Indikationen Onkologie

Speiseröhrenkrebs

Erkrankung

An Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom) erkrankten im Jahr 2013 in Deutschland 1.470 Frauen und 5.110 Männer.1 Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Männer bei 67 Jahren, für Frauen bei 71 Jahren.2

Da Speiseröhrenkrebs in einem frühen Stadium kaum Symptome verursacht, wird er meistens erst spät entdeckt. Daher hat die Erkrankung mit einer stadienunabhängigen 5-Jahres-Überlebensrate von 10 % bis 20 % in der Regel einen ungünstigen Verlauf (Prognose).3

Nach den feingeweblichen (histologischen) Merkmalen gibt es hauptsächlich zwei Formen von Speiseröhrenkrebs: Das Adenokarzinom, das sich aus den Drüsenzellen der Speiseröhre entwickelt, sowie das Plattenepithelkarzinom, das in den Zellen der Schleimhaut entsteht.4,5,6 Diese Trennung ist wichtig, da die Behandlung beider Formen unterschiedlich sein kann.6

Plattenepithelkarzinome können in der gesamten Speiseröhre auftreten, Adenokarzinome finden sich dagegen meist im unteren Bereich.6

Darstellung Schilddrüsenkarzinom im Ultraschall

Ursachen und Risikofaktoren

Welche Ursachen genau Speiseröhrenkrebs auslösen können, ist unklar. Aber es sind Faktoren bekannt, die das Risiko für die Entwicklung der Erkrankung erhöhen können. Zu diesen Risikofaktoren gehören vor allem:5,7

Symptome

Speiseröhrenkrebs macht sich im Anfangsstadium meist gar nicht oder nur kaum bemerkbar. Alarmzeichen können die folgenden Beschwerden sein:5,8

  • Neu aufgetretene Beschwerden oder Schmerzen beim Schlucken (Dysphagie)
  • Erbrechen von Blut oder Blut im Stuhl (Teerstuhl)
  • Übelkeit, Völlegefühl, Aufstoßen, brennende Schmerzen oder Druckgefühl hinter dem Brustbein
  • Unfreiwilliger Gewichtsverlust
  • Starker Appetitverlust

Diagnose

Standard bei Verdacht auf Speiseröhrenkrebs ist in der Regel die Spiegelung der Speiseröhre mit Entnahme von Gewebe (Biopsie und feingeweblicher (histologischer Untersuchung.9,10

Dabei wird ein biegsamer Schlauch (Endoskop) über den Mund und die Speiseröhre bis in den Magen oder den Zwölffingerdarm (Duodenum) vorgeschoben.9,10 Eine Kamera an der Spitze des Geräts überträgt die Bilder auf einen Bildschirm. Mit einer kleinen Zange, die über das Endoskop eingeführt wird, können Gewebeproben von verdächtigen Bereichen der Speiseröhrenschleimhaut entnommen und anschließend feingeweblich (histologisch) vom Pathologen untersucht werden.

  • HER2-Testung

Im Rahmen der feingeweblichen Untersuchung wird das Tumorgewebe auch auf den sogenannten HER2-Rezeptor-Status überprüft. HER2-Rezeptoren sind Bindungsstellen auf der Tumoroberfläche für HER2-Wachstumsfaktoren, die die Tumorzellen zur vermehrten Teilung antreiben.11 Diese Rezeptoren können bei einem Adenokarzinom am Übergang von der Speiseröhre zum Magen (gastro-ösophagealer Übergang) vermehrt vorkommen: Bei ca. jedem fünften bis sechsten dieser Patienten finden sich vermehrt HER2-Rezeptoren auf der Tumorzelle (positiver HER2-Status)11 In diesem Fall kann eine (zielgerichtete Therapie) sinnvoll sein, die die HER2-Rezeptoren blockiert.

  • Ausbreitungsdiagnostik (Staging)

Aus dem Tumor können Krebszellen über die Blut- und Lymphbahnen in andere Organe wandern und dort Tochtergeschwülste bilden (Fernmetastasen) Speiseröhrenkrebs breitet sich erfahrungsgemäß frühzeitig über die Lymphknoten (lymphogen) und über die Blutbahn (vaskulär) aus.12

Um die Größe sowie die räumliche Ausbreitung des Tumors im Körper festzustellen, folgen verschiedene weitere Untersuchungen. Nach deren Ergebnis wird die Erkrankung in Stadien eingeteilt (TNM-Klassifikation)

Darstellung Schilddrüsenkarzinom im Ultraschall

Therapie

Für die Behandlung von Patienten mit Speiseröhrenkrebs stehen mehrere Optionen zur Verfügung. Dazu gehören vor allem: 5,13

Diese Therapiemöglichkeiten können auch kombiniert eingesetzt werden.

Mit welcher der Optionen der Patient behandelt wird, richtet sich vor allem danach, ob ein Adenokarzinom oder ein Plattenepithelkarzinom vorliegt, und wie weit sich der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnose im Körper ausgebreitet hat.11,13

Wenn der Tumor früh entdeckt wurde und noch auf die oberflächlichen Schichten der Schleimhaut begrenzt ist, kann er im Rahmen einer Speiseröhren-Spiegelung mit einer kleinen Schlinge entfernt werden (endoskopische Resektion)5,13

Sofern der Tumor bereits in tiefere Schichten eingewachsen ist, muss die Speiseröhre in der Regel vollständig oder nahezu vollständig entfernt werden.13

Auch die Entfernung benachbarter Lymphknoten gehört zu dem Eingriff. Um die fehlende Verbindung zum Magen-Darm-Trakt wieder herzustellen, wird meistens der Magen hochgezogen und daraus ein schlauchförmiger Ersatz für die Speiseröhre gebildet.5,13

In den Tagen nach dem Eingriff kann der Patient nicht wie gewohnt essen. Um eine Mangelernährung zu vermeiden, kommt die Ernährungstherapie zum Einsatz, meist über eine Sonde.5

Die chirurgische Entfernung der Speiseröhre ist ein großer und schwieriger Eingriff, der für die Betroffenen belastend ist.5

Voraussetzung für die Operation ist daher ein guter Allgemeinzustand des Patienten. Mehr Informationen zu den allgemeinen Prinzipien einer operativen Therapie in der Onkologie lesen Sie unter Krebstherapie "Operation"

Bei Patienten mit Speiseröhrenkrebs wird die Strahlentherapie (Radiotherapie) nahezu immer in Kombination mit einer Chemotherapie eingesetzt.14

Diese sogenannte Radio-Chemotherapie kann je nach Art (Adenokarzinom) oder Plattenepithelkarzinom und Ausbreitung des Tumors vor der Operation (neoadjuvant) oder nach der Operation (adjuvant) verabreicht werden.14

Mehr Informationen zu den Grundlagen der Strahlentherapie in der Onkologie erhalten Sie unter Krebstherapie "Strahlentherapie"

Bei einer Chemotherapie werden Medikamente gegeben, mit denen das Wachstum bzw. die Teilung von Tumorzellen verhindert werden soll. Eingesetzt werden dafür sogenannte Zytostatika. ("Zellteilungs-Hemmer").

Diese sogenannte Radio-Chemotherapie kann der Patient je nach Art (Adenokarzinom) oder Plattenepithelkarzinom und Ausbreitung des Tumors vor der Operation (neoadjuvant) oder nach der Operation (adjuvant) erhalten.14

Gängige Zytostatika und Chemotherapie-Kombinationen für die Behandlung von Speiseröhrenkrebs sind vor allem:14,15

Weitergehende Informationen zu den allgemeinen Prinzipien der Chemotherapie sowie den typischen Nebenwirkungen und ihrem Management erhalten Sie unter Krebstherapie „Chemotherapie“

Zielgerichtete Therapien (engl. "Targeted Therapy") sollen verschiedene Zielstrukturen in den Tumorzellen und Gefäßzellen angreifen und damit den Tumor zerstören.

Bei Patienten mit fortgeschrittenem Speiseröhrenkrebs gibt es verschiedene Angriffspunkte der zielgerichteten Therapie, die oft auch mit einer Chemotherapie kombiniert werden.15

Für die Behandlung von Patienten mit einem fortgeschrittenen Adenokarzinom am Übergang der Speiseröhre zum Magen (gastro-ösophagealer Übergang) können die folgenden zielgerichteten Therapien eingesetzt werden:

Mehr zu den zielgerichteten Therapien und die Behandlung der typischen Nebenwirkungen lesen Sie unter Krebstherapien "Zielgerichtete Therapien"