unfreiwilliger Urinverlust (Harninkontinenz)
  • Beeinträchtigung der Erektion (erektile Dysfunktion)

Mehr zu den allgemeinen Prinzipien einer operativen Therapie in der Onkologie erfahren Sie unter "Operation".

In frühen Stadien, in denen der Tumor auf die Prostata begrenzt ist und noch nicht in andere Organe gestreut hat, ist die Strahlentherapie eine Alternative zur Operation und verfolgt ebenfalls das Ziel der Heilung.8

Das Verfahren, für das bei Prostatakrebs die meisten Erfahrungen vorliegen, ist die so genannte perkutane Bestrahlung.8 Dabei wird der Tumor von außen durch die Haut (perkutan) zielgenau bestrahlt.

In bestimmten Fällen kann alternativ auch eine Bestrahlung von innen, medizinisch Brachytherapie genannt, eingesetzt werden.8 Dabei werden winzige radioaktive Metallstäbchen in die Prostata eingebracht.

In späten Stadien, wenn Tochtergeschwülste (Fernmetastasen) festgestellt wurden, kann die Bestrahlung zur Linderung der Beschwerden durch Knochenmetastasen verwendet werden.8

Mehr zu den allgemeinen Prinzipien der Bestrahlung in der Onkologie erfahren Sie unter "Strahlentherapie".

Das männliche Geschlechtshormon Testosteron ist dafür verantwortlich, dass Prostatazellen schneller wachsen und sich vermehren; das gilt auch für Prostatakrebszellen.9 Wird der Testosteronspiegel gesenkt, verlangsamt sich das Wachstum der Krebszellen.

Daher ist für Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs die Anti-Hormontherapie (auch Hormonentzugs-Therapie, chemische Kastration, Hormon-ablative Therapie genannt) mit Medikamenten angezeigt.9

Die Anti-Hormontherapie kann als Tablette oder Injektion gegeben werden und wirkt systemisch , also im ganzen Körper.

Für die herkömmliche Anti-Hormontherapie stehen die folgenden Medikamente zur Verfügung: 9

Im Verlauf der Hormonentzugs-Therapie können die Tumorzellen in der Prostata verschiedene Mechanismen entwickeln, die zur Unwirksamkeit der Anti-Hormontherapie führen. Man spricht in diesem Stadium von Kastrastions-Resistenz oder einem Hormon-refraktären Tumor.10

In dieser Situation können als nächster Behandlungsschritt die folgenden Therapien eingesetzt werden: 10

  • Medikamente der zweiten Generation zur Anti-Hormontherapie (Wirkstoffe Abirateron und Enzalutamid, die als Tablette bzw. Weichkapsel oral eingenommen werden)
  • Chemotherapie

Mehr Informationen zu den allgemeinen Prinzipien der Anti-Hormontherapie sowie den typischen Nebenwirkungen erhalten Sie unter "Anti-Hormontherapie".

Bei einer Chemotherapie werden sogenannte Zytostatika ("Zellteilungs-Hemmer") eingesetzt. Das sind Medikamente, die die Zellteilung hemmen. Da sich Krebszellen besonders schnell teilen, gehören Zytostatika zu den Grundsäulen der Tumortherapie.

Als besonders wirksam bei fortgeschrittenem Prostatakrebs haben sich Zytostatika aus der Gruppe der Taxane (Doxetacel) erwiesen.11 Diese werden intravenös als Infusion verabreicht.

Bitte lesen Sie "Chemotherapie", wenn Sie mehr Informationen zu den Prinzipien der Chemotherapie lesen möchten.

Im fortgeschrittenen Stadium von Prostatakrebs kommt es häufig zu Tochtergeschwülsten (Metastasen) in den Knochen, vor allem in den Wirbeln, im Becken und im Brustkorb.12

Knochenmetastasen können den Knochen zerstören und damit starke Schmerzen verursachen. Zudem kann es zu Knochenbrüchen kommen.

Hilfreich ist hier eine Behandlung mit Bisphosphonaten, die den Knochenabbau hemmen und so vor weiterer Zerstörung durch Knochenmetastasen schützen. Das Risiko für Knochenbrüche wird gehemmt und Schmerzen gelindert. Bisphosphonate können als Infusion in eine Vene gegeben oder als Tablette eingenommen werden.

Eine weitere Möglichkeit des Knochenschutzes ist die Behandlung mit dem Antikörper Denosumab, der alle vier Wochen subkutan verabreicht wird.

Mehr zur Therapie mit Bisphosphonaten und Denosumab erfahren Sie unter "Supportive Therapie — Schmerztherapie".