Indikationen Onkologie

Lungenkrebs

Erkrankung

Pro Jahr erkranken in Deutschland rund 18.000 Frauen und 35.000 Männer neu an Lungenkrebs (Bronchialkarzinom).1 Lungenkrebs steht damit bei Frauen an 3. und bei Männern an 2. Stelle der Krebserkrankungen in Deutschland. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 69 Jahren.

Seit Ende der 1990er Jahre erkranken immer weniger Männer neu an Lungenkrebs, während die Zahlen bei Frauen kontinuierlich ansteigen.1 Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass immer mehr Frauen rauchen.

Lungenkrebs gehört zu den Tumorarten mit einer ungünstigen Prognose: Die relative 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei 16% bei Männern und 21% bei Frauen.1

Mit einem Anteil von 25% ist die Erkrankung weiterhin mit Abstand die häufigste Krebstodesursache bei Männern und die zweithäufigste bei Frauen (15%) nach Brustkrebs.

Nach dem Erscheinungsbild des Tumorgewebes bei der mikroskopischen Untersuchung des Gewebes (Histologie) werden zwei Hauptformen von Lungenkrebs unterschieden:2

  • Eine nicht-kleinzellige Form, die mit ca. 85% am häufigsten vorkommt. Nach der englischen Bezeichnung wird diese Form auch NSCLC abgekürzt ("non small cell lung cancer" = nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom)
  • Eine kleinzellige Form, die besonders schnell wächst und ca. 15% aller Lungenkrebsfälle ausmacht. Nach der englischen Bezeichnung wird diese Form auch SCLC abgekürzt ("small cell lung cancer" = kleinzelliges Bronchialkarzinom)

In diesem Kapitel wird nur das NSCLC als die häufigste Form von Lungenkrebs besprochen.

Ursachen und Risikofaktoren

  • Tabakrauch

    Tabakrauch ist der mit Abstand bedeutendste Risikofaktor für die Entwicklung von Lungenkrebs.1,2,3,4 Insgesamt sind in Europa ca. 85% der Lungenkrebstodesfälle auf das Rauchen zurückzuführen.4

    Dabei gilt, je länger und je mehr geraucht wurde, desto größer ist das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken.4

  • Passivrauchen

    Da im Nebenstromrauch auch noch eine Vielzahl von Schadstoffen enthalten ist, sind auch Passivraucher gefährdet. So ergibt eine Analyse ein etwa 24% höheres Lungenkrebsrisiko für Frauen, die jemals einer Passivrauchexposition durch den Partner ausgesetzt waren, im Vergleich zu solchen, die nie exponiert waren. Für Männer liegt der Risikoschätzer bei 37%.4

  • Weitere Risikofaktoren

    Andere Risikofaktoren spielen eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.1,5,6 Dazu gehören eine Belastung durch das Einatmen von schädlichen Substanzen wie Asbest, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe sowie Quarz- und Nickelstäube.

    Von den Luftschadstoffen sind vor allem Dieselabgase sowie eine allgemeine Feinstaubbelastung von Bedeutung.1,5,6

    In Gegenden mit einer hohen Radonbelastung kann dies auch zu einem erhöhten Lungenkrebsrisiko führen.1,5,6 Radon kommt natürlicherweise in Gegenden mit hohem Uran- oder Thoriumgehalt im Boden vor. Durch Übertritt des Radongases aus dem Gestein kann es zu erheblichen Konzentrationen in Innenräumen (vor allem im Keller und Erdgeschoss) kommen.5

Symptome

Bei Lungenkrebs gibt es im Frühstadium keine typischen Beschwerden. Warnzeichen können sein:7

  • Neu aufgetretener Husten oder die Verschlimmerung eines bereits bestehenden, länger andauernden (= chronischen) Husten
  • Luftnot (Dyspnoe)
  • Brustschmerzen
  • Auswurf mit Blutbeimengungen

