Indikationen Onkologie

Hodenkrebs

Erkrankung

In Deutschland erkrankten im Jahr 2012 ca. 4.020 Männer neu an Hodenkrebs.1

Mit einem Anteil von 1,6% an allen Krebserkrankungen bei Männern gehört Hodenkrebs damit zu den selteneren Tumorarten.

Weltweit und auch in Deutschland ist in den letzten Jahren eine Zunahme der Neuerkrankungen zu verzeichnen. Die Ursache dafür ist noch nicht geklärt.1,2,3

In den meisten Fällen sind Männer zwischen 25 und 45 Jahren betroffen, in dieser Altersgruppe ist Hodenkrebs der häufigste bösartige Tumor.1 Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 38 Jahren.

Die Heilungschancen sind gut, die relativen 5-Jahres-Überlebensraten liegen bei 96%.1

In den meisten Fällen entwickelt sich Hodenkrebs aus den Keimzellen (Keimzelltumoren),1 den Vorläuferzellen der Samenzellen.

Je nach Keimzelltyp werden feingeweblich (histologisch) Seminome (ca. 2/3 aller Hodentumore)1 von Nicht-Seminomen (Mischtumore) unterschieden. Dies ist wichtig, da die Behandlung unterschiedlich ist. Meist tritt der Tumor nur in einem Hoden auf.1

Ursachen und Risikofaktoren

Die folgenden Faktoren können das Risiko für die Entwicklung von Hodenkrebs erhöhen:1,4,5,6

  • Angeborener Hodenhochstand, auch wenn dieser behandelt wurde
  • Fehlanlage der Harnröhrenmündung (Hypospadie)
  • Bereits vorherige Erkrankung an Hodenkrebs im anderen Hoden oder eine Krebs-Vorstufe
  • Fruchtbarkeitsstörung
  • Söhne bzw. Brüder eines an Hodenkrebs erkrankten Mannes haben ein erhöhtes Risiko.

Symptome

Warnzeichen für Hodenkrebs können vor allem die folgenden Beschwerden sein:6,7,8

  • Tastbare, schmerzlose Verhärtung im Hoden
  • Schwellung oder Schmerzen im Hodenbereich
  • Schweregefühl oder ein Ziehen im Hoden oder in der Leiste
  • Bei fortgeschrittener Erkrankung: Rückenschmerzen durch Vergrößerung der Lymphknoten im hinteren Bauchraum (retroperitoneal)

Diagnose

Bei Verdacht auf Hodenkrebs werden verschiedene Untersuchungen vorgenommen. Dazu gehören vor allem:6,9,10

  • Tastuntersuchung durch den Arzt
  • Ultraschall-Untersuchung (Sonographie) der Hoden

  • Blutuntersuchung mit Tumormarkern
    • So genannte Tumormarker sind meist Eiweißstoffe, die vom Tumor selbst oder vom Körper als Reaktion auf einen Tumor produziert werden.
    • Tumormarker lassen sich im Blut nachweisen und können bei bestimmten Krebserkrankungen erhöht sein.
    • Allerdings sind Tumormarker nicht spezifisch für bestimmte Tumorerkrankungen und können auch bei anderen Veränderungen im Körper wie beispielsweise einer Entzündung erhöht sein.
    • Umgekehrt schließen nicht erhöhte Tumormarker eine Tumorerkrankung nicht aus.
    • Bei Verdacht auf Hodenkrebs werden in der Regel die folgenden Tumormarker bestimmt:
      • Humanes Choriongonadotropin (β-HCG)
      • Alpha-Fetoprotein (AFP)
      • Laktatdehydrogenase (LDH)
  • Feingewebliche Untersuchung (Histologie)
    • Nur anhand der feingeweblichen (histologischen) Untersuchung kann mit Sicherheit festgestellt werden, ob der Befund wirklich bösartig ist
    • Daher ist die Operation Entnahme des Tumorgewebes und Untersuchung durch den Pathologen während der Operation (Schnellschnitt) für die Diagnose wichtig und zugleich auch der erste Schritt der Therapie.6,9,11
  • Ausbreitungsdiagnostik (Staging)
    • Aus dem Tumor können Krebszellen über die Blut- und Lymphbahnen in andere Organe wandern und dort Tochtergeschwülste bilden (Metastasen). Bei Hodenkrebs können vor allem Metastasen in den Lymphknoten des hinteren Bauchraums (retroperitoneal) sowie in der Lunge auftreten.12
    • Um die Größe sowie die räumliche Ausbreitung des Tumors im Körper festzustellen, folgen verschiedene weitere Untersuchungen. Nach deren Ergebnis wird die Erkrankung in Stadien eingeteilt (TNM-Klassifikation).
Darstellung Hodenkrebs im Ultraschall

Darstellung Hodenkrebs im Ultraschall
Dr. med. Dirk Manski, www.urologielehrbuch.de16

Therapie

Wenn sich durch die Diagnostik der Verdacht auf einen Hodentumor erhärtet hat, ist der erste Schritt der Behandlung die Operation.6,11,13

Die anschließende Therapie richtet sich sowohl nach der Art des Tumors (Seminom/Nicht-Seminom) sowie nach dem Stadium der Erkrankung.6,11,13 Als weitere Therapiemöglichkeiten stehen dabei die Strahlentherapie sowie die Chemotherapie und die aktive Überwachung zur Verfügung. Häufig können auch mehrere dieser Behandlungen miteinander kombiniert werden.

Bei der Operation wird unter Vollnarkose ein Schnitt in der Leiste vorgenommen und der betroffene Hoden frei gelegt und begutachtet.6,11

Bei Unklarheiten, ob es sich wirklich um einen bösartigen Tumor handelt, entnimmt der Operateur eine Gewebeprobe und schickt diese zur so genannten Schnellschnitt-Untersuchung zum Pathologen.6,11 Dieser untersucht das verdächtige Hodengewebe feingeweblich (histologisch) unter dem Mikroskop, um anschließend die endgültige Diagnose zu stellen. Wichtig ist dabei vor allem die Unterscheidung zwischen Seminom oder Nicht-Seminom, da sich danach die weitere Behandlung richtet.

Bei einem gesicherten bösartigen Befund wird der erkrankte Hoden zusammen mit dem Nebenhoden und dem Samenstrang entfernt (Orchiektomie)6,11,13 In der gleichen Operation wird aus dem gesunden Hoden der Gegenseite ebenfalls Gewebe entnommen und untersucht, da sich bei Hodenkrebs im Hoden der Gegenseite in manchen Fällen Krebsvorläuferzellen nachweisen lassen.

Wenn der Patient es wünscht, kann als Ersatz für den entfernten Hoden eine Hodenprothese in Form eines Silikonkissens eingesetzt werden.6,11,13

Sollte die Ausbreitungsdiagnostik befallene Lymphknoten im hinteren Bauchraum (retroperitoneal) ergeben haben, werden diese ebenfalls operativ entfernt (retroperitoneale Lymphadenektomie)6,11,13

Mehr zu den allgemeinen Grundlagen einer operativen Therapie in der Onkologie lesen Sie unter Krebstherapie "Operation".

Die sich an die Operation anschließende Therapie (adjuvant) wird sowohl nach der Art des Tumors (Seminom/Nicht-Seminom) sowie nach dem Stadium der Erkrankung ausgewählt.

  • Patienten mit Seminom14
  • Patienten mit Nicht-Seminom14
    • Frühes Stadium (I) ohne Lymphknoten- und Fernmetastasen und geringem Risiko für einen Rückfall (Rezidiv)
    • Stadium (II) mit Lymphknotenbefall, ohne Fernmetastasen und höhere Stadien mit Fernmetastasen:
      • 4 Zyklen Chemotherapie mit Bleomycin, Etoposid und Cisplatin (BEP-Schema)

Die Entfernung von einem tumorbefallenen Hoden durch die Operation führt in der Regel zu keiner Beeinträchtigung der Sexualität und Potenz.6,11,13,15

Auch können durch die Lymphknotenentfernung Nerven in ihrer Funktion gestört sein, die für den Samenerguss (Ejakulation) wichtig sind.15

Zudem schädigt eine eventuell durchgeführte Strahlentherapie oder Chemotherapie möglicherweise die Samenzellen.13

Daher wird betroffenen Patienten empfohlen, vor Einleitung der Behandlung Samenzellen einfrieren zu lassen (Kryokonservierung), die bei einem späteren Kinderwunsch wieder aufgetaut und verwendet werden können.6,11,13,15