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Beta-Thalassämie

4 min

Die Beta-Thalassämie ist eine genetisch bedingte Erkrankung, die zu der Gruppe der sogenannten Hämoglobinopathien gehört.

Erkrankung

Thalassämien sind Erkrankungen, bei denen die Bildung von Hämoglobin aufgrund einer ganz oder teilweise fehlerhaften Produktion von Globinketten gestört ist. Je nachdem, welche Globinketten betroffen sind, unterscheidet man z. B. die Alpha- und die Beta-Thalassämie. Je nach Schwere der Erkrankung unterscheidet man bei der Beta-Thalassämie zudem eine leichte (minor), mittlere (intermedia) und schwere (major) Form der Erkrankung.
Die Beta-Thalassämie ist weltweit die häufigste erbliche monogenetische Erkrankung. Bei Menschen mit genetischen Wurzeln in Mittelmeerländern, dem Nahen und Mittleren Osten, auf dem indischen Subkontinent, in Südostasien und Afrika ist die Zahl der Anlageträger mit 5 bis 30 % deutlich höher als bei Menschen mit einem anderen genetischen Hintergrund (z. B. 0,01 % bei deutschstämmigen Menschen).  Als historische Ursache dieser Verteilung gilt, dass leichte Formen einer Thalassämie in Malariaregionen möglicherweise einen gewissen gesundheitlichen Vorteil darstellen.
Aufgrund zunehmender Globalisierung ist auch in Mitteleuropa die Anzahl der Betroffenen in den letzten Jahrzehnten deutlich angestiegen.

Die Vererbung erfolgt über Gene auf nicht geschlechtsbestimmenden Chromosomen (Autosomen), was bedeutet, dass Frauen und Männer gleich oft betroffen sind.

Ursachen und Risikofaktoren

Ursache der Beta-Thalassämie ist eine ererbte Mutation im Beta-Globingen (HBB-Gen).

Man hat bisher über 260 unterschiedliche Genmutationen gefunden, die eine Beta-Thalassämie hervorrufen können.  Die Mutationen werden in drei Gruppen unterteilt. Diese gliedern sich danach, wie schwer sie die Produktion der Beta-Globinketten stören:

  • β0: inaktives HBB-Gen; keine Produktion von Beta-Globinketten
  • β+: geringe Restaktivität des HBB-Gens (zwischen 5 und 10 %); deutlich verringerte Produktion von Beta-Globinketten
  • β++: mäßige Restaktivität des HBB-Gens (≥ 10 %); moderat verringerte Produktion von Beta-Globinketten

Autosomale-rezessive Vererbung der Beta-Thalassämie

Das HBB-Gen liegt auf einem Autosom. Das bedeutet, dass bei der Vererbung sowohl Vater als auch Mutter eine Kopie des Gens an ihre Nachkommen weitergeben. Das HBB-Gen wird rezessiv vererbt. Das bedeutet: Falls ein Mensch neben einem kranken auch ein gesundes Allel des HBB-Gens in sich trägt, sind die Krankheitsanzeichen oft nur leicht oder gar nicht vorhanden. Man bezeichnet diese Menschen als Anlageträger, da sie an ihre Nachkommen die Anlage für eine Beta-Thalassämie weitergeben können.

Falls zwei Menschen, die beide Anlageträger sind, Nachkommen zeugen, besteht eine Wahrscheinlichkeit von 25 %, dass ein Kind beide mutierten Gene erhält. Ein solches Kind ist von Beta-Thalassämie betroffen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind je ein gesundes und ein mutiertes Gen erhält und somit selbst Anlageträger wird, liegt bei 50 %. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind zwei gesunde Kopien des Gens erhält, liegt bei 25 %. Diese Kinder sind vollkommen gesund und geben auch keine Anlage für eine Beta-Thalassämie an ihre eigenen Nachkommen weiter.