Diagnose

Die Diagnose von Lungenkrebs beruht auf diesen Untersuchungen:8,9

  • Bildgebende Verfahren
    • Röntgen-Untersuchung des Brustkorbs (Thorax)
    • Computer-Tomographie (CT) mit Kontrastmittel
  • Spiegelung der Lunge (Bronchoskopie) mit Entnahme von Gewebeproben (Biopsie)
    • Dabei wird über den Mund ein biegsamer Schlauch (Bronchoskop) in die Atemwege eingeführt. Eine kleine Kamera am Schlauchende sendet Bilder aus dem Lungeninneren an einen Monitor. Von verdächtigen Stellen können Gewebeproben (Biopsien) entnommen werden. Diese Gewebeproben werden vom Pathologen unter dem Mikroskop untersucht. Diese Untersuchung nennt man Histologie oder histologische Untersuchung
  • Ausbreitungsdiagnostik (Staging)
    • Wenn die Diagnose Lungenkrebs feststeht, wird festgestellt, ob und wenn ja, wie weit sich der Tumor im Körper ausgebreitet hat. Die Beschreibung der Ausbreitung des Tumors erfolgt mit Hilfe der sogenannten TNM-Klassifikation
    • Aus dem Tumor können Krebszellen über die Blut- und Lymphbahnen in andere Organe wandern und dort Tochtergeschwülste bilden (Fernmetastasen). Am häufigsten kommt es bei Lungenkrebs zu Fernmetastasen in den Knochen, gefolgt von Leber und Gehirn.8
Röntgen-Thorax-Befund bei Lungenkrebs

Therapie

Die Behandlung des nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC) richtet sich nach dem Stadium, also der Tumorgröße und der Ausbreitung in die Lymphknoten und/oder dem Vorhandensein von Tochtergeschwülsten in anderen Organen (Fernmetastasen).

Die folgenden Therapieoptionen können eingesetzt werden:

Bei der Operation des nicht-kleinzelligen Lungenkrebses werden der Tumor und die befallenen Lymphknoten möglichst vollständig entfernt (R0-Resektion).10,11

Voraussetzung für die Operation sind ein guter Allgemeinzustand des Patienten und eine gute Lungenfunktion.

Mehr zu den allgemeinen Prinzipien einer operativen Therapie in der Onkologie erfahren Sie unter "Operation".

Die Strahlentherapie (Radiotherapie) wird bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) in den folgenden Situationen eingesetzt:10

  • Wenn eine Operation nicht in Frage kommt
  • Im Anschluss an eine Operation (adjuvante Strahlentherapie), um eventuell verbliebene Krebszellen zu vernichten
  • In fortgeschrittenen Stadien
  • Bei der Behandlung von Tochtergeschwülsten (Metastasen), vor allem im Knochen und/oder im Gehirn

Die Bestrahlung erfolgt meist von außen durch die Haut (perkutan).

Oft wird die Strahlentherapie auch in Kombination mit einer Chemotherapie eingesetzt (Radio-Chemotherapie).

Mehr zu den allgemeinen Prinzipien der Bestrahlung in der Onkologie erfahren Sie unter "Strahlentherapie".

Für Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) im fortgeschrittenen Stadium kommt nach der Operation eine unterstützende (adjuvante) Chemotherapie zum Einsatz, wenn möglich in Kombination mit einer Strahlentherapie (Radio-Chemotherapie).10

Eine Chemotherapie umfasst die Behandlung mit Medikamenten, die sich schnell teilende Zellen und damit auch Tumorzellen zerstören. Diese Medikamente werden Zytostatika ("Zellteilungs-Hemmer") genannt. Die Chemotherapie ist eine systemische Behandlung, mit der eventuell in den Körper gestreute Tumorzellen bekämpft werden sollen.

Häufig wird für die Behandlung des NSCLC eine Platin-basierte Chemotherapie eingesetzt.10

Wenn Sie mehr zu den allgemeinen Prinzipien der Chemotherapie sowie den typischen Nebenwirkungen und ihrem Management erfahren möchten, gehen Sie bitte zu "Chemotherapie".

Bestimmte biologische Eigenschaften in den Tumorzellen können als Angriffspunkte für so genannte zielgerichtete Therapien (engl. "Targeted therapies") dienen.

Bei Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) gibt es verschiedene Angriffspunkte der zielgerichteten Therapie:12,13

Mehr zu den allgemeinen Prinzipien der zielgerichteten Therapien, den typischen Nebenwirkungen und ihrem Management erfahren Sie unter "Zielgerichtete Therapien".

Das Therapieprinzip der Immunonkologie besteht darin, die Fähigkeiten des körpereigenen Immunsystems zu nutzen, um Krebszellen anzugreifen und zu zerstören.14

Eine Möglichkeit der immunonkologischen Therapie bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) sind sogenannte Checkpoint-Inhibitoren wie PD-1-Hemmer. Dadurch wird die körpereigene Abwehr wieder „scharf geschaltet", und die Tumorzellen können zerstört werden.14

Unter "Immunonkologie" lesen Sie mehr zu den allgemeinen Prinzipien der Immunonkologie und den verschiedenen Formen.