Ausprägung der Beta-Thalassämie

Da jeder Mensch zwei Kopien des HBB-Gens besitzt, entwickeln sich die verschiedenen Ausprägungen der Erkrankung in Abhängigkeit davon, welche Varianten des Gens vorliegen. Neben dem Vorliegen von zwei gesunden Kopien des Gens (β) können auch eine gesunde und eine mutierte Version oder zwei mutierte Versionen vorliegen. Die nachfolgende Tabelle zeigt, wie diese verschiedenen Gen-Kombinationen (Genotypen) klassifiziert werden und sich äußerlich im Gesundheitszustand zeigen (Phänotyp). Bei der genetischen Klassifizierung wird dabei zwischen homozygotenheterozygoten und compound-heterozygoten Formen der Erkrankung unterschieden. Dabei ist zu beachten, dass zusätzliche Mutationen die Ausprägung der Erkrankung noch verstärken oder abschwächen können.

Klassifikation der Beta-Thalassämie

Da über 260 verschiedene krankheitsauslösende Mutationen des HBB-Gens bekannt sind, nutzt man im medizinischen Alltag zur Einteilung der Erkrankung ein vereinfachtes System, das auf der Schwere der Symptome beruht.

Verlaufsformen der Beta-Thalassämie

  • Beta-Thalassaemia minor: leichteste, oft symptomfreie Form, Trägerstatus
  • Beta-Thalassaemia intermedia: mittelschwere bis schwere Form
  • Beta-Thalassaemia major: schwere Form mit regelmäßiger Transfusionsnotwendigkeit

Insbesondere bei Menschen mit Beta-Thalassaemia intermedia kann es passieren, dass sich im Laufe der Erkrankung doch der Bedarf nach regelmäßigen Bluttransfusionen entwickelt. Daher hat sich zusätzlich eine weitere Einteilung anhand dieses Kriteriums entwickelt:

  • Nicht transfusionsabhängige Thalassämie (NTDT = non-transfusion-dependent thalassemia): bei Thalassaemia minor und moderater Thalassaemia intermedia
  • Transfusionsabhängige Thalassämie (TDT = transfusion-dependent thalassemia): bei schwerer Thalassaemia intermedia und Thalassaemia major

Symptome

Welche Symptome bei den Betroffenen vorliegen, hängt von der Verlaufsform der Erkrankung ab.

Zu den typischen Symptomen einer Beta-Thalassämie gehören:

Neben den Symptomen, die direkt von der Erkrankung verursacht werden, entsteht oft infolge der Thalassämie eine Eisenüberladung (Hämochromatose). Diese beruht auf einer anämiebedingten erhöhten Eisenaufnahme im Darm der Erkrankten. Außerdem wird die Eisenmenge im Blut erhöht, wenn die Betroffenen eine Transfusionstherapie erhalten.
Welche Symptome bei den einzelnen Betroffenen auftreten und wie schwer diese ausgeprägt sind, hängt davon ab, welche Verlaufsform der Beta-Thalassämie bei ihnen vorliegt.

Beta-Thalassaemie Minor

Die Betroffenen haben meist keine oder nur leichte Symptome. Bei mikroskopischer Untersuchung des Blutes ist oft erkennbar, dass ihre Erythrozyten kleiner und blasser sind als normal. Teils treten leichte Symptome einer Anämie wie Abgeschlagenheit oder Kopfschmerzen auf. Insbesondere in körperlichen Wachstumsphasen oder in der Schwangerschaft können die Beschwerden stärker werden (z. B. in Form einer Schwangerschaftsanämie).

Beta-Thalassaemia Intermedia

Bei dieser Form der Beta-Thalassämie ist das Erscheinungsbild der Erkrankung sehr vielfältig. Bei Betroffenen mit einer milden Form der Thalassaemia intermedia zeigen sich die typischen Symptome oft erst im Erwachsenenalter. Bei den schwereren Formen treten die Symptome der Anämie jedoch bereits im Kindesalter, etwa zwischen 2 und 6 Jahren, auf.

In vielen Fällen der Thalassaemia intermedia besteht zunächst keine Notwendigkeit einer Transfusionstherapie. Mit der Verstärkung der Symptome im Laufe der Zeit muss diese dann jedoch oft eingeleitet werden.

Beta-Thlassaemia Major

Dies ist die schwerste Form der Beta-Thalassämie. Ihre Symptome machen sich bei den Betroffenen schon wenige Monate nach der Geburt bemerkbar. Diese Personen sind in der Regel lebenslang auf Bluttransfusionen angewiesen.

Animationen und Videos

